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Glassjaw – Our Color Green

Was spätestens 2010 realistischere Züge anzunehmen begann, scheint nun Gewissheit zu werden:
Glassjaw melden sich zurück.
Knappe neun Jahre nach dem letzten Album bündelt man die fünf auf Vinyl veröffentlichten Singles aus dem Vorjahr zu einer EP. Ein dankbarer Schritt, bekam man die seltenen Sammlerstücke doch im skurrilsten Fall lediglich zu einer bestimmten Uhrzeit in einer New Yorker Pizzeria.
Wer möchte da also bekritteln, dass es schlussendlich gerade einmal zu einer digitalen Veröffentlichung gereicht hat, deren Songs teilweise schon fast zwanzig Jahre auf dem Buckel haben?

Doch zum Wesentlichen:
Musikalisch geändert hat sich trotz nahezu eines Jahrzehntes Tonträger Abstinenz wenig. Ross Robinson wurde als Produzent durch Jonathan Florenzio ersetzt und nach Todd Weinstock´s Ausstieg spielen Glassjaw mittlerweile zwar zu viert, allerdings schlagen sich diese Faktoren nicht merklich auf den Sound der Band nieder. Hier und da schleichen sich zwar kleine elektronische Spielereien in die Songs, man mag dies jedoch eher auf Sänger Daryl Palumbo´s Zweitband Head Automatica zurückführen.
Ansonsten spielen Glassjaw ihren Post-Hardcore noch immer irgendwo zwischen brutalen Noiseattacken und großen Hymnen. Palumbo brilliert stimmlich noch immer gleichermaßen als Brüllaffe wie als einfühlsamer Crooner und leidet natürlich immer noch an Morbus Crohn und gebrochenem Herzen – und bleibt wohl die Hassfigur für Verächter langgezogener Vokale.

Dass die vergangenen Jahre nebst Seitensprüngen und Umbesetzungen an der Band also offenbar nahezu unbemerkbar vorübergegangen zu sein scheinen, fällt jedoch zu keinem Zeitpunkt negativ auf – im Gegenteil.
Spätestens beim alles überragenden “You Think You’re (John Fucking Lennon)” zeigen Glassjaw auf, dass diese Band seit jeher ihre ganz eigene Nische geschaffen hat und problemlos in einer Liga mit Größen des alternativen Metal mitspielen könnte und sich wohl nur selbst im Wege steht.

Insofern bleibt zu hoffen, dass man es als gutes Omen sehen kann, dass diese ihrem Namen alle Ehre machende Singles Compilation  ausgerechnet von einem  kompositorisch eigentlich in einer Reihe mit den bisherigen Eröffnungsnummern der Band stehenden Stück abgeschlossen wird und Album Nr. 3 bald mehr sein könnte als die neue Pointe im ehemaligen Chinese Democrazy Witz.


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Comments (3)

  1. Pingback: Aus der Neonliberal-Musikabteilung wird Heavypop.at! - Neonliberal.at | Neonliberal.at 16. Februar 2012 […] mehr als ein Jahr ist es her, dass Oliver die Musikabteilung das erste Mal mit einer Rezension bereicherte. Seitdem verfasste er 229 Artikel für […]

  2. Pingback: Wo bleibt eigentlich der Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] schmeißen sie seit geraumer Zeit mit auf EPs gebündelten Singles um sich, die zeigen, dass sie ihren emotionalen Post-Hardcore problemlos immer noch mindestens ebenso unnachahmlich und f…; oder die eine Entwicklung dokumentieren, die Glassjaw als rhythmusbetonte Tanz-Apocalypse […]

  3. Pingback: Color Film – Living Arrangements - HeavyPop.at 23. Juni 2017 […] angeht. Während sich also auch nach eineinhalb Dekaden (und den beiden grandiosen Kurzformaten Our Color Green sowie Coloring Book) weiterhin keine neue Glassjaw-Platte am Horizont abzeichnet, darf Living […]

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