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The Strokes – Angles

Zuerst die gute Nachricht: The Strokes sind wieder da. Nach den qualitativ sehr unterschiedlichen Soloprojekten der Bandmitglieder (zuletzt Julian Casablancas mit einem eher enttäuschenden Soloalbum, dass außer der Single „11th Dimension“ nicht viel zu bieten hatte) haben sich die New Yorker wieder zusammengerauft. Und jetzt zur schlechten Nachricht: sie haben ein neues Album mitgebracht.

Vor wenigen Wochen gab es bereits eine Hörprobe mit dem kostenlosen Download von „Under Cover Of Darkness“. Eine durch und durch mediokre Darbietung der einst prägenden Gruppe aus New York, die für Jahre bestimmte wie eine Band der Ostküste zu klingen hat um gut zu sein. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: The Strokes veröffentlichten mit „Angles“ ihr bereits viertes Studioalbum.

Das neue Irgendwas

Um das Resumée gleich vorweg zu nehmen (und keine falschen Hoffnungen zu wecken): „Angles“ ist vieles aber bestimmt kein Album, und schon gar kein gutes. „Angles“ ist einfach irgendwas.

Nach mehrmaligem Durchhören, schafft man es erst zu bemerken, dass da ein Geräusch im Hintergrund läuft. Die Songs plätschern, völlig unzusammenhängend vor sich hin. Während „Is This It“ beim Hören einem das Gefühl vermittelt zur New Yorker Hipster-Szene zu gehören, sagt „Angles“ leise und mit schwacher Stimme, dass New York wohl der unkreativste Ort der Welt ist, in der gute Alben verboten sind und man allerhöchstens um ein Lebenszeichen zu setzen ein paar unfertige Demos aufnimmt.

Bei „First Impressions Of Earth“ aus dem Jahr 2005, zeigten The Strokes das erste Mal kleine Ermüdungserscheinungen. Neben der vielen großartigen Songs, fanden sich auch Lückenfüller. Über den Song „Razorblade“ schimpfte selbst Julian Casablancas und bezeichnete es als den schlechtesten Titel der Platte. Auf die eigene Unzufriedenheit folgte die schleichende Trennung und das erfrischende Soloprojekt des The Strokes-Gitarristen Albert Hammond Jr. und kurz darauf ein Album von Little Joy, dem Nebenprojekt von Fabrizio Moretti, dem Schlagzeuger. Ein neues The Strokes Album rückte in weite Ferne und alle schienen glücklich damit, einzig Julian Casablancas versuchte The Strokes bei Studioaufnahmen eine weitere Chance zu geben, erfolglos. Die Aufnahmen wurden nach kurzer Zeit abgebrochen und der enttäuschte Casablancas machte sich auch auf Solopfade. Zunächst mit einem Gastauftritt beim sehr gelungenen „My Drive Thru“, dann mit dem Album „Phrazes For The Young“.

Überraschenderweise fanden sich The Strokes doch wieder um an einem vierten Album zu basteln. Das Ergebnis sind 10 Songs, die kaum über das Niveau von Skizzen und Demotracks hinausreichen. Vielmehr klingt es nach dem Versuch einer Orientierung. Verständlicherweise mussten sich The Strokes weiterentwickeln. Der Sprung von „Is This It“ und „Room Of Fire“ (die sich kaum unterscheiden) auf „First Impressions On Earth“ war kein leichter, ist ihnen aber gelungen. Aus dem nächsten Schritt nach vorne, wurden ein paar zaghafte zurück und ein paar zur Seite, so lange bis kein Mensch mehr weiß wo vorne und hinten ist.

Die Strokes sind zurück

Der Opener „Machu Picchu“ geht Dank nettem Gitarrengeklimper gut ins Ohr und macht Lust auf mehr. Auch die darauffolgende erste Single des Albums „Under Cover Of Darkness“ enttäuscht zumindest nicht, weil schon vorab bekannt und hat Potential noch ein bischen mit dem öfteren Hören zu wachsen. Bei der dritten Nummer des Albums „Two Kinds Of Happiness“ wird man dann schon langsam nervös und wartet ungeduldig auf den großen Knall, der einem sagt: DIE STROKES SIND ZURÜCK. Was dann kommt, ist das bereits erwähnte „Irgendwas“.

Lieblos würgen sich die Fünf durch den Rest von „Angels“ ohne absolute Tief- und leider auch ohne wirkliche  Höhepunkte. Nur bei „Taken For A Fool“ und „Gratisfaction“ lässt sich die Größe von The Strokes erahnen. Die Songs „You’re So Right“, „Games“ und „Call Me Back“ klingen eher so als hätte Julian Casablancas Songs für ein neues Soloalbum geschrieben und den Rest der Band als Gastmusiker engagiert. Gegen Ende des Albums („Gratisfaction“ und „Metabolism“), versuchen The Strokes stilistisch an „Is This It“ und „Room On Fire“ anzuschließen, und schaffen es nicht sich selbst das Wasser zu reichen.

Zugegebenermaßen, wird hier sehr hart mit dem neuen Album ins Gericht gegangen, aber immerhin geht es hier um The Strokes. Das Album hat durchaus ein paar gute Stellen, und wenn sie sich noch ein Jahr Zeit gelassen hätten um in bekannter The Strokes-Manier bis zur Perfektion an jedem Schlag und Riff zu feilen, dann wäre das vierte Werk einewürdiger Nachfolger geworden und der berechtigte Anspruch auf den Thron der New Yorker Szene.

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