Neonliberal.at

Neonliberal.at

…And You Will Know Us by the Trail of Dead – Tao of the Dead

Einfach haben es …And You Will Know Us By The Trail of Dead ihren Hörern mit den letzten beiden Alben nicht gemacht.
Nach drei Meisterwerken am Stück gönnte sich die Band eine Ruhepause in Form ihres fünften Albums So Divided. Dass die Texaner ohne nennenswerten Qualitätsverlust einen Gang runterschalteten, ließ dennoch manchen Fan der vorangegangenen Husarenritte verprellt zurück. Für The Century of Self sollte die Devise also „zurück zu den Wurzeln“ heißen: Ungestümer wollte man sein, das Gaspedal wieder ein wenig mehr durchdrücken und sogar das verloren geglaubte Trail of Dead Trademark Schlagzeugspiel wurde entstaubt.
Einzig: funktionieren wollte diese angedachte Frischzellenkur nicht so wirklich.
Paradoxerweise findet sich auf dem mediokren Album von 2009 kein einziger schlechter Song, allerdings auch kein einziger, den Trail of Dead nicht schon besser hinbekommen hätten. Man wollte offenbar, doch konnte nicht so wirklich.
Manches wirkte schaumgebremst, vieles erzwungen und alles wurde mit einem matschigen Sound kredenzt, dass man kaum glauben mochte, dass abermals Langzeitproduzent Mike McCarthy an den Reglern gesessen hatte.

Für Tao of the Dead nun machten Konrad Keely und Jason das einzig Richtige: Nach dem beabsichtigten Schritt zurück machen Reece einfach zwei nach Vorne. Dafür holen sich mit Chris Smith ebenso einen (alten) neuen Produzenten an Bord, wie offenbar auch den vermissten Größenwahn zurück und spielen Album Nummer 7 kurzerhand als die Progrock Band ein, die so viele schon so lange in ihnen sahen.
Gleich vorweg: Tao of the Dead ist ein Album-Album geworden, will am Stück gehört werden. Potentielle Singles werden den eigenen Ambitionen und dem großen Ganzen geopfert – zwei Songs genügen schlussendlich, um aufzuzeigen, warum Trail of Dead lange als die aufregendste Rockband da draußen galten.
Dass dem knapp 36 minütige Tao of the Dead Part I: Tao of the Dead auf CD jedem der elf Movements ein eigenes Trackmark spendiert wurde, mag zwar primär marketingtechnische Gründe haben, doch wären die einzelnen Parts natürlich in jedem Fall stark genug um auch für sich selbst stehen zu können. Und einzelne Songs durch fließende Übergänge miteinander zu verbinden wäre alleine auch keine Neuheit im ToD Universum. Wie unfassbar gut die Passagen miteinander harmonieren und sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen, lässt einen dann aber doch staunend zurück – Niemals verkommt die Platte zu einer simplen Aneinanderreihung von Songideen, hier fügt sich ein Stück tatsächlich nahtlos an das andere.
Auffallend: In der Vergangenheit bereits zur Genüge ausformulierte Songstrukturen (Stichwort: Lauter Beginn – Instrumentaler Mittelteil – Lautes Ende – Dynamik) sucht man auf Tao of the Dead großteils vergebens. Die Band weiß offenbar kaum wohin mit all den wahnwitzigen Ideen und Melodien, überrumpelt sich selbst immer wieder mit neuen Songpassagen.
Dennoch schaffen es Trail of Dead ebenso das eigene Oeuvre wiederzukauen wie Klassiker zu zitieren (Pure Radio Cosplay hat man gleich mal das Satisfaction Riff der Stones spendiert).
Was dem Ganzen schlussendlich jedoch eine ganz neue Richtung gibt: Trail of Dead schielen nun Richtung Rush, Porcupine Tree und andere Größen des Progrock und spätestens im abschließenden Tao of the Dead Part II: Strange News From Another Planet weiß man, weswegen auch permanent die Rede von Krautrock, Can oder Neu