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Alkaline Trio – Damnesia

Alkaline Trio zeigen die fanfreundliche Alternative zur Werkschau auf: 15 Songs aus der beinahe ebenso viele Jahre zählenden Karriere der amerikanischen Punkrocker in neuem Gewand. Wer hier ein Best of sucht, findet einige Haare in der Suppe – und eine grandiose Bereicherung für die in letzter Zeit leicht schwächelnde Alkaline Trio Discographie.

Insofern vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung, die beiden letzten Alben ‚Agony & Irony‚ und ‚This Addiction‚ mit gerade einmal jeweils einem Song auf ‚Damnesia‚ antreten zu lassen. Umso erstaunlicher allerdings, dass vor allem ‚Calling All Skeletons‚ und ‚The American Scream‚ im direkten Vergleich zu ihren ursprünglichen Songvorbildern deutlich an Qualität gewinnen.  Wobei: Gar so viel schrauben die Jubilare Grant, Andriano und Skiba an den Songs gar nicht herum. Wurde das achte Studioalbum als Sammlung alter Songs im neuen Soundgewand angekündigt, quasi alles vollkommen „re-imagined“, trifft es „unplugged“ oder „semi-akkustisch“ wohl eher. Gitarrenparts wurden durchs Piano ersetzt, generell geht man den reduzierten Weg, dreht den Verstärker aus, bastelt ein wenig an den Lyrics und präsentiert die unheimlich eingängigen Rockhymnen der Herzschmerzpunker zwar in nicht so drastisch neuem Gewand wie erwartet, aber wie sensationell gut der Band Reduktion steht, weiß man nicht erst seit diversen Akkustikbonustracks und dem Londonbootleg aus ‚Crimson‘ Zeiten.

Allein deswegen ist ‚Damnesia‚ an sich schon eine verdammt runde Sache und Start-Ziel Sieg, aber dürfte in erster Linie doch langdienenden Fans der Hitgaranten ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern. Vor allem, da der Schwerpunkt des Albums auf Songs nach der Jahrtausendwende gelegt wurde. Denn dass ‚Good Mourning‚ wohl für viele langjährige Wegbegleiter des Alkaline Trio einen Platz ganz eng am Herzen eingenommen hat, ist ja nun kein gut gehütetes Geheimnis. Darüber hinaus ist von ‚Nose Over Tail‚ über ‚This Could Be Love‚ bis ‚Mercy Me‚ aus jeder Phase der Band ein Song vertreten, auch wenn zahlreiche persönliche Favoriten zwangsläufig dran glauben müssen. Viel ärgerlicher ist da schon eher die geringe Anzahl an Dan Andriano Songs, der gerade einmal drei Songs intonieren darf, dazu natürlich das grandiose ‚Mercy Me‚ Finale. Was dafür sorgt, dass Andriano zwischen all den Matt Skiba Instanthits doch als heimlicher Sieger aussteigt? Der beste der drei neuen Songs stammt aus seiner Feder.

Denn ‚Damnesia‚ verwertet nicht ausschließlich altbekanntes neu. ‚Olde English 800‚ ist ein eineinhalb minütiger, typischer Matt Skiba Song, der sich nicht mit Details aufhält und unhaltbar zum Ohrwurm mutiert. So gut, so catchy, so typisch. Des Weiteren borgt man sich von den Violent Femmes deren augenzwinkerndes ‚I Held Her in My Arms‚ und fügt den Song nahtlos ins eigene Repertoire, spielt den flotten Rocker gutgelaunt zur charmanten Heldenverneigung ein. Noch besser macht das aber eben Andriano mit ‚I Remember a Rooftop‚; einem Song, der wohl nicht klassischer Trademarkqualitäten bedienen könnte. Als einziger Track verzichtet das Stück auf vollen Bandsound und präsentiert sich im kargen Akkustikgitarrenoutfit, was dem Song um verlorene Liebe und das übliche Drumherum nicht nur grandiose steht, sondern die Vorfreude auf das kommende Adriano Solodebüt ‚Hurricane Season‘ nur nochmals steigert.

Damnesia‚ ist ungeachtet seiner Listung als achtes Studioalbum der Band viel eher eine gelungene Überbrückungshilfe zum  nächsten regulären, sehnlichst erwarteten Werk der Band. Denn ungeachtet der schwächelnden letzten beiden Alben gehören Alkaline Trio immer noch zu den Guten. So ist ‚Damnesia‚ eine gelungene Bereicherung der Alkaline Trio Sammlung, außerdem eine willkommene Erinnerung, die alten Platten mal wieder auszukramen. Anders darf es eigentlich nicht sein: Die Herzensband Alkaline Trio sollte seit 1998 an niemandem vorbeigezogen sein. Im Fall der Fälle ist ‚Damnesia‘ die beste Abbitte, ein idealer Einstieg für Neuhörer.

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