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Martina Schröck – Der Befreiungsschlag der Grazer SPÖ

Nicht weniger als fünf (!) Stadtparteivorsitzende hat die Grazer SPÖ innerhalb eines Jahres gebraucht. Neben der nur wenige Tage im Amt verbliebenen Elke Edlinger war wohl die Figur Edmund Müller an Tragik kaum zu überbieten.

Für Müller waren die Zurufe nicht sehr hilfreich. Zugehört und danach gehandelt hat er trotzdem.

Die Grazer SPÖ selbst beendete das Trauerspiel noch im ersten Akt und wählte Martina Schröck im Parteivorstand interimistisch mit 96% zur neuen Vorsitzenden. Edmund Müller wäre wohl taub gewesen, wenn er die Rufe der Parteibasis überhört hätte. Spätestens nachdem sein einziger Verbündeter Franz Voves ihm die Unterstützung verwehrte, war der Rücktritt nur logisch.

Edmund Müller hat die Grazer SPÖ nicht neu aufgestellt, hat keinen frischen Wind gebracht und schon gar nicht hat er die Grazer SPÖ aus dem Tief geholt. Wenn, dann fuhr der Karren in seiner Zeit noch mehr in den Dreck. Doch wer meint, Müller hätte versagt, liegt falsch. Müller bringt die Sache auf den Punkt,  wenn er sagt, dass er den Job zwar gern gemacht, sich aber nicht um das Amt des Vorsitzenden beworben hat. Müller wurde geholt wegen seiner Qualitäten als Manager und weil er Distanz zum Parteiapparat hatte. Kein geringerer als Franz Voves selbst ist verantworlich für Edmund Müller als Vorsitzenden, dessen Scheitern und die schlechten Umfragewerte der Grazer SPÖ. Voves hatte die Grazer Partei und ihre Wahlergebnisse satt und so lange zugeschaut bis sie am Boden lag.

Ebenfalls ein Dorn im Auge des Landeshauptmanns war die Position der Grazer Genoss_innen gegen das Bettelverbot und die internen Streitereien. Voves bewegte die vom Parteitag gewählte Elke Edlinger aus ihrem Amt und installierte Müller. Das hatte die Grazer Partei nicht selbst entschieden – und wer die Grazer Genoss_innen kennt, konnte schon ahnen, dass sie damit nicht zufrieden waren. Auch wenn Edi Müller mit seiner Millionenpension und der Abfindung für Aufregung sorgte, es war nicht der Grund für sein Scheitern. Die SPÖ Graz kann sich nur selbst helfen und das ohne, dass ihnen der Landeshauptmann ‚drein redet‘.

Eine Person an der Spitze kann nicht so gut sein, dass sie eine marode Partei wie die Grazer SPÖ alleine wieder nach vorne richtet. Wer auch immer den Vorsitz innehat, braucht die Unterstützung des Vorstands, verschiedenster Teil- und Bezirksorganisationen. Woher sollte Müller diese Unterstützung auch bekommen, wenn er die Grazer Partei nicht kannte? Zu groß war das Misstrauen gegenüber dem „Außenstehenden“, der der große Heilsbringer sein sollte und noch dazu keine eigenen Ideen mitbrachte. Niemand kennt bis heute auch nur eine einzige politische Meinung von Müller.

Martina Schröck wurde mit 96% zur interimistischen Vorsitzenden der SPÖ Graz gewählt.

Auch Martina Schröck wird nicht die Heilsbringerin sein, aber die Grazer Partei hat selbst entschieden und das mit großer Mehrheit (96%). Mit diesem Vertrauensvorschuss kann sie gut arbeiten und endlich ein politisches Profil der Grazer Sozialdemokratie erstellen. Sie selbst spricht davon, dass die SPÖ Graz endlich aufhören muss sich mit sich mit selbst zu beschäftigen. Immerhin ist die Grazer Partei in Opposition und Schwarz-Grün schalten und walten ohne Widerstand in der Stadtregierung.

Entscheidend für die kommenden Wochen wird die Besetzung des zweiten Stadtrats und die Performance des neuen Zweiergespanns in der Stadtregierung sein. Aber auch der notwendige Parteitag in 6-8 Wochen wird zeigen, ob die studierte Soziologin mit Rückenstärkung der Gewerkschaft die richtige Entscheidung war. Die Schonfrist für Schröck ist kurz, am Parteitag darf es nicht nur um ihre Wahl als Vorsitzende gehen, sondern auch um die Richtung, in die es gehen soll und um Positionen & Inhalte. Denn wenn es wieder Inhalte und Forderungen der Grazer SPÖ gibt, dann wird es auch wieder sozialdemokratische Politik in der zweitgrößten Stadt Österreichs geben. Die wünschen sich viele Menschen in Graz – und bestrafen deswegen die Sozialdemokrat_innen für ihre Inhaltsleere regelmäßig bei Umfragen.

Fotos: SPÖ Graz bzw. Anzetteln.at

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