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2011 – Die 50 Alben des Jahres

Im Rückspiegel hinterlässt 2011 ein ereignisreiches Musikjahr: zahlreiche große Bands haben sich zum Leidwesen vieler getrennt, nicht wenige ehemals wichtige Gruppierungen entern wieder die Bühnen. Am längsten währen werden jedoch vermutlich die Eindrücke jener Alben, die in den vergangenen zwölf Monaten auf Tonträger gebannt wurden.
neonliberal.at präsentiert seine 50 liebsten Albumveröffentlichungen 2011:

Knapp vorbei ist auch daneben | Zu den Plätzen 40 – 31 | Zu den Plätzen 30 – 21 | Zu den Plätzen 20 – 11 | Zu den Plätzen 10 – 01 | Zu den EPs des Jahres

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  50. 13 & God

  Own Your Ghost

 Auch nach sechs Jahren Pause gelingt es dem unwahrscheinlichen Bandprojekt wieder Brücken zu schlagen, die man so nicht erwartet hätte. Genau genommen gelingt es ihnen sogar besser als je zuvor. The Notwist steuern wie gehabt den Elektropop bei, Themselves den Hochgeschwindigkeitsrap mit Bugs Bunny Beigeschmack. Raus kommt kunstvoller Melancholiepop mit Beats in der Hinterhand – in noch besser. Mit viel Hirn erdacht, ist ‚Own Your Ghost‚ eine gefühlvolle Bauchplatte geworden. Und jetzt mal flotter nachlegen bitte!

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  49. Omega Massif

  Karpatia

Die Post-Metal Würze liegt oftmals in der Kürze – mit nicht einmal 50 Minuten ist das treffend benannte ‚Karpatia‚ der noch treffend benannteren Würzburger auf der knackigeren Seite des aufmerksamkeitsbedürftigen Genres anzufinden. Und da momentan wenige Genrekollegen die Dynamik des Laut/Leise-Spieles spannender gestalten als Omega Massif, ist die Zeit die man in deren nicht wenig groovendes Zweitwerk investiert beinahe so zügig wie in der ‚Geisterstadt‚.

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  48. Wild Flag

  Wild Flag

 Die Spice Girls hätten sich eine Platte wie ‚Wild Flag‚ wohl nicht einmal zu erträumen gewagt, als sie in den 1990ern von „Girlpower“ gackerten. Ungeachtet des Frevels, die britische Girlgroup überhaupt in einem Satz mit der amerikanischen Supergroup aus ehemaligen Riot Grrrl´s zu erwähnen: Mit 40 Minuten wie diesen hätte der Begriff eine ganz andere Bedeutung gewonnen. Zehn Songs, die auch ohne Bass grooven wie Sau, deren Gitarren vor Energie zu bersten drohen und die Melodien für die ganz speziellen Momente in peto haben.

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 47. Other Lives

  Tamer Animals

  Other Lives scheinen geradezu versessen nach  Raumfahrtgeschichten zu sein – tatsächlich greifen sie mit ‚Tamer Animals‚ auch wirklich nach den Sternen und lassen gerne Passagiere zu. Elf Songs lang nehmen die Amerikaner die Hörer an der Hand, laden mit grundsätzlich kompakten Kompositionen zum turbulenten Kopfkino ein, machen die Arrangements der Songs zu deren heimlichen Helden. Eine Erinnerung, wie magisch Popmusik doch sein kann.

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46. Yuck

Yuck

Die Band nach der den Trends hinterherhechelnden Band Cajun Dance Party spielt Musik, die keinen Trends hinterherhecheln kann, weil der Dinosaur Jr Durchbruch in den Mainstream wohl weiterhin unwahrscheinlich bleibt. Mit kleinen Schwestern und riesigen Afroträgern im Schlepptau mach Daniel Blumberg das beste aus seinen Vorlieben und basteln sich seine eigene unverschämte Hitsammlung. Da können The Pains of Being Pure at Heart auch im Rückspiegel nur neidvoll erblassen.

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  45. Real Estate

 Days

 Das verstehe wer will. Wie eine derart unspektakuläre Sammlung ereignisloser Gitarrenpopsongs derart abhängig machen kann. Passiert doch fast nichts in den vierzig Minuten hier. Die Melodien plätschern beiläufig und ungezwungen nebeneinander her und dann hauen sie mit ‚It’s Real‚ doch plötzlich einen derart unverschämten Sommerhit raus, dass man nur noch debil grinsen kann. Spätestens, wenn man bei ‚Out of Tune‚ keinen Pfifferling mehr auf die Rückkehr der Shins geben will, sollte man sich dann aber doch überlegen, ob hier Spektakuläres nicht nur ganz unspektakulär inszeniert wird. Schlussendlich muß man nicht verstehen, um es zu genießen.
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Mogwai "Hardcore will never die, but you will" Cover rt  44. Mogwai

 Hardcore Will Never Die, But You Will

Was sich das siebte Studioalbum der Schotten gefallen lassen muß: Es ist nicht so gut, wie die nachfolgende ‚Earth Division‚ EP und steht auch im Schatten der immer noch maßgeblichen und prägenden Discographiekorrektur ‚Mr. Beast‚. Was es  jedoch für eine Band bedeutet, wenn über ein Album gemosert wird, für welches Genrekollegen mindestens töten würden, darf sich jeder selbst zusammenreimen. Mogwai spielen in ihrer eigenen Liga und bleiben selbst dann noch Sieger, wenn sie sich selber schlagen.

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  43. Thrice

  Major / Minor

 Aufhören, wenn es am schönsten ist – Thrice sind die vermeindlich weniger konsequente Band der beiden Szenekönige, die 2011 einen Schlußstrich gezogen haben und dies bloß temporäre Pause nennen. Die Kalifornier wollen runter von den Bühnen, zurück in die Kreise ihrer Familien und im Nachhinein kann man natürlich sagen: Man hätte es wissen müssen. Nach einem Album, dass derart nostalgisch durch die Bandgeschichte streunt, wenig wirklich neu macht aber sich die besten Momente heraupickt. Und wäre das Ende dank den Discographiehighlights ‚Anthology‚ und ‚Disarmed‚ noch so erhaben: Ein Wiedersehen wäre noch viel schöner.

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  42. Kurt Vile

  Smoke Ring For My Halo

Das Kopf an Kopf Rennen gegen seine ehemalige Band hat der Mann, dessen Name zu gut ist um ihn zu erfinden, für sich entschieden. Dabei macht Kurt Vile auf seinem immerhin vierten Soloalbum wenig anders als Adam Granduciel auf dem zweiten The War on Drugs Werk. Aus Philadelphia kommen momentan die besten uferlosen Schrammelrocksongs ohne Anfang oder Ende. Für den Unterschied sorgten: ‚Baby’s Arms‘, ‚On Tour‚, ‚Society Is My Friend‚ und natürlich vor allem ‚Jesus Fever‚. Mit derartigen Hitkalibern konnte ‚Slave Ambient‚ dann nicht aufwarten.

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41. Russian Circles

 Empros

 Wie wichtig ‚Empros‘ für Russian Circles wirklich ist, wird erst die Zukunft zeigen. Nicht, weil sich das Trio erstmals getraut hat Farbe aufs Cover zu packen – sondern, weil die Instrumentalband keine mehr ist: ‚Praise Be Man‚ macht aus dem Post-Metal-Rock von Russian Circles intimen Folk und plötzlich weiß man nicht mehr, womit man bei der nächsten Veröffentlichung rechnen wird dürfen. Unter den Tisch fällt dabei beinahe der Fakt, dass die Band aus Chicago auch ohne die abschließenden vier Minuten von ‚Empros‚ niemals besser klang.

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Der Neongrelle Botenaffe

Der Neongrelle Botenaffe - ein Zeichen für die Freiheit der Kommunikation, ein Kämpfer für die Wahrheit und die Freiheit der Medien. Anonym bringt er alles an sein Ziel, ohne je einen Dank dafür zu verlangen. Denn die, die ihn schon kennen, lassen eine Banane auf ihrer Türschwelle für ihn zurück.

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