Warum HC Strache nicht zurücktritt

Warum HC Strache nicht zurücktritt

Online tobt der Shitstorm (aber auch die ehrliche Entrüstung) über HC Straches “Wir sind die neuen Juden”-Sager immens. In einem ZiB2-Interview mit Armin Wolf konnte er keine klare Gegendarstellung liefern.

Strache wirkt nervös, sein Blick noch stechender, in seinen sonst so geschliffenen Sätzen verhaspelt er sich immer wieder. Und dann macht er es noch einmal: er zieht den Vergleich live auf Sendung.

“Das Wort Reichskristallnacht ist in einem völlig anderen Zusammenhang ins Gespräch gekommen. Und zwar in jenem Zusammenhang, dass diese totalitären Masspsychosen, die damals passiert sind, auch dort [Anm.: beim WKR-Ball] von den Besuchern erlebt worden sind und man gesagt hat ‘Jetzt kann man sich vorstellen, welches Leid die Menschen damals erleiden mussten und mit welchen Methoden…’” [Unterbrechung durch Armin Wolf]
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Strache stellt sich als Opfer dar, will nur sein Mitleid mit den Opfern des Reichspogroms ausgedrückt hätten. Spricht weiter von Angst, ja, Todesangst der Besucher_innen des WKR-Balls. Einer Angst, von der ein paar mutige Standard-Redakteur_innen, die sich undercover eingeschlichen hatten, anscheinend nichts gemerkt haben. Auch Strache spricht in seiner Eröffnungsrede um 22 Uhr von einem “wunderbaren kulturellen Fest”. Ein Video mit dem Titel “Pogrom-Stimmung bei NOWKR-Demonstration” postete er heute, nahm es jedoch wieder von seiner rege bevölkerten Fanseite.

HC Straches Facebook-Pinnwand, auf der von "Pogrom-Stimmung" gesprochen wird

(Foto: Offensive gegen Rechts)

Wenn man will, findet man noch mehr solcher Vergleiche im Netz. Natürlich ist das ungeheuerlich und zeigt, wie sich die Rechten die Geschichte hinbiegen, damit sie zum Opfer werden. Vor allem dieser Vergleich ist schmerzhaft, denn er kommt von einem Politiker, der in sich in einem Umfeld bewegt, in dem Geschichtsrevisionismus hinter vorgehaltener Hand zum guten Ton gehören zu scheint (Martin Grafs Olympia hatte z.B. den Neonazi-”Barden” Michael Müller bei sich zu Gast).

…aber beeinflusst das die Umfragen?

Dieser mehr als unpassende Vergleich kommt von einem Politiker, der in den Sonntagsfragen großes Vertrauen unter den Österreicher_innen zu genießen scheint. Ich wage zu prognostizieren, dass sich das auch nicht ändern wird. Warum? Weil Strache dem Großteil seiner Befürworter_innen nicht deshalb so gefällt, weil er so ein strammer Rechter Recke ist. Sondern weil er, umringt von Bodyguards aus dem Nazi-Skin-Umfeld, als Volksnah gilt. Aber vor allem, weil er den Leuten einfache Botschaften und Lösungen präsentiert.

Wir wissen, dass die FPÖ viele “Proteststimmen” anzieht. Stimmen von enttäuschten Menschen, die von den anderen Parteien, vor allem den ewig gemeinsam regierenden SPÖ und ÖVP, enttäuscht sind. Die von Kürzungsmaßnahmen betroffen oder generell sozial eher schlecht gestellt sind. Wer zum Beispiel Arbeit sucht, aber keine findet, hat mit “die Ausländer nehmen uns die Jobs weg” eine leichte Erklärung. Wer sich nicht tiefer mit Wirtschaft befassen will, “versteht” die einfachen, wenn auch falschen, Lösungen der FPÖ.

Das ist das Problem. Und dagegen wird die, berechtigte, Kampagne gegen Strache wahrscheinlich kaum etwas bewirken, wenn nicht sogar eine weitere Trotzreaktion à la “Jetzt erst recht!” hervorrufen. Deswegen möchte ich, sogern ich selbst über ihn schimpfe, davor warnen, die einzige Kritik an Strache die gegen Rechts sein zu lassen. Selbst dann, wenn’s aufg’legt is’.

Foto: phreak 2.0

 

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