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FIFA Frust

Wenn mich vor wenigen Jahren jemand gefragt hätte, was meine Lieblingsfußballmannschaft sei, hätte ich ihn_sie ausgelacht und selbstgefällig auf meinen philosophischen Intellekt verwiesen, der sich naturgemäß nicht mit dem primitiven Verlangen 22 Männer anzubrüllen und dabei Bier zu trinken vereinbaren lässt.

Gut, als kleiner Junge gab es in der Steiermark das „Magische Dreieck“. Als magisches Dreieck bezeichnete man das Zusammenspiel dreier Fußballer des SK Sturm Graz. Ivica Vastic, Mario Haas und Hannes Reinmayer verzauberten von Bad Aussee bis nach Bad Radkersburg die Herzen vieler Menschen und so auch meines. Die goldenen Jahre des SK Sturm Graz schoßen die Farbenlehre aus meinem Hirn und für mich war alles nur noch Schwarz und Weiß. So gingen die Jahre dahin, SK Sturm Graz brachte die goldenen Jahre hinter sich. Meine fußballbegeisterten Freunde wurden älter und ihre Fußballparolen waren nicht mehr herzig sondern einfach nur dämlich. Das Kapitel Fußball war, bis auf die Großereignisse der Europa- und Weltmeisterschaften, für mich abgehakt.

Damit ich mich wieder für Fußball begeistern konnte, brauchte es schon gute Gründe. Einer davon war meine wundervolle Freundin (SK Sturm Fan), die den Stein ins Rollen brachte. Somit war ich vorbereitet für die wunderbare Welt des Konsolenfußballs. FIFA musste nicht viel leisten und ich war Feuer und Flamme. Und wer durch das Spiel schon alle Namen und Teams kennt, der will dann auch wissen wie es ausschaut, wenn sich die Computerheinzis in der realen Welt abmühen. FIFA 11 versüßte auch noch so schwere Stunden der Einsamkeit und der Isolation und niemand konnte diese Freude trüben. Niemand?

Vor kurzem war es so weit, die beiden Computerfußballspiel-Giganten wurden in ihrer 2012 Version veröffentlicht: Pro Evolution Soccer und FIFA. Da meine Begeisterung für FIFA 11 ungeahnte Höhen erreicht hatte, entschied ich mich konsequent zu bleiben und erwarb auch FIFA 12.

Die Vorfreude war groß –  wo ich nur konnte klickte ich auf exklusives Fotomaterial, Trailervideos und las jeden Vorabtest, egal in welchem Medium. Das Passspiel sollte genauer werden, die Spielphysik realistischer, und die großartigste Neuerung sollte das neue Zweikampf- und damit verbunden vor allem das Verteidigungsverhalten sein. „Wahnsinn… FIFA 11 nur noch besser!“ schlussfolgerte mein kleines Fußballherz.

Bis zu den ersten digitalen Gehversuchen meines Virtual Pro Spielers dauerte es lange. Spiel installieren, Online registrieren, das erste Update runterladen und und und. Die Spielstufe wird natürlich auf „Profi“ gestellt, schließlich will man in den Online-Rankings auftauchen und FIFA 11 hat man auch auf Weltklasse spielend gemeistert. Dann muss man seinen Lieblingsverein unterstützen und wählt SK Sturm Graz als Mannschaft aus. Scheiß auf das Freundschaftsspiel, dachte ich mir, ab in die Meisterschaft. Das auf dem Spielplan stehende Testspiel gegen Wiener Neustadt entlockte mir ein hämisches Grinsen. Der amtierende Meister gegen eine Mannschaft aus Niederösterreich sollte keine Schwierigkeit darstellen.

Das hämische Grinsen wich schon nach wenigen Minuten einem weinerlichen Schmollmund. Ein Ballbesitz von 70% für Wiener Neustadt und ein Torrückstand von 3 Zählern dämpfte die Laune. Dem obligatorischen Spieltutorium für das neue Defensivverhalten, auch „Zustellen“ genannt, hatte ich kaum Beachtung geschenkt, das würde ich schon im Spielverlauf kapieren, dachte ich mir. Die Realität sieht anders aus: bis zu vier Sturmspieler laufen einem Gegner hinterher, tackeln und rutschen ins Leere. Wenn man dann doch einmal den Ball ergattert, hagelt es gelbe und rote Karten und dem ahnungslosen Sturm-Tormann haut es die Freistöße und Elfmeter nur so um die Ohren. Faires Gameplay ist was anderes.

