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A.A. Bondy – Believers

A.A. Bondy 'Believers' Cover ArtA.A. Bondy, die bei uns völlig unbekannte Songwriter-Größe aus den USA veröffentlicht mit ‚Believers‘ sein drittes Album. Dabei schlägt er einen immer experimentelleren Weg ein. Große Kunst, ganz unbemerkt.

Wer sich ‚Believers‘ auf Amazon kaufen möchte, muss sich mit Import-Angeboten zufriedengeben. Der auf dem erst als Blueslabel konzipierten Fat Possum Records erscheinende Singer/Songwriter A.A. Bondy (A.A. für Auguste Arthur) war früher bekannt als Scott Bondy, Sänger der Band Verbena und präsentierte sich als extrovierterter Grunger. Davon blieb auf seinem Solodebut ‚American Hearts‘ nichts mehr. A.A. Bondy hatte sich vom Grunge verabschiedet und lieferte eines der besten Singer/Songwriter-Alben der 00er-Jahre ab. Seine minimalistischen Folksongs klangen zurückgezogen und liesen in ihren Texten eine Lyrik erkennen, die vielen der Singer/Songwriter fehlte. Das Folgewerk ‚When the Devil’s loose‘ festigte diesen Ruf, lies sich aber auch wieder etwas mehr auf Elektronik ein, ohne dabei auf seine Stärken zu vergessen.

Ein Weg, den Bondy mit ‚Believers‘ weitergeht. Es ist mehr Rock als Folk, lässt in seiner Kürze mehr Platz für Experimente. Minimalistisch ist die Musik A.A. Bondys auf ‚Believers‘ nicht mehr. Da sind Synthesizer, fast schon rockige Schlagzeugrhythmen und zwischendurch darf auch der Bass ordentlich drauf los hämmern. Von der Atmosphäre her erinnert das Album etwas an ‚Fires in distant buildings‘ von Gravenhurst, schon das Cover spricht Bände. So richtig Folk ist das nicht mehr, aber auch nicht wirklich Indierock. A.A. Bondys Dritte ist ein Zwitter aus beiden Welten, lässt manchmal an Wilco denken, ist aber immer etwas düsterer, ohne das Licht am Ende des Tunnels aus den Augen zu verlieren.

‚The Heart is Willing‘ ist ein Einstieg mit pumpendem Bass und einem für Bondy untypisch rockigen Schlagzeug. Die eher spärlich eingesetzte Gitarre durchschneidet immer wieder sanfte Synthesizer-Flächen, die den Weg für die kommenden 9 Songs vorgeben. Denn auch wenn ‚Down in the Fire (Lost at Sea)‘ mit all seiner Melancholie ein klassischer A.A. Bondy-Song ist, der auch auf ‚When the Devil’s loose‘ gepasst hätte, es ist die simple Schönheit, die einen hier nicht „Wiederholung! BUH!“ schreien lässt. ‚Skull & Bones‘ festigt den Eindruck von ‚Believers‘. Düster ist es, die leichten Synthie- und Orgeltexturen im Hintergrund drängen sich aber nie nach vorne, wollen niemals mehr sein, als sie sind: Unterstützung. Auch, wenn sie im kurzen Ambient-Intermezzo ‚123 Dupuy Street‘ (auf ‚American Hearts‘ unvorstellbar) viel Raum einnehmen, es sind die stillen elektrischen Gitarrentöne, die wirklich wichtig sind. ‚Surfer King‘ besticht mit Slide-Gitarre und leichtem Swing, ‚Highway/Fevers‘ ist wohl einer der besten Songs, den wir bisher von Bondy hören durften. Selsbt die schon fast üppige Instrumentierung (Schlagzeug, Slidegitarre, Orgel, ein sehr klarer Bass und E-Gitarre) stört nicht, auch, wenn den Instrumenten manchmal mehr Platz als der prägnanten Stimme gegeben wird. ‚Drumz‘ ist wieder ein typisch melancholischer Folksong, der durch seine hallenden Drums selbst wieder eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt.

Song Nummer 7 ‚The Twist‘ besticht durch verzerrten Bass und Gitarre und treibende Becken, ‚Rte. 28/Believers‘, quasi der Titeltrack, ist ein trauriges Stück, dass seinen Instrumenten viel Platz lässt, um in knapp 7 Minuten eine traurige Stimmung zu hinterlassen, die dann direkt in ‚Scenes from a Circus‘ überleitet. Das ist wieder, abgesehen von der größeren Instrumentierung, ein klassisch langsamer, melancholischer Bondy-Song, der den guten Eindruck nach fast 41 Minuten Spieldauer noch einmal festigt.

‚Believers‘ klingt, als wäre es in einer Lagerhalle oder einem ähnlich großen, leeren Raum aufgenommen worden. Und so groß, wie es klingt, ist es auch. Es zeugt von der steten Weiterentwicklung A.A. Bondys und wird ihm zwar nicht zum kommerziellen Durchbruch verhelfen, dafür aber seine geneigte Hörer_innen zu begeistern wissen. Es festigt seinen Ruf als Songwriter-Größe, denn er beherrscht es wie sonst kaum jemand, ohne Pathos und Bombast Gefühle zu erzeugen. Das ist anscheinend alles, was er will. Mission gelungen!

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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