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Zu schön, zu reich, zu privilegiert.

Karl Heinz Grasser und Karl-Theodor von und zu Guttenberg beweisen uns vor allem eines: dass das kapitalistische System Menschen aufgrund ihrer finanziellen Mittel und ihrer gebildeten Seilschaften fast unantastbar macht. Anders kann ich mir die nach wie vor gute Stellung der beiden Herrschaften nicht mehr erklären.Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg

Es ist schlicht unglaublich, dass ein Politiker nach einer Affäre wie Guttenbergs Plagiats-Dilemma nach wie vor so hoch angesehen bei „seinem Volk“ ist. Dabei ist es so gut wie bewiesen, dass er kaum etwas von seiner Dissertation selbst geschrieben hat, die Uni Bayreuth hat ihm den Doktortitel schon abgenommen, der Plagiatsexperte Volker Rieble gibt der Arbeit die Note Fünf. Auch die groß angekündigte Bundeswehr-Reform des Verteidigungsministers scheint zu scheitern, das Amt von Kanzlerin Merkel gibt dem etwas undurchdachte wirkenden Papier eine klare Absage. Trotzdem verneinen 75% Prozent der Deutschen die Frage nach einem Rücktritt von Deutschlands beliebtestem Politiker.

Karl Heinz Grasser war einmal der „beste Finanzminister, den Österreich je hatte“ (Wolfgang Schüssel), er schaffte ein Nulldefizit und war der Darling aller Österreicher_innen. Jahre später kommen nun seine kriminellen Umtriebe ans Licht, wurde bekannt, dass ein Nulldefizit nur durch Auslagerung von defizitären Staatsunternehmen erreicht werden konnte und Österreich danach in ein tiefes Schuldenloch brachte. Vor kurzem stellte er sich dann einer Diskussion „Im Zentrum“ und brachte einen immens schmalzigen Fanbrief mit…

Ich frage mich: warum können solche Menschen nach wie vor über uns bestimmen? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen. Weil sie Geld und Einfluss haben. Guttenberg hätte seinen Doktortitel nie bekommen dürfen, Grasser müsste längst im Gefängnis sein. Doch Guttenberg denkt nicht an Rücktritt und Grasser läuft nach wie vor frei herum, auch wenn er bereits zwei Mal von der Justiz einvernommen wurde.

Beide führen sie uns vor Augen, dass Macht & Geld nach wie vor gegenüber der Justiz und dem Staat wichtiger sind als ehrliche Arbeit. Um es mit Judith Holofernes zu sagen: Ich glaub‘, es hackt.

Update 1.3. 11:13: Guttenberg reicht Rücktrittgesuch ein.
11:20: Guttenberg hat es vor der Presse bestätigt, er tritt zurück.
11:25: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht. Vielen Dank.

Foto: World Economic Forum

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (6)

  1. tobi1. März 2011 Antworten
    Ich weiß: „Nobody likes smartasses“. Aber es ist nicht die Uni Münster, es ist die Uni Bayreuth.
    • Klemens1. März 2011 Antworten
      Na, recht hast du. Sollte nicht so spät Artikel schreiben 🙂
  2. Claudia1. März 2011 Antworten
    Hat das jetzt wirklich was mit dem kapitalistischen System zu tun? Was ist mit althergebrachten, undemokratischen, aristokratischen Verbandelungen? Mit konservativen Strukturen die wiederum durch andere Strukturen und deren politischen Wächtern geschützt werden? Mit gegenseitigen Abhängigkeiten?
    In Ö und Dland wurde dieses System ja selbst so gebastelt, meistens aus Selbstschutz für die Elite. Das ist ja nicht kapitalistisch sonder konservativ, regressiv und elitär.
  3. Lukas3. März 2011 Antworten
    Es kommt nur auf Auftreten und Image an, alles andere ist bis zu einem gewissen Punkt egal! Der Herr zu Guttenberg ist gutaussehend, stammt aus einer der reichsten Familien Deutschlands, kann sich gut verkaufen und tritt entsprechend selbstbewusst auf. Um etwas anderes geht es doch nicht! Otto Normalverbraucher sieht sofort zu solchen Leuten auf, wäre selber gerne so.
    • christiane18. März 2011 Antworten
      du meinst seine geschmierten haare? so auch der rest!!!!
      zu viel selbstbewustsein kann auch eine schwáche sein. wie kann mann von so einer person beeindruck sein .
      alles was wir unseren kindern beibringen, lúge nicht,
      nicht stehlen!!!!! ist diesem mann unbekannt was fúr ein armer mensch, wúrde gerne mal wissen wie er selbst seinen kindern das erklárt.
  4. Lukas24. März 2011 Antworten
    Prinzipiell stimmt das ja, Christiane! Bloß geht´s dem „kleinen Mann auf der Straße“ um etwas ganz anderes! Nach außen hin ist er neidisch auf SUV-fahrende Zeitgenossen mit geleckten Haaren und Sakko, aber insgeheim wäre er selber gerne so, sieht zu ihnen auf weil „die da oben“ ja erfolgreich und zumindest nach außen hin reich sind. Das wäre jeder gern.

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