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An der Uni teilhaben dürfen

Es ist Montag, 14 Uhr, als ich mich mit Armin Larndorfer im Café Prost bei der Alten Technik treffe, um für einen ganz anderen Artikel mit ihm über die Megaphon-Uni zu sprechen. Armin ist 25, wird nächsten Juli 26 und studiert Pädagogik an der KF Uni Graz. Seit knapp 5 Jahren begleitet er das Projekt Megaphon-Uni, welches 2004 in Zusammenarbeit von Megaphon, Caritas, dem Zentrum für Weiterbildung der KF Uni Graz und dem Bildungsnetzwerk Steiermark ins Leben gerufen wurde. Fast von Anfang an, also.

Inzwischen ist Armin so etwas wie der Geschäftsführer der Megaphon-Uni. Nachdem er 2005 ein Praktikum machte und die Stelle des Koordinators frei wurde, „wuchs [er] in das Projekt rein“. In der Verantwortung des leicht schlacksigen jungen Mannes liegt es, sich um Studienprogramm, Örtlichkeiten und Vortragende zu kümmern. Daneben muss noch alles mit den Kooperationspartner_innen geklärt werden und alles bei den jeweiligen Örtlichkeiten organisiert werden.

Aber um was geht es eigentlich bei der Megaphon-Uni? „Bildung auf Augenhöhe“ ist das Motto. Es geht vor allem darum, Menschen in schwierigen Lebenssituationen Zugang zu universitärer Bildung zu garantieren. Ganz abgesehen vom integrativen Faktor: 1/3 der Hörer_innen ist ist Wohnungslos, 1/3 war es und ein weiteres Drittel interessiert sich für das Projekt und will es sich einfach einmal ansehen.

Alle sind willkommen. Es gibt keine Anwesenheitspflicht, keinen Zwang, für die Teilnehmenden keine Kosten. Die Vorträge und Seminare finden meist abseits der Uni statt, in den Wohnheimen der Teilnehmer_innen – was auch einen angenehmen Nebeneffekt hat: die Schwelle ist gering, wenn die Veranstaltung am eigenen Wohnort stattfindet.
Das ist auch für die teilnehmenden Professor_innen eine oftmals völlig neue Erfahrung. Sie, die es großteils gewohnt sind, vor studentischem Publikum zu referieren, werden hier mit Menschen aus allen sozialen Schichten, aus allen möglichen Ländern konfrontiert, die ihre Arbeit am Ende des Vortrags auch evaluieren. Ihre Vorträge halten sie auf Deutsch, bei Nachfrage werden sie auf Englisch oder Russisch übersetzt.

Die Ziele: das Knüpfen von Freundschaften unter Menschen, die hier oft niemanden sonst haben. Eine Hebung des Selbstwertgefühls der Teilnehmer_innen, denn laut Larndorfer zählt es für sie schon oft, dass sie „an der Uni überhaupt teilhaben dürfen„. Und noch etwas: die Teilnehmer_inne erhalten am Schluss des Studienjahres (2 Semester) ein Teilnahme Zertifikat. Das hilft ihnen zwar nicht direkt, z.B. bei der Jobsuche, da die Megaphon-Uni kein Berufs- sondern Allgemeinwissen aus alle möglichen Sparten (Natur-, Geisteswissenschaften, Theologie…) vermittelt, jedoch indirekt: oftmals überzeugt es Behörden von der Integrationswilligkeit der Menschen.

Mein Treffen mit Armin Larndorfer endete bereits nach einer Stunde, da er ins Rechbauerkino weiter musste, welches eine Dokumentation über das letzte Studienjahr zeigen wird. Aber wer jetzt Lust bekommen hat, mehr über das Projekt, den momentanen Studienplan oder sonst irgendwas zu erfahren, findet unter dem Link ganz oben weitere Infos.

Foto: megaphon.at

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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