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Moneyboy und die Bildungsverlierer

„Bildungsverlierer – Wir wollen keine werden“, so lautet der Titel einer Kampagne der ÖVP-nahen Schülerunion. Um auch für nationales Aufsehen zu sorgen, wurden einige österreichische C-Promis mit ins Boot geholt.

Und genau hier beginnt die Misere: Zu den Prominenten gehören unter anderem Moneyboy und Richard Lugner, die mit ihren akademischen Titeln Werbung für Bildung machen. Dass Bildung aber mehr als nur ein Titel vor dem Namen ist, bleibt für die Beteiligten wohl ein Geheimnis, denn sowohl Lugner als auch Moneyboy haben in der jüngeren Vergangenheit eher unkluge Aussagen getätigt.

Moneyboy, mit bürgerlichem Namen Sebastian Meisinger, studierte Publizistik an der Uni Wien und wird im Video auch als Rapper und Magister promotet. Für einen akademischen Titel eher unwürdig sind allerdings die eigenen Aussagen auf seiner Facebook-Pinnwand. Hier versucht er sich mittels Sexismus aus der untersten Schublade über ein Karrieretief hinweg zu posten. So schreibt er zum Beispiel „Morgenstund hat Gold im Mund. Also genau die richtige Zeit, einer Hoe in den Mund zu pi….“, oder „Mal schauen, ob heute wieder eine bitch weggecockt wird.

Auch beim Thema Drogen zeigt sich Meisinger, wenn auch vermutlich nur als Promogag, nicht gerade als Vorbild. So kann man immer wieder Postings wie „Das MDMA, das ich vor ner Stunde eingenommen habe, fängt an, zu wirken. Niiiice. 😀“ oder  “You know what I like? Young girls that smoke weed! SWAG“ lesen.  Allerdings wurde dann wohl doch eher auf den Magistertitel als auf den Inhalt von Meisingers Texten geschaut.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Baumeister Lugner, der in einem Interview für das ORF-Magazin Chili einfach mal alle Homosexuellen als aidskrank bezeichnete. So sagte er: „Ich habe jetzt unlängst ein Buch gelesen, also ein Kapitel über Homosexualität, und da habe ich gelesen, wie gefährlich das ist und was da alles für Gefahren schlummern. Deswegen wird man eben aidskrank.“ Für diese Aussage wurde er zwar vom Life Ball ausgeladen, genießt aber in den Augen der Schülerunion, vor allem dank seines Ingenieurtitels, den Status eines Bildungsgewinners.

Anhand der YouTube-Videos kommt stark der Eindruck auf, Bildung geht nur einher mit einem – in Österreich ach so wichtigen – Titel, und dem Fakt, dass jemand auf einem Haufen Geld sitzt. Und auch bei Moneyboy drängt sich mir die Frage auf, wie jemand ein Publizistikstudium abschließen und dann in seinen Texten keine zwei unterschiedlichen Reimwörter finden kann?

Foto: cityshake

httpv://www.youtube.com/watch?v=4-l0BUJWXoI

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Comments (4)

  1. Christopher21. März 2012 Antworten
    Ich find dein Artikel sexy! \m/
  2. Ein Guter23. März 2012 Antworten
    vielleicht haben sie die promis dabei, damit leute wie ihr darüber berichten?
    die sache ansich ist ja gut, man muss halt a bissl für aufmerksamkeit sorgen
  3. universdilettant23. März 2012 Antworten
    genau – aber warum, dann die Aussage: Die Bildung brauch ich, damit ich mich genauso dumm verhalten zu habe. Da hab ich den Gedanken – „brauch da keine Bildung um mich proletarisch zu verhalten“. Bildung wird dort als reine Netzwerkscheiße gesehen (wenn du deinen Wisch hast, dann bist was). Dieser Begriff ist problematisch.
  4. Die Wahrheit12. März 2013 Antworten
    Der Fakt, dass Moneyboy einen Abschluss an einer Hochschule hat, sollte dem Autor dieses Artikels reichen um zu verstehen, dass Herr Meisinger das ganze nicht ernst meint und ähnlich wie Rapperkollegen wie Kollegah (der meinen Quellen zufolge auch ein Jurastudium hinter sich hat) sein Image gnadenlos durchzieht, da es Hass erweckt und dieser ihn folglich bekannt macht. Sein Geld verdient er nun durch Youtube Klicks, Kleidung und durch Auftritte. Eine schlaue Masche, die wie man sieht, sehr gut aufgeht und einen Hochschulabschluss erfordert.

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