Ich bin es leid, ich checks nicht, ich kann spielen gegen wen ich will …

ich gewinne kaum bälle und bin nur am gegner hinterherrennen, ohne erfolg.

ich werde spielend ausgespielt und gewinne kein laufduell,
meine gegner aber gewinnen jeden zweikampf gegen mich und fangen jeden pass ab, egal ob die einfach nur dumm rum stehen oder geradeaus laufen.

ich selber kann aber keine passwege zustellen, meine gegner sind einfach immer min. 2 schritte voraus.

ich verstehe es einfach nicht, wie meine gegner ohne probleme über mehrere stationen hin und her passen können, dass ich nie hinter ballführende spieler hinterher komme, aber ich selber selten mal 3 passstationen am stück hinbekomme oder unfallfrei 5 meter übern platz laufen kann
dazu kommt das ich jedes spiel auswärts antreten muss (Ultimate Team)

Gibt es denn irgendwo Guides oder Tutorials bei dem man ansatzweise tipps bekommt ?

das frustiert mich wirklich sehr, ich möchte aber gerne spaß am spiel haben „

Das schreibt der offensichtlich verzweifelte User „Vorgartenkicker“ in einem FIFA-Forum.

Mein Selbstvertrauen wurde seit diesem ersten Testspiel durch Demut ersetzt. Ich trainierte hart und investierte viel Zeit um verschiedenste Verteidigungs- und Zweikampfstrategien auszuprobieren. Wenn aber ein geübter Konsolenspieler nach Wochen nicht kapiert, wie ein Spiel funktioniert und schon 3 Mal gegen Wiener Neustadt und 2 Mal gegen Mattersburg (!!!) verloren hat, dann muss was faul sein. Wie kann es sein, dass ein Computerschiedsrichter genauso unfair ist und scheiße pfeifft wie einer aus Fleisch und Blut bei einem Sturm Spiel gegen einen Wiener Klub?

Wenn es das Ziel von FIFA 12 ist, SK Sturm im Computerspiel so viele Fehlpässe und unnötige Fouls (Burgstaller) anzuhängen wie im echten Leben, dann ist FIFA 12 ein voller Erfolg. Wer aber auch immer das „Zustellen“ erfunden oder programmiert hat, möge sich in die Einsiedlerei verziehen und mir PES 2012 schenken. Und einmal abgesehen vom Spielprinzip… bei FIFA 11 gab es zuhauf Beschwerden, weil es durch technisches Versagen unmöglich war, online gegen Freund_innen zu spielen. Electronic Arts (EA) hat auf eine Lösung des Problems verzichtet, noch einigermaßen verständlich, wenn FIFA 12 schon in den Startlöchern war. Ein erster Versuch zweier Freunde, bei FIFA 12 gegeneinander zu spielen, ist am selben Problem gescheitert. Seither traue ich mich nicht, es ebenfalls zu versuchen. Was wenn mein 50 Euro teures, nagelneues Spiel, das hauptsächlich darauf ausgerichtet ist Menschen online zu verknüpfen und gegeneinander antreten zu lassen, mir den „Freundschaftsdienst“ verweigert? Will ich das wirklich auf mir sitzen lassen? Soll ich EA eine E-Mail schreiben? Was wenn sie es wieder ignorieren und nichts passiert?

Immer wieder aufs Neue starte ich FIFA 12, um für ein paar Minuten dem Stress zu entfliehen und mit Sturm Graz ein paar Ärsche zu treten und Rapid in den Boden zu stampfen. Immer wieder schalte ich meine Playstation 3 angepisst mit knallroten Ohren ab und fluche auf den Schiedsrichter, fluche auf die eigenen Spieler, die es zu viert, zu fünft nicht schaffen dem Gegner den Ball abzunehmen.

Ein Blick in die FIFA-Foren gibt mir auch nicht den rettenden Tipp um den Schiedsrichter mit einer hinterhältigen Sense das Licht auszublasen. Niemand kann mir erklären, wie man ohne eine gelbe Karte zum Ball kommt. Und niemand hat noch mit mir online FIFA gespielt. Traurige Welt, die mir EA Sports da eingebrockt hat.

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Comments (3)

  1. Harry26. Oktober 2011 Antworten
    Bald hast jemand zum Online zocken 😉
  2. Dyrnberg4. November 2011 Antworten
    Kopf hoch. Zumindest ist ein schöner Text dabei rausgekommen.
  3. Tommy4. August 2012 Antworten
    Dann spiel doch einfach mal zwischendurch was anderes…schau mal hier vorbei http://www.games.de

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