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Diaspora – intransparent und pleite?

Rund 200.000 $ sammelte das Social-Network diaspora im kurzen Hype um einen möglichen Konkurrenten für das übermächtige Facebook. Davon ist anscheinend nichts mehr übrig, bitten die Entwickler doch um neue Spenden. Doch wo ist das ganze Geld hin, fragt derstandard.at und suggeriert dass das Geld nicht in das Projekt geflossen sein könnte (zumindest erkläre ein Blick auf joindiaspora.com nicht, wo das Geld geblieben sei).

diaspora

bild (c) diaspora

Der Vorwurf, dass bei diaspora intransparent gearbeitet werde, hatte einmal etwas für sich. Kein Changelog das über die Änderungen aufklärte, keine Aktualisierungen im Blog. Gibt es zwar bei Facebook auch nicht, aber Facebook wird nicht über Spenden finanziert. Doch die Entwickler von Diaspora haben dazugelernt. Das Changelog ist nun schon lange abrufbar und auch auf joindiaspora.com verlinkt.

Auch das Blog wird aktualisiert, und seit dem Start von Google+ ist man dazu übergegangen, E-Mails mit Informationen auszuschicken. Eine solche E-Mail war nun scheinbar der Anlass für den Artikel auf derstandard.at. Der berichtet, dass die “Burschen” “offensichtlich verzweifelt” um Geld bitten. Nun richtet sich der Aufruf nicht (nur) an “treue User”, sondern auch an Leute, die (noch immer) auf eine Einladung warten (man darf nicht vergessen, diaspora ist immer noch eine Alpha-Version). Denen wird dafür versprochen, dass sie ihre Einladung schneller oder sofort bekommen, quasi ein Austausch von “Geschenken”.

Das mag alles tatsächlich ein wenig verzweifelt klingen, zumindest scheint es, als sei das Team am Ende vom Geld angekommen. Womit wir bei der Eingangsfrage wären – wo ist das hin?

Anders als vielleicht angenommen, setzt sich Geld nicht direkt in Software um (es gibt keinen Automaten den man mit Geldscheinen füttert und der dann Code und Ideen ausspuckt). Das Geld kann dazu verwendet werden, die Rahmenbedingungen zu schaffen (Gehalt für die Leute die die Arbeit machen, Hosting, u.a.). Es wäre gar nicht schwer gewesen, herauszufinden dass diaspora gar nicht so intransparent ist. Zuerst hat sich ReadWriteWeb die, für manche JournalistInnen ungewöhnliche, Arbeit angetan, nachzufragen. Herausgekommen ist eine gute Analyse davon, wie die 200.000 $ verwendet wurden. Und dann wäre da noch die Abrechnung, die heute auch im Blog von diaspora veröffentlicht wurde (hier gibts die PDF).

Da steht z.B. dass von den ursprünglichen 200.000 $ rund 22.000 $ für “Fees and Commissions” und 28.000 $ für die Abwicklung der Geschenke (T-Shirts, Stickers, u.a.) die man für eine Spende auf Kickstarter, wo die 200.000 $ gesammelt wurden, bekam, anfielen. Über die Hälfte, nämlich ca. 114.000 $ wurden für die Angestellten ausgegeben: 1.000 $ Versicherung, 10.000 $ Steuern und der Rest das Jahresgehalt. Dieses beträgt pro Person 28.800 $ (rund 21.000 Euro). Das ist nicht nichts, aber Bereicherung sieht anders aus. Vor allem aber kann der Vorwurf der Intransparenz nicht ernsthaft erhoben bzw. aufrecht erhalten werden. Aber egal wie transparent und offen man dort arbeitet, das Projekt liegt trotzdem im Sterben und ein Erfolg ist unwahrscheinlich. Google hat alle Mühe sein Angebot für länger als einmal Anmelden interessant zu machen, während Facebook ungestört wächst und gedeiht.

Diese, tatsächlich existenzielle Bedrohung für diaspora soll abschließend noch mit einer (für mich) erschreckenden Grafik von Sascha Lobo illustriert werden. Zuvor aber noch ein ungleich optimistischeres Video (mit Dank an @kellerabteil):

Facebooks Größe ist erschreckend
Anm: Alle Seitenaufrufe von Facebook weltweit, der TOP 100 Seiten des World Wide Webs weltweit, jedoch ohne Google und Pornographie.

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