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Epic Fail #21: Ehrenbürger Hitler

Die Entnazifizierung hat in Österreich bekanntermaßen eher schlecht funktioniert. Wieder einmal wurde jetzt eine Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers bekannt, diesmal in Amstetten. Bei der Aberkennung dieser enthielten sich die Mandatar_innen der FPÖ.

Offiziell enthielt sich die FPÖ Amstetten bei der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers, weil die Ehrenbürgerschaft generell mit dem Ableben Hitlers verfallen sei und eine Direktive des Alliierten Kontrollrats 1946 allen Nazis die Ehrenbürgerschaft aberkannte. Die Obfrau der FPÖ Amstetten, Brigitte Kashofer, dazu im Standard-Interview: “Wenn ich was widerrufe was nicht existiert, ist es ein Eingeständnis, dass es existiert, das war aber nicht so.”

Kashofer ortet Panikmache und wirft SPÖ und Grünen Populismus, der nur darauf abziele, Amstetten zu schaden, vor. Die Symbolik sei hier falsch.

Ja, stimmt so. Die Symbolik ist falsch. Die Symbolik, sich bei so einem Beschluss zu enthalten, ist absolut falsch. Sie bestätigt ein Bild von der FPÖ, das immer wieder die Runde macht, wenn jemand hinter den Vorhang dieser Partei blickt und ihre Mitglieder auf Verbindungen zu rechtsextremen, nationalistischen Kreisen untersucht. Ob Hitlers Ehrenbürgerschaft jetzt noch gültig war oder durch sein Ableben/einer Direktive des Alliierten Kontrollrats verfallen ist, ist hier absolut zweitrangig. Es geht ausschließlich um die Symbolik, die hier absolut richtig ist, ein klares Zeichen gegen die unreflektierte Annahme der eigenen Vergangenheit.

Brigitte Kashofer wurde 1995 schon fast aus der FPÖ ausgeschlossen, weil die pensionierte Volksschullehrerin damals in einem Flugblatt der blauen Gewerkschaft AUF ihre Meinung zum Verbotsgesetz in die Welt hinaus posaunte:

“Sicherheitshalber wurde das Verbotsgesetz erlassen, um die Gebildeten unter den Kritikern mundtot zu machen. (…) Noch heute werden die Kriegsverlierer pausenlos zu einseitigem Schuldbekenntnis aufgefordert, während in Vergessenheit gerät, dass England den Krieg begonnen hat.”

Es ist also offensichtlich, dass sie etwas von Geschichte versteht und in keinster Weise mit Nationalsozialismus oder Geschichtsrevisionismus in Verbindung gebracht werden möchte. Wäre ja auch schlecht für sie, könnte rechtliche Probleme nach sich ziehen.

Wünschenswert wäre es jetzt nur noch, wenn endlich alle nach Ottokar Kernstock und anderen Rechten benannten Gassen, Straßen, Wege, Plätze und Häuser mit sofortiger Wirkung umbenannt werden würden. Denn solche Initiativen sind viel zu selten.

Foto: BjørnS

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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