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Siegi und Sido vereint im Kampf gegen Drogen

Siegi denkt am Cover des "Grazer"s an SidoMitsprache in der Grazer Stadtpolitik ist anscheinend leichter als gedacht: alles, was dazu nötig zu sein scheint, ist Bekanntheit als Rapper. Es hat gereicht, dass Sido bei einem ATV-Interview über Graz als Drogenhauptstadt gesprochen hat – und schon sieht Bürgermeister Siegfried Nagl in ihm einen Sachverständigen.

Rapper Sido, bekannt für Textzeilen wie „Ich nehm jeden Tag Drogen mal weniger mal mehr! / Mal mit Action und mal ganz leger! / Doch am Wochenende geht’s erst richtig los! / Pillen fressen, Nasen zieh’n Wodka saufen Prost!“ (aus „Endlich Wochenende“), ist anscheinend geläutert und will die „Drogenhochburg Graz“ in Zukunft meiden. Siegfried Nagl reicht das, er will nun Sido für eine Anti-Drogen-Kampagne nach Graz holen. Die Gratiszeitung „Der Grazer“, bekannt für schlecht gekennzeichnete Werbeeinschaltungen, zitiert ihn in einem Artikel folgendermaßen…

Die Drogensituation in Graz beunruhigt mich seit langem. Streetworker und der Drogenkoordinator wollen mir weißmachen, dass solche Drogenszenarien international normal seien. Ich finde, es läuft was schief, wenn mit Ersatzmitteln wie Substitol, die zum Ausstieg führen sollen, reger Handel betrieben wird.

Die Situation in Graz ist sicher nicht schlimmer als in Großstädten wie Berlin. Das Problem ist viel eher, dass es kaum sinnvolle Gegenmaßnahmen gibt, nur Symptombekämpfung. Zum Beispiel, dass der organisierte Drogenhandel auf einzelne Stadtteile konzentriert, in die „Problemstadtviertel“ Gries und Lend abgeschoben wird. Weil diese tourismustechnisch nicht von Interesse sind. So wurde zum Beispiel der Volksgarten-Park zum größten Drogenumschlagplatz gemacht, indem man Dealer_innen durch verstärkte Kontrollen im Stadtpark in diese Richtung getrieben hat.
Das Problem an sich geht aber niemand an. Jugendarbeitslosigkeit und Familienprobleme, die junge Menschen früh in die Sucht treiben, um zu vergessen. Es wäre längst an der Zeit, mehr Streetworker_innen und Sozialarbeiter_innen einzusetzen, anstatt ihnen misstrauisch gegenüberzustehen. Doch durch Prestigeprojekte bleibt dafür kein Geld, die Stadt Graz ist hoch verschuldet, die Mittel vom Land mit dem neuen Sparbudget der „Reformpartnerschaft“ mehr als kurz.

Den Süchtigen müssten Räume eingeräumt werden, in denen sie Drogen unter ärztlicher Aufsicht erhalten und konsumieren können, da die freie Ausgabe von Substitol in Apotheken nicht funktioniert hat. Aber wen wundert es. In Apotheken müssen Süchtige selbst ihre benötigte Menge angeben und erhalten diese auch, Überprüfungen sind schwer. Es müsste mehr auf Suchtprävention gesetzt werden, um solche Probleme gar nicht mehr aufkommen zu lassen, aber dazu trägt eine Kampagne mit Sido auch nichts bei.

Foto: Raphael Sperl

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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