Neonliberal.at

Neonliberal.at

Anthrax – Worship Music

‚Worship Music‘ sollte eigentlich das Debütalbum für Dan Nelson werden. Wurde es aber nicht, weil plötzlich wieder John Bush am Mikro stand. Und schlußendlich? Ist die zehnte Anthrax Platte die erste mit Joey Belladonna als Sänger seit dem 1990er Album Persistence of Time. Und was für ein Gemisch das geworden ist!

Da soll sich noch einer auskennen. Ursprünglich sollte ‚Worship Music‚ ja bereits 2009 das äußerst gelungene ‚We´ve Come for You All‚ von 2003 beerben, aber plötzlich war Dan Nelson in jenen elitären Kreis von Sängern aufgenommen worden, die zwar Mitglied bei Anthrax waren, jedoch auf keinem Studioalbum auftauchen. Dass ‚Worship Music‚ zu diesem Zeitpunkt bereits fertig war und John Bush wieder an Bord, schien die Metallegende nicht zu stören. Viel mehr passte das ohnedies zum etablierten Sängerschleudersitz Anthrax. Dementsprechend war Bush auch wieder schnell von Bord – vermutlich nicht gerade zum Unmut zahlreicher Fans. Nun also das nächste Kapitel Anthrax mit Belladonna, 21 Jahre später. Dabei werden Versprechen eingelöst: ‚Worship Music‚ sollte so klingen, als hätte man die Band von 1987 mit jener von 2011 gekreuzt. Tut es auch – und gerät so zum waghalsigen Spagat zwischen Erwartungserfüllung, Vergangenheitaufarbeitung und mutigem Blick in die Zukunft.

Bush versus Belladonna ist mittlerweile ja beinahe Glaubenskrieg, zumindest aber Geschmackssache. Und mag Bush auch der bessere Sänger sein und Belladonna seine besten Zeiten schon hinter sich haben, erledigt die prägende Stimme auf ‚Worship Music‚ einen lupenreinen Job – der ihn zudem praktisch durch alle Phasen Anthrax führt. Nach dem titelgebenden Intro ‚Worship‚ (schlußendlich ebenso zu vernachlässigen, wie die ‚Hymn‚- Interludes) kracht deswegen zur Begrüßung gleich mal Anthrax-Metal der Extraklasse mit der Tür ins Haus. ‚Earth on Hell‚ blickt zurück, bietet Geschwindigkeit an den Saiten und noch schnelleres Schlagzeugspiel, ausladende Powermelodien und mitreißend mehrstimmige Refrains während Belladonnas Stimme vibriert – Thrash Metal, mit dem unnachahmlichen Anthrax-Groove. Da schwingt sich die Matte praktisch von selbst. ‚The Devil You Know‚ gewinnt an Laune und brettert in die selbe Richtung die auch das unglaubliche Moshmonster ‚Fight’em ‚Til You Can’t‚ einschlägt: Anthrax präsentieren sich in Bestform und unterstreichen ihre Existenz als eine der ‚Big Four‚- Bands. Der fulminante Thrash-Beginn nimmt jedoch nichts von der weiteren Kurskorrektur vorweg, die Anthrax auf ‚Worship Music‚ immer wieder vollziehen.

Was folgt ist eine Band im Experimentierstadium: Immer wieder versuchen sich Anthrax mit Belladonna in Gefilden, welche die Band ursprünglich mit Bush erkunden wollte. Das Tempo wird gerne einmal gezügelt, die Refrains dürfen schon vor Eingängigkeit triefen. Das überlange ‚In the End‚ nimmt nur langsam Fahrt auf und groovt als tonnenschwerer Nackenbrecher doch von der ersten Sekunde an,  ‚I Am Alive‚ gibt sich ebenso episch, wie der Titel suggeriert und rittert als zeitgemäßer Breitbeiner im schnelleren Midtempobereich um den Titel der Albumhymne. Moderner klingen Anthrax höchstens bei ‚The Constant‚. Muss man nicht uneingeschränkt gut finden, um den Mut zur Weiterentwicklung zu respektieren. Obwohl Anthrax das Ausloten neuer Grenzen ohnedies woanders auf die Spitze treiben: ‚Crawl‚ züchtet dramatischer Atmosphäre mit melancholischer Melodie und plötzlich sind Alice in Chains die erste Referenz. Das wird die Gemüter erhitzen, aber wie unfassbar gut ihnen das doch steht! Dazwischen immer wieder: Anthrax in Reinform, als brutal schnelle Riffmonster mit Thrash auf dem Banner, Melodie im Herzen und der geballten Festivalfaust in der Höhe.
‚Worship Music‘ beleuchtet Anthrax 2011 aus den unterschiedlichsten Perspektiven und trifft dabei dennoch nahezu immer die Schokoladenseite der Band. Zeigt das Verständnis der Band zur eigenen Geschichte und den Willen, diese auch weiterzuschreiben. Nach der unrühmlichen Entstehungsgeschichte der Platte nicht gerade die kleinste Überraschung. Im Rückspiegel der Zeit aber dürfte die Besetzungsposse um ‚Worship Music‘ angesichts der für sich selbst sprechenden Qualität der Platte ohnedies zur marginalen Fußnote verkommen.

[amazon_link id=“B005D6T19C“ target=“_blank“ ]’Worship Music‘ auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook