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Arctic Monkeys – Suck It and See

Der Vorbote ließ befürchten, auf Album Nummer Vier könnten die Arctic Monkeys of the Stone Age mit mediokren Riffrockern langweilen. Ganz so ist es dann nicht, viel eher lassen die Engländer entspannte Songs direkt vom Cornerstone folgen.

Brick by Brick ist ja nun nicht das, was man sich von Alex Turner und Co. erwartet hätte, geschweige denn hören wollte. Ein stumpfer Rocker mit dämlichen „I wanna Rock’n`Roll“ Lyrics, ohne jegliches Augenzwinkern im Subtext aber mehr Queens of the Stone Age Attitude auf dem Banner, als auf dem von Josh Homme produzierten, grandiosen Arctic Monkeys Werk Humbug.
Das dem Vorabvideo nachfolgende Album meistert die tief gelegte Latte ohne Probleme, verhält sich im direkten Vergleich zum dritten Album, wie es das zweite zum ersten Tat. Die selbe Richtung wird eingeschlagen, ohne jedoch vergangenen Glanztaten das Wasser reichen zu können.

Auf dem – tatsächlich selten dämlich betitelten – Suck It and See wird deswegen noch stärker auf Midtemporocker gebaut. Gleich der Opener „She’s Thunderstorms“ ist einer der gelungensten dieser Sorte, übernimmt mit seiner entspannten Melodieführung und seinem unaufgeregten Tempo die direkte Fortführung der auf Humbug entdeckten neuen Gelassenheit der Band.
Das beherrschen die Engländer: „The Hellcat Spangled Shalalala“ ist ein aus der Zeit gefallener Gute Laune Rocker. „Reckless Serenade„, das wiederverwertete „Piledriver Waltz“ oder „Suck It and See“  sind das, was man mittlerweile wohl guten Gewissens als klassische Arctic Monkeys Songs bezeichnen kann. Hier werden Stärken punktgenau bedient und ausgespielt, die Band gefällt sich als zurückgelehnte Version ihrer Anfangstage. Man muß nicht mehr mit der Tür ins Haus fallen, „Entspannt“ ist das neue „Zwingend“, die Brechstange bleibt zu Hause. Denn um zu zeigen, dass man das Tempo im Fall der Fälle nach wie vor überzeugend anziehen kann, dafür steht „Library Pictures“ Pate.

Womit Suck It and See in seinen besten Momenten wieder ein toll gelungenes, selten die Zähne zeigendes Pop-Rock Werk der Engländer geworden ist. Was allerdings nicht über die gesamte Albumdauer der Fall ist, bringt Brick by Brick doch auch kleine Brüder mit, die sich ebenso für amerikanischen Schweinerock interessieren, wie möglichst authentisch das nachzubilden versuchen, was die Queens of the Stone Age mittlerweile ganz natürlich im Vorbeigehen absondern. Verquere Rocksongs, die verdammt „crazy“ sein wollen und dabei doch unangestrengt auf die Tube drücken möchten, um nur zu verschrecken, aber nicht zu vergraulen. Was auf Suck It and See nicht gelingen möchte.Don’t Sit Down ‚Cause I’ve Moved Your Chair ist ebenso ein missratener Zwitter mit Vorbildverwirrung wie „All My Own Stunts„, in denen die Arctic Monkey im Windschatten des Homme abgebrühter wirken möchten, als sie es tatsächlich sind. Ärgernisse, die jedoch absolut nicht representativ für den Gesamtsdound des Albums sind. Tatsächlich würde diese Totalausfälle weitaus weniger ins Gewicht fallen, hätten sich dazu nicht noch der eine oder andere belanglose Singalong – wohin etwa schlendert bitte „Love Is a Laserquest„? -eingeschlichen, was den Gesamteindruck unnötig schmälert.

Was Suck It and See zurück lässt, sind jedoch nicht nur Lückenfüller und am Ziel vorbeigeschrammte Rockposer, sondern auch einige Songs für die eigene Bestenliste, die sich brav hinter älteren Großtaten anstellen. Suck it and See beginnt erst langsam zu wachsen, beherzt die auf Humbug entwickelten Stärken und pumpt auch dessen Schwächen auf. Was Album Nummer Vier zwar meilenweit am befürchteten Totalausfall vorbeiführt, aber das oftmals zu gefällige Suck it and See nur mit kleinenBauchschmerzen genießbar macht. Handzahm gewordene Arctic Monkeys haben immer noch tolle Songs in peto. Großartige sparen sie sich für Suck it and See jedoch großteils aus.

 

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