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Regierungsfunk ORF?

Armin Wolf begründet sein Engagement gegen die Bestellung Niko Pelinka zum Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz damit, dass der ORF als „Regierungsfunk“ wahrgenommen werden könnte. Aber ist dies nicht ohnedies schon längst so?

Beim Thema ORF gehen zur Zeit die Wogen hoch: die Vielleicht-Bestellung von Niko Pelinka als Büroleiter Wrabetz‘ hat in den letzten Wochen für viel Aufsehen gesorgt. Elfriede Jelinek meint sogar, dass die Sozialdemokratie nun tot wäre.
Der unter anderem aufgrund seiner unschlagbaren Live-Interviews beliebte ZIB 2-Moderator ist einer der schärfsten Kritiker der Bestellung Pelinkas. Zurecht sorgt er sich um die Glaubwürdigkeit des ORF und der ZIB. Doch wie glaubwürdig kann ein Medium sein, dessen Gremien seit jeher auch von Regierungsparteien beschickt werden?

Auch wenn es beim ORF ohne Zweifel unabhängige, engagierte Journalist_innen gibt, der Überhang von ÖVP und SPÖ in der Berichterstattung ist dennoch erheblich. Die ZIB-Watch 2011 von MediaWatch – Institut für Medienanalysen GmbH bestätigt dieses Bild: in der O-Ton-Analyse der ZIB 1 und ZIB 2 nehmen die ÖVP und die SPÖ klar den Hauptteil der Redezeit ein, während die Oppositionsparteien insgesamt bei rund ein Fünftel der Redezeit halten, in der ZIB 24 ist es immerhin schon die Hälfte.
Selbst wenn die Berichterstattung (mehr oder weniger) neutral erfolgt und es nur logisch ist, dass Regierungsparteien in den Nachrichten etwas häufiger vorkommen, zeigt die MediaWatch-Analyse eine klare Dominanz von ÖVP und SPÖ. Eine Dominanz, die sich wohl eher nicht daraus ergibt, dass die beiden Parteien die interessanteren Statements zu verlautbaren haben. Dennoch ist es nicht zulässig, den ORF als Regierungsfunk zu bezeichnen, eben aus dem Grund, dass es die Redakteur_innen des ORF immer noch schaffen, sachliche Berichterstattung zu betreiben. Aber:

Trotzdem ist diese Dealerei für den ORF schädlich, weil es die Glaubwürdigkeit ruiniert: Wir stehen als Regierungsfunk da, obwohl wir keiner sind.
(Armin Wolf, Profil-Interview, 7.1.2011)

Foto:  Martin & Julia

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