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Deppater Vandalismus

vandalismus-ist-nicht.net-ScreenshotVandalismus stinkt, ist scheiße und wird nur von absoluten Volltrotteln verbrochen. Vandalismus ist zerstören, kotzen und pissen.Vandalismus ist nicht nett. Findet die Stadt Graz, findet Bürgermeister Nagl.

Wer in der letzten Woche im Univiertel unterwegs war, kann sie nicht übersehen haben, die neue Anti-Vandalismus-Kampagne der Stadt Graz. Den neuen Augapfel Bürgermeister Siegfried Nagls. Unter vandalismus-ist-nicht.net will dieser eine „breite, zivilgesellschaftliche Kampagne“ gegen Vandalismus aufstellen.

Wie da Vandalismus definiert wird? Dem Delikt des Vandalismus, womit oftmals Sachzerstörung gemeint ist, machen sich laut der Kampagne auch jene schuldig, die sich nach übermäßigem Alkoholkonsum in der Stadt übergeben („Dummheit kotzt uns an“, „2,1 Promille Intelligenz. 100% Dummheit.“), keine Toilette finden und sich deswegen an Hausmauern oder ähnlichem erleichtern („Wer zu blöd ist, eine Toilette zu finden, sollte sich verpissen.“, „Idioten sollten sich verpissen.“). Die Sujets mit den markigen Sprüchen finden sich in der Fotogalerie der Website.

Oder an so gut wie jedem Straßeneck in Graz. Verpulfertes Geld, sinnlose Liebesmüh. Denn eine Plakatserie, die pauschal einmal je verurteilt, die in „das Univiertel“ gehen (denn vor allem auf dieses zielt die Kampagne ab), wird bei jenen kein Umdenken veranlassen. Ich sehe schon die Firma Ankünder, die die Plakate über die Stadt verteilt, an den Kosten der zerstörten Plakatständer verzweifeln. Mit den Plakaten mit ihren oftmals beleidigenden, angreifenden Sprüchen schafft Siegi Nagl eigentlich nur eines: Anreiz.

Aber wartet mal, ist das nicht eine „breite, zivilgesellschaftliche“ Kampagne? Nein, ist sie nicht, auch, wenn es behauptet wird.

Wer sich wie ein Idiot benimmt, muss damit rechnen, auch als solcher bezeichnet zu werden. Die Initiative gegen Vandalismus ist daher breit aufgestellt und umfasst neben der Stadt Graz auch Gastronomen, Unternehmen und Institutionen aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Gemeinsam ist uns die Überzeugung, dass es ein klares Auftreten gegen Vandalismus braucht, mit dem die Zivilgesellschaft Stellung bezieht.

Wortspenden für die mitgetragene „Initiative gegen Vandalismus“ liefern vor allem Magistrats- und Polizeibeamte, daneben einige Gastronomen und der CEO der Ankünder-Werbe-GmbH. Ginge es alse nach dieser Initiative, bestünde die Gesellschaft aus Bürgermeister, Beamten, einer Werbefirma und einigen wenigen Gestronomen. Auffallend: keine einzige Frau ist unter den Unterstützern.

Eine Initiative zusammen mit der Polizei, die vom Bürgermeister einer Stadt ausgeht und maßgebend von seinem Büro (und natürlich einer Werbefirma) aus gelenkt wird, dass hat mit der Zivilgesellschaft und Grass-Roots-Aktivismus nichts zu tun. Aber wir werden ja sehen, wen die ÖVP Graz noch auftreiben mag. Denn die Grünen, die mit der ÖVP Graz regieren, halten sich noch immer bedeckt. Auf ihrer Website und ihrem Blog findet sich kein Wort dazu, sondern nur Pamphlete gegen das geplante Murkraftwerk. Ob die für bereits genug Ärger mit der Grazer Volkspartei sorgen?

Ich finds auch nicht klass, wenn alles „daspiebn“ und kaputt ist, aber den wirklichen Problemen wird diese Kampagne, egal, was man von ihr halten mag, keinen Einhalt gebieten. Dafür ist sie zu pauschal und beleidigend angelegt, zeugt nur zu sehr von Nagls „gutbürgerlichem“ Unverständnis für die Bedürfnisse derer, die er hier offen, über Plakate angreift. Von seinem verkappten Verständnis von sozialem Engagement. Anstatt auf Prävention zu setzen – wozu es natürlich mehr als die Stadtpolitik braucht – wird, wieder einmal, Symptombekämpfung betrieben.

Anstatt harte Alcoholica härter zu besteuern und für Alternativen zum Vollrausch zu sorgen. Anstatt Probleme offen anzugehen, statt hunderte Jugendliche und junge Erwachsene unter Generalverdacht zu stellen. Und, anstatt öffentliche Toiletten auch wirklich öffentlich zugänglich zu machen. Denn die sind meistens um 22 Uhr geschlossen.

Bild: Screenshot vandalismus-ist-nicht.net

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (3)

  1. Jemand22. August 2011 Antworten
    Die Kampagne regt mich dermaßen auf (wohne im/am Rande des Univiertel(s) und sehe sie ständig). Wie kann man nur der Meinung sein, pauschale Beschimpfungen würden eine Verbesserung der Lage bringen? Sehr schön auch die Wortspenden der weisen Männer (= gut situierte Wirtschaftstreibende und Beamte). Dann überleg ich mir beim nächsten Mal halt sehr gut, ob ich wirklich ins Orange will.
    • Klemens22. August 2011 Antworten
      Würd ich mir ehrlich gesagt auch, vor allem, bei den dummen, pseudo-jugendlich-coolen Statements der Orange-Typen. Aber die haben auch eine Kooperation mit der Aktionsgemeinschaft, den ÖVP-/Cartellverbands-Studis…
  2. Lukas6. September 2011 Antworten
    Gott sei Dank ist mir diese Kampagne bisher verborgen geblieben. Aber prinzipiell stimm ich euch zu, an Stumpfheit wohl nicht zu überbieten!

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