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Sido macht Sozialporno

Sido, der neue Star des ORF, sucht nun also auch nach einer Band. Das Interessante daran: Ziel der Show ist es, jungen Menschen ohne Perspektive eine Chance zu geben.

Einer, der es geschafft hat, macht Band

Bei der Auftaktsendung am vergangenen Donnerstag machte Sido deshalb auch klar, nur jene in die Band-WG einzuladen, die seine Hilfe wirklich brauchen und sonst keinerlei Perspektive haben. Sido, der die Kandidaten zu Hause besuchte, tritt dabei auf als einer, der es geschafft hat, aus prekären Verhältnissen auszubrechen, denn er hatte das Glück, die richtigen Leute zu treffen. Dieses Glück will er weitergeben, nur scheint es fraglich, dass eine gecastete Rap-Band in Österreich kommerziell erfolgreich sein kann.
Aber das ist Sido wahrscheinlich bewusst. Viel mehr geht es in dem neuen Format, das eher eine Reportage sein will, darum, den Jugendlichen zu zeigen, dass es auch anders geht – ohne dabei zu vergessen, den Zuseher_innen das zu zeigen, was sie sehen wollen: zu Tränen rührende Schicksale. Die Kamera hält drauf, wenn die Mutter eines Kandidaten davon erzählt, dass sie und ihr Sohn vor dem gewalttätigen Partner ins Frauenhaus flüchten mussten und wenn die alkoholisierten Eltern eines anderen Kandidaten sich selbst und Sido beschimpfen.

Einerseits muss ein TV-Format auch diese Seite zeigen, um Zuseher_innen zu bekommen. Andererseits kann diese Sendung aber aus genau diesem Grund nicht als das, was es sein will, ernst genommen werden. Weil es statt um Musik und Chancen für nahezu chancenlose Jugendliche vor allem um eines geht: nämlich Sozialpornografie.

Foto: Markus Rödder

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