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Alberta Cross – The Rolling Thunder EP

Nachdem die Kings of Leon endgültig im Rachen der Musikindustrie verschwunden zu sein scheinen, Jack White vor lauter Mozart-sampeln keine Zeit mehr für seine Raconteurs hat und zumindest bis zum nächsten Black Keys Album sind die sechs New Yorker die größten Hoffnungsträger in Sachen Southern-Rock mit Blues Anstrich, richtig?

Teilweise, die Annahme kommt zumindest nicht von irgendwoher: ‚The Thief & the Heartbreaker‘ war 2007 schon ein geschmackvoller Appetitanreger für das staubige Rockfilet, dass Alberta Cross einem zwei Jahre später mit ‚Broken Side of Time‚ präsentieren sollten. Keine Neuerfindung des Rad´s, aber immerhin schwungvoll angetaucht: Den Blues hatten die Mannen um den jaulenden Frontsoulman Petter Ericson Stakee aus dem Zeitgeist heraus inhaliert und verstanden, mit großen Melodien zu wunderbaren Kleinoden zwischen Rock und Country montiert. Innovativ war das nicht, nur stellenweise eben einfach zeitlos gut.

Den Blick in die Zukunft zeigt nun die ‚The Rolling Thunder EP‚ auf. Fünf Songs in 25 Minuten, die ungefragt nebenbei den wohligen Geruch des Ausverkaufs verströmen: Mit Ketel One hat man nun einen exklusiven Sponsor an Bord; einen Getränkefabrikant. Ist das noch wirklich Rock´n`Roll? In  Zeiten, wo Hardcorebands sich von Energy Drinks bezahlen lassen? Sei dahingestellt. Deswegen gibts nun jedenfalls Alberta Cross-Videos von Hollywood Regisseur David O. Russell (The Fighter, I Heart Huckabees, Three Kings). Kann man drüber denken, was man will – spielt ohnedies keine Rolle mehr, wenn man sich ersteinmal zum musikalischen Aspekt der Platte durchgekämpft hat. Sofern man natürlich eine der auf 2000 Stück limitierten EP ergattern kann. Soll es ja nur auf Tour und in ausgewählten Indie-Shops geben. Schlußendlich aber auch bei Amazon.

Doch wohin wollen Alberta Cross im Jahr 2011 eigentlich? Genügend Ausgangsmöglichkeiten werden auf der ‚The Rolling Thunder EP‚ jedenfalls geschaffen: ‚Money for the Weekend‚ mag für Werbespots gut geeignet sein, beherbergt einen fett groovenden Bass mit penetrant eingängigem Refrain und ist letztendlich vor allem ein verdammt harmloser Rocker. Dass dieser aus dem Abfallkübel des Black Rebel Motorcycle Club gekiffelt worden zu sein scheint, macht die Sache natürlich nicht besser. Wesentlich besser hingegen die Rückkehr zu alten Stärken: ‚Rambling Heart‚. Hier grassiert der stompende Blues, der Country ist nicht weit. Das beherrschen Alberta Cross, das macht von der Reverbgeschwängerten Gitarre bis zum souligen Backgroundgesang Spaß. Dass der Song mit über sechs Minuten keine Spur zu lang ist, passt da natürlich noch besser ins Bild, außerdem gönnt man der Band den Orgelausbruch ja. Zumal auf dieser EP ohnedies Narrenfreiheit herrscht, anders ist ‚Wait‚ nicht zu erklären: Mehr The Cure ist praktisch unmöglich, mit all den fetten Synthesizerschwaden und verfremdeten Soundspielereien über dem lauernden Song. Zumindest interessant, diese experimentelle Seite der Band, wenn auch zu sehr vor den Vorbildern buckelnd.

Aber Alberta Cross ohne Referenzen geht nicht. Da mag ‚Driving With Myself‚ noch so ein souveräner Rocksong im Popgewand sein: Wer da im Refrain nicht ‚Warning Sign‚ anstimmen will, muss sich erklären. Appropos Coldplay: Das Highlight der Platte folgt in Form des Mehr-oder-Minder-Titelstücks zum Abschluß: ‚Rolling Thunder‚ ist der abermalige Beweis, wie gut es Alberta Cross steht, sich als Coldplay des Blues-Rock zu inszenieren: Sanfte Pianoklänge steigern sich zu einem verhaltenen Melancholieberg, Hutträger Stakee leidet nah an Thom York herzerweichend schön vor dezenten Streichern. Wiedereinmal der Beweis, wie gut diese Band sein kann, wenn sie sich konzentriert auf ihre Stärken besinnt und sich nicht in halbgaren Aufarbeitungen verliert!
Weswegen ‚The Rolling Thunder EP‚ gleichermaßen alte Stärken wie Schwächen von Alberta Cross bedient: Spielt diese Band mittelmäßige Songs, hat man diese schon von hunderten Bands besser gehört. In ihren Sternstunden explodiert sie dafür beinahe. Auf ‚The Rolling Thunder EP‚ auch aufgrund ihrer Experimentirwut. Wieder einmal so ein Appetitanreger.

 

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Comments (1)

  1. Pingback: Alberta Cross – Songs of Patience - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. August 2012 […] – in jenen Schichten nach neuen Hörern fischen, welche die mediokre ‘Rolling Thunder EP‘ letztes Jahr bereits anvisiert hat. ‘Songs of Patience‘ zeigt nun also: Alberta […]

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