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Murder by Death – Skeletons in the Closet

10 Jahre ist es jetzt schon her, dass Little Joe Gould plötzlich zu Murder by Death mutierte. Man weiß ja inzwischen, dass dies, dem neuen – in dieser Hinsicht fast schon obligatorischen – Namen zum Trotz keineswegs zur Hinwendung Richtung Metal geführt hat.

Nein, spätestens seit ihrem Zweit- und Meisterwerk Who Will Survive and What Will Be Left of Them? geben  Murder by Death die teuflische Saloon Band aus Zeiten, die es so wahrscheinlich gar nie gegeben hat. Man weiß nun aber, wie es wohl geklungen hätte, wären sich Johnny Cash, Tom Waits, The Pogues, Cursive, Ennio Morricone und the Bad Seeds in der letzten Spelunke der Welt zu einem Saufgelage begegnet, um Tod und Teufel an die Wand zu malen, von toten Kindern zu berichten, den eigenen Untergang zu beklagen und am Ende der Nacht doch an den leisen Hoffnungsschimmer am Horizont zu glauben.
Murder by Death wurden so innerhalb der letzten Dekade zum vielleicht gelungensten Amalgam aus Alternative Country und Indie-Rock. Fünf Ep´s und ebenso viele Konzeptalben mit unzähligen potentiellen Hits vollgestopft, ließen aus die Viererbande aus Bloomington rasch zu einer Nischensensation wachsen.

Dies Alles gilt es also zu feiern, weswegen die schon Ende letzten Jahres gestartete Veröffentlichungsorgie nunmehr ihren Höhepunkt findet.
War die 2010 vorgeschobene Live DVD schon ein schöner Leckerbissen, fährt die Band um Mastermind und Baritonstimme Adam Turla nun schwerere Geschütze auf.
Jeder einzelne bisher erschienene Tonträger der Band wird in wunderschönem, färbigem Vinyl neu aufgelegt – optional dazu existiert nun ein Sammelschuber. Wer noch tiefer in die Tasche greift, bekommt dies alles in einer schmucken (leider etwas billig verarbeiteten) auf 250 Stück weltweit gebranntmarkten Holzbox geliefert. Dass hier allerdings jedwede Splitsingle ausgespart wurde, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Das Hauptaugenmerk der Geburtstagsveröffentlichung liegt jedoch ohnedies auf Skeletons in the Closet – einer drei Schallplatten umfassenden Sammlung von Liveaufnahmen, Demoversionen und raren Tracks.
Leider entpuppt sich jedoch ausgerechnet dieses Paket als etwas zwiespältig:

Die Live Aufnahmen wurden sehr richtig vorwarnend mit dem Untertitel „Lo-Fi“ versehen und tatsächlich bewegt sich die Soundqualität irgendwo zwischen heimelig intim und bestenfalls diskutabel. Am schwerwiegendsten missfällt hier allerdings die offenbar willkürliche Auswahl der Songs, leise Akustiknummern wechseln sporadisch mit dröhnendem Rocksound. Wollte man hier auf die Vielseitigkeit der Band aufmerksam machen, predigt man wohl den Bekehrten. Die Qualitativen wie inhaltlichen Sprünge dieser Aufnahmen schaden jedoch deutlich mehr als sie nützen, Atmosphäre kommt hier so gut wie nie auf.
Nur unmerklich besser wird’s mit Disk 2,  Demos and Alternates. Hauptaugenmerk liegt klar in der Zeit um 2006, der Zeit von In Bocca Al Lupo. Erweisen sich die Demoversionen bekannter Songs meist als nur redlich interessant und können selten bis nie neue Seiten der jeweiligen Kompositionen aufdecken, stellt sich vor allem die Frage, weshalb man hauptsächlich jene Stücke der Band kompiliert hat, die sich ohnedies schon auf den wenigen Singles gesammelt haben.
Gleicher Kritikpunkt gilt für das eigentliche Herzstück der Sammlung, der Raritätenkompilation. Knapp die Hälfte der versammelten Songs kennt man schon von erwähnten Singles, dafür finden weitaus schwerer zu ergatternde Stücke (wie etwa David Bowies Five Years) hier keinen Platz.
Trotz allem: Rarities ist ganz klar das Highlight der drei Platten. Egal ob Murder by Death andere Bands covern (hervorzuheben: Don’t Cry von Guns´n´Roses und (Bang, Bang) My Baby Shot Me Down von Lee Hazelwood und Nancy Sinatra ) oder eigenes Material darbieten (The Moon Is Up): Hier läuft die Band zur Hochform auf und zeigt, auf welchem Level sie eigentlich Material abzuliefern befähigt sind.

Dennoch stellt sich die Frage, für wen Skeletons in the Closet schlussendlich gedacht ist. Denn ein Album, welches ausschließlich über den Murder by Death Webshop erhältlich ist und dabei noch auf 1000 Stück limitiert ist, wird wohl eher den Die Hard Fans der Band ins Regal müssen, wobei jene den Großteil der hier vertretenen Songs bereits kennen dürfte.
Eine zwiespältige Angelegenheit eben und vielleicht nicht das optimale Geburtstagsgeschenk. Aber im schlimmsten Fall zumindest eine Erinnerung, sich die alten Glanztaten wieder einmal anzuhören, was ja nun endlich auch auf färbigen Vinyl möglich ist. Insofern also doch eine runde Sache, das Ganze.


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