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Offensive 2012 – zur Stadtwerbekampagne

Mit der „Offensive 2012“ ging die Stadt Graz und ihre Holding in die PR-Offensive. Für Plakate, Anzeigen und Fernsehspots wurde insgesamt 1 Million Euro aus den maroden Budgets der Stadt und der Holding Graz freigemacht.

Die Absicht hinter der Kampagne, so kurz vor der Gemeinderatswahl Anfang 2013, dürfte klar sein: mit einer Imageoffensive will Bürgermeister Nagl die Leistungen der Stadt positiv bekannt machen. Kommt es so auch an, fällt das wiederum auf ihn als Bürgermeister zurück, woraus sich ein Stimmenzuwachs für ihn erwarten ließe. Schließlich ist Nagl bald seit zehn Jahren Bürgermeister – und sonst außer auf medienwirksamen Großveranstaltungen eher weniger umtriebig.
Auf meine telefonische Anfrage, woher das Geld im sonst so defizitären Stadtbudget genau komme habe ich nie den versprochenen Rückruf bekommen, eine andere Absicht als die „Bekanntmachung der Leistungen des Haus Graz [Anm.: der Stadt und ihrer Beteiligungen]“ wurde natürlich verneint.

Jetzt ist die Stadt voll mit den Hochglanz-Anzeigen. Artikel erklären und bewerben die Werbekampagne (interessant die Sprache von „Produkten“ der Stadt und welche Stadtämter besonders hervorgehoben werden). Auf dem Privatsender Steiermark 1, der – wie u.a. die Kleine Zeitung – zur Styria Media Group AG, der eine Nähe zur ÖVP nachgesagt wird, gehört, laufen Infospots mit dem Titel „Graz – Mein Magazin“. Der Sender gibt eine potenzielle Reichweite von 500.000 Haushalten an, die Zahl wirklicher Seher_innen lässt sich zumindest online nicht herausfinden. Ich bezweifle die Breitenwirkung solcher Regionalsender und den Sinn, in Fernsehspots auf ihnen zu investieren.

Um jedoch auf die Plakate einzugehen: die „Offensive 2012“ ist – wie oben bereits beschrieben – perfides Eigenlob. Die Plakate erwecken mit Feel-Good Stil den Anschein, in einer wunderbaren Stadt zu leben, in der alles für das Wohlbefinden seiner Einwohner_innen getan wird. Natürlich: Verbote, schlechte Öffi-Taktung zu hohen Preisen, die Univiertel-Problematik fernab jeder Lösung oder Ähnliches lässt sich nicht so gut vermarkten.

Aber wie wird das vermarktet? Vier der sechs Sujets halte ich für sexistisch, ein Punkt, den ich bereits auf Twitter gemacht habe.

Warum ist die Kampagne sexistisch?, war die Frage, die darauf kam. Ich möchte kurz die vier Sujets herausgreifen und erklären, warum ich sie für sexistisch und heteronormativ halte.

Fangen wir an mit Oma. Der Mann der Holding räumt noch öfter auf als sie. Ein Klischee, das mit Opa sicher nicht gebracht werden würde. Das Rollenbild der femininen, für die Enkelkinder kochenden und aufräumenden Oma wird bedient.

Weiter geht’s mit dem Tennis-spielenden Jungen. Der ist stolz auf seinen Aufschlag, während seine Schwester ihn passiv im Hintergrund beklatscht. Das interessiert natürlich Papa, Sport ist ein Männerthema.

Mama hat damit sicher nichts am Hut. Als Frau ist sie für „weichere“ Themen als Sport zuständig, in diesem Fall Kunst. Sie ist eine zierliche, attraktive, „feengleich“ auftretende Frau, die durch das moderne Grazer Kunsthaus schwebt – und sich dabei noch mit ihrem Kind befasst.

Aber die Höhe ist wohl des einkaufende Pärchen. Während sie darüber lacht, packt er den Fahrradanhänger (eine Initiative von Vizebürgermeisterin Rücker) in Tetrismanier mit Einkäufen an, die sie getätigt zu haben scheint. Werben tut das Pärchen für die Verkehrsplanung der Stadt Graz. Offensichtlich, oder?

 
Fotos: Screenshots / Originalfotos der Kamapagne: Jasmin Schuller

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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