Wenn ein öffentliches Unternehmen auf seiner Facebook-Seite von einem User kritisiert wird und der Eintrag innerhalb von zwei Tagen über 1900 Likes bekommt, steht es vor der schwierigen Frage, wie man richtig damit umgehen könnte. Einen Blog mit dem Namen „Shitstorm ‘Graz Linien’“ einzurichten, in dem die Kritiker_innen „Shitstorm-Community“ genannt werden, ist eine denkbar ungeschickte Antwort.
Kurz vor Ferienbeginn wurden die Fahrpreise der Holding Graz Linien wieder mal erhöht. Die Stundenkarte kostet nun zwei Euro, für die 24 Stunden-Karte darf man bereits 4,50 Euro bezahlen – vor vier Jahren kostete sie noch 3,80. Im gleichen Zeitraum hat sich der Preis der Jahreskarte um stolze 49 Euro erhöht. Die Wochenkarte wurde nun innerhalb eines Jahres um 70 Cent teurer, was eine Erhöhung des Preises um 6 Prozent bedeutet. Wieso die Tarife im Juli erhöht wurden, obwohl die zahlreichen Baustellen in der Stadt, wie etwa in der Annenstraße, einen reibungslosen Öffi-Verkehr erschweren? Das fragte sich auch ein Facebook-User, der auf die Pinnwand der Holding Graz folgendes postete:
“Eure Preise sind mittlerweile eine unzumutbare Frechheit. Wo soll das den hin führen wenn die jedes Jahr erhöht werden? Mittlerweile ist es einfach sinnlos eure Dienste in Anspruch zu nehmen, wenn ich in die Stadt fahre hab ich entweder die Wahl mir 2 Stundenkarten zu kaufen oder 1 Tageskarte. Unter 4 Euro geht nichts, da bin ich mit dem Auto oder Moped um einiges billiger und vor allem viel schneller unterwegs. Und das ganze in Anbetracht dessen das ihr schon wieder überall baut und dadurch riesige Umwege entstehen und alles ewig dauert. Für den Fall das ich eure Dienste nochmals aus welchen Gründen auch immer in Anspruch nehmen muss, hier noch ein Hinweis. Vielleicht macht den Busfahrern ihre Arbeit mehr Spaß wenn sie regelmäßig auf penetranteste Weiße die Endhaltestelle St. Leonhard verlassen, wenn die Straßenbahn schon in diese einfahrt. Gleiches gilt für die Straßenbahn, die UNGLAUBLICH oft startet, alle Türen schließt, obwohl die Ampel noch nicht mal grün zeigt, trotzdem noch in der Haltestelle 1-2 Minuten steht, aber keinen mehr reinlasst. Unglaublich amüsant.”
Das mittlerweile nicht mehr auf der Holding Graz-Seite angezeigte Posting hat nun bereits über 1900 Likes, es entstand eine rege Diskussion über die Holding Graz Linien. Die Holding Graz meldete sich dazu erst heute Vormittag zu Wort, indem sie erklärten, den „Shitstorm“ natürlich bemerkt zu haben. Kurze Zeit später verkündeten sie, einen „Shitstorm-Blog“ eingerichtet zu haben. Dort können Beiträge erstellt und Fragen gestellt werden. Grundsätzlich eine gute Idee, nur: wer kam auf die Idee, das ganze „Shitstrom ‘Graz Linien’“ und die Kritiker_innen „Shitstorm-Community“ zu nennen? Auch wenn „Shitstorm“ eine gängige Bezeichnung für eine Empörungswelle im Internet ist, sollte ein öffentliches Unternehmen doch respektvoller mit berechtigter Kritik umgehen. Und man darf sich nicht wundern, wenn auf dem Blog nicht nur konstruktive, sachliche Kritik geäußert wird, denn wer einen Shitstorm sät, wird einen Shitstorm ernten. Oder wie es Facebook-User ausdrückt:
„Ironie, dein Name ist Holding Graz!“.
Hier geht’s zum Posting auf Facebook.
Foto: Screenshot
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