Neonliberal.at

Neonliberal.at

13 & God – Own Your Ghost

13 & God, sprich The Notwist und die Hiphopper von Themselves, vereinen das scheinbar Unvereinbare. Mal wieder. Dabei machen sie auf ihrem neuen Album „Own your Ghost“ routiniert alles richtig. Respekt.

Als The Notwist 2004 die Experimental-Hiphopper Themselves kennen lernten und herausfanden, dass sie auf Tour gerne die jeweils andere Band hörten, wurde schnell eine Zusammenarbeit besiegelt – heraus kam 13&God. Der Bandname hat biblische Ausmaße: 13 & God beschreibt die Gruppe der 12 Apostel mit Jesus, der Mensch und Gott in sich vereinte. Von bravem Gospel sind sie auf „Own Your Ghost“ jedoch meilenweit entfernt. Gut so.

Vorstellen können wir uns ihre Musik in etwa so: The Notwist meets Tricky, minus Tricky, plus Themselves. Die Ähnlichkeiten zum Stil des großen Triphop-Meisters kann Rapper Adam “doseone” Drucker wohl nicht leugnen. Beide haben sie die Liebe zur Poesie und eine nasale Stimme gemeinsam, an Druckers Geschwindigkeit lässt sich seine Battle-Rap-Erfahrung erkennen. Im starken Kontrast dazu steht Markus Achers ruhige Stimme und Gitarrenarbeit. Sein Gesang entlarvt Notwist als Mitwirkende, wenn es nicht Martin „Console“ Gretschmanns Elektrofrickeleien tun. Der harmonisiert großartig mit Beat-Wizard Jeff „Jel“ Logan. Logans kühle, Dubstep-beeinflussten Hiphop-Beats treffen die warmen, analogen Klangwelten Gretschmanns und alles, was uns dazu einfallen kann, ist die Frage „Warum nicht gleich? Warum haben Notwist bisher so auf Hiphop-Beats verzichtet?“

„Own Your Ghost“ wäre ein tolles Notwist- und ein großartiges Themselves-Album. Während der Einstieg mit „It’s Own Sun“ noch mit Notwist-typischer Leichtigkeit glänzt, rollt einem mit Track 2, „Death Major“, einer der ersten, düsteren Höhepunkte entgegen. Immer wieder lassen einen Acher’s Parts aufatmen, bis Drucker mit scharfem Ton die Apokalypse einzuleuten scheint. Ein Level, das über das gesamte Album gehalten werden kann. Es gibt keine Durchhänger, nur Verschnaufpausen. Tracks wie „Et Tut“ und „Sure As Debt“ lassen aufhorchen mit einer immensen Dichte, die beiden Welten der eigentlich so unterschiedlichen Bands vermischen sich zu einem großen, düsteren Ganzen. Immer wieder musste ich beim Hören an das fallende Skelett am Artwork denken. Immer wieder fühlte ich mich so, nachdem ich das Album zuerst als Triphop-Standard abtat.
„Own Your Ghost“ ist nichts für schwache Nerven oder zum Nebenbei-Hören – dafür um so lohnender.

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

social social

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook