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3 Doors Down – Time of My Life

Die Zeit ihres Lebens haben die fünf Rocker aus Mississippi. Tolle Sache, nur bessere Songs haben sogar 3 Doors Down schon geschrieben. ‚Time of My Life‘ ist das amerikanische Verständnis von Alternative Rock, gemeißelt in zwölf eingängige, vollends blutleere Songs.

Man sei stolz darauf, die gesammelten vierzig Minuten Musik innerhalb von drei Monaten gemeinsam geschrieben zu haben, ließen 3 Doors Down vorab verlauten. Diesen verhältnismäßig kurzen Entstehungszeitraum hört man ‚Time of My Life‚ zu jeder Sekunde an. Allerdings nicht, weil das fünfte 3 Doors Down Album roh, unfertig oder gar hingerotzt klingen würde, sondern weil das hier Baukastenarbeit in Perfektion ist. Die Mannen um Brad Arnold schrauben ein derart durchkalkuliertes Stück Musik zusammen, das mit der Brechstange an die Spitze der amerikanischen Charts preschen will und auch wird. ‚Time of My Life‚ schändet, was noch von Grunge übrig geblieben ist, setzt das Alternative unter Anführungsstriche und unterstreicht den Rock mit galliger Balladengewalt.

Dabei funktioniert praktisch jeder Song auf ‚Time of My Life‚ gleich. Ein harmloses Riff – hart genug für den Wochenendrocker, soft genug um Mutti nicht beim Bügeln zu stören – wird an eingängige Refrainparts gekettet,  die auf schnellstmöglichen Weg ins Gehör wandern und dabei vorsichtshalber auf jegliche Ecken und Kanten verzichten: man will ja niemanden verschrecken. Brad Arnold lässt deswegen die Arme weit genug offen, um Nickelback Fans gleichermaßen willkommen zu heißen, wie Creed Hörer. Die können gleich alle im selben Stadion versammelt bleiben, denn mit weniger geben sich 3 Doors Down nicht zufrieden. Hier schreit alles nach Arena-Größe, verwischt im Einheitsbrei. Abermals klauen 3 Doors Down in erster Linie bei sich selbst und kochen dutzendfach gehörtes wieder und wieder auf. Ob die Singles nun ‚When You´re Young‚, ‚Everytime You Go‚ oder ‚Heaven‚ heißen ist egal, zwischen biederem Midtemporocker und balladeskem Schaumschläger existieren hier keine Grenzen. Vor allem nichts spannungstechnisch: Ein Song ähnelt dem vorherigen wie ein Ei dem Anderen, bei so viel Belanglosigkeit, getarrnt als von der Schablone übernommene Dramatik,  muß die Aufmerksamkeitsspanne  einfach irgendwann abschalten. Das Positive: Wer hier vor lauter Langeweil wegpannt, wird beim Aufwachen gefühltermaßen immer noch den selben Song hören.

Time of My Life‚ zeigt in aller Deutlichkeit, worin unter anderem der Unterschied zwischen „Rockbands“ wie 3 Doors Down und „Rockbands“ wie Pearl Jam besteht.  Wo die einen Seelenblut in ihre Songs pumpen, genügt anderen der simple Songbaukasten. Inzwischen hat man nicht mehr das Gefühl, dass 3 Doors Down aus innerem Verlangen her so klingen, wie sie es tun. Nicht erst seit ‚Time of My Life‚  hat das Schaffen der Fünf einen zu kalkuliert stinkenden Beigeschmack. Dass 3 Doors Down deswegen einige potentielle Hits im Ärmel haben, zu denen es sich legendär auf Highways zur Abschlussfeier rasen lässt – nur logisch, wenn jeder Song seine Melodie und Aufbau derart auswalzt, dass man schon nach eineinhalb Minuten den restlichen Verlauf mitgröhlen kann, ohne die Nummer zu kennen. ‚Time of My Life‚ klopft dem Fan auf die Schulter, pinselt mit spannungsarmen, blutleeren und vor allem harmlosen Songs Honig ums Maul. Trendresistenter amerikanischer Alternative Rock, der immer aktuell ist, weil alibihafter Radiorock nie aus der Mode kommt. Seine Eier hat diese Platte irgendwo unterwegs verloren, da hilft auch der ‚Kryptonite‚ Gedächtnisriffer ‚Believer‚ am Ende wenig. Womit die Zielvorgabe für ‚Time of My Life‚ erfüllt sein dürfte. Ihre besten Zeiten haben 3 Doors Down musikalisch eindeutig hinter sich. Man kann nur hoffen, dass Creed das Set von ‚My Sacrifice‚ abgebaut haben.

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