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And So I Watch You From Afar – Gangs

Belfasts feinste Postrock Band spielen auf ihrem zweiten Album wieder keinen richtigen Postrock. Gangs ist deswegen abermals verdammt druckvoller, instrumentaler Rock geworden – aufgerollt aus der Perspektive gitarrenaffiner Metalheads.

And So I Watch You From Afar sind  eine dieser Bands, die man immer wieder in Schubladen stecken möchte, in die sie nicht passen. Als Postrock-Vertreter werden die Iren etikettiert, dieses Stigma trifft`s jedoch auch für ihr Zweitwerk  Gangs nicht wirklich. Natürlich kommt der Vierer ohne Gesang aus, die Songstrukturen bewegen sich weit abseits klassischer Rockkompositionen, zeigen aufgrund ihrer immer konkreten Zügellosigkeit aber schon deutlich in Richtung Progressive Metal, was sie zu Sitznachbarn von ähnlich agierenden Bands wie Russian Circles macht.

Wobei Gangs selten still sitzt. 45 Minuten tritt diese Platte unentwegt aus, wenn das noch Rock in irgendeiner Definition ist, dann zeigt er sich von seiner harten Seite. Ambientgetränkte Musiklandschaften mögen andere entwerfen, And So I Watch You From Afar drehen die Verstärkerpegel in den roten Bereich und dreschen Beat umd Beat mit einer unbändigen Wucht voran. Die Hauptrollen übernehmen vor der tighten Rhythmusgruppe die beiden Gitarristen Rory Friers und Tony Wright, da hagelt es Riff um Riff während die Leadgitarre nicht selten als die widerborstige Bastardgeburt aus The Fall of Troy Griffgewichswahnsinn und Fang Island Euphorie erscheint.

Das die Band nicht immer nur auf die Zwölf hauen muss, sondern durchaus auch ruhigere Gangarten aus dem Efef beherrscht, stellen die mit dem zurückhaltenden Ruhepol der Platte, 7 Million People All Alive at Once, am eindrucksvollsten unter Beweis. Dazwischen findet man sie auf Gangs aber ohnedies immer wieder, die kurzen Momente des Luftholens. Wenn die Atmosphäre weg vom Headbangen, hin zum Fäuste in die Luft strecken wandert. Was And So I Watch You From Afar dabei immer bleibt, ist der permanente Druck, der den Kompositionen stets anhaftet. Gangs scheint zu jeder Sekunde unter Strom zu stehen.

Dazu machen es And So I Watch You From Afar einem auf Gangs leichter, als auf dem Debüt. Die Vier schüren ihre Songs marginal kompakter, vor allem aber gibt sich das Album als solches durch seine reduziertere Spielzeit deutlich zugänglicher. Drei Songs und 20 Minuten Spielzeit büßt Gangs im direkten Vergleich zum Vorgänger ein. Da dankt nicht nur die Aufmerksamkeitsspanne, sondern auch die gestraffte Albumdynamik. Gangs sprintet ohne Längen über die Ziellinie, zeigt And So I Watch You From Afar nicht weit vom Debütalbum entfernt- und nur in unwesentlich schwächererer Form als auf diesem. Gangs ist nahezu ebenbürtiger Nachfolger geworden, der spätestens wenn Lifeproof am Ende gar die Karnevalsstimmung packt, nachdrücklich aufzeigt:  Egal ob man das nun noch als Postrock oder Progressive Metal führen möchte – schlußendlich ist es ohnedies nichts davon wirklich und doch von allem etwas.


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Comments (1)

  1. Pingback: LITE - For All Innocence - Neonliberal.at 7. Juli 2011 […] man in traumhaften Melodien und borgt sich die härtesten Gitarren der Bandgeschichte von ‘And So I Watch You From Afar‘ aus. Darf man es da also als kruden Sinn für Humor sehen, dass ausgerechnet die den […]

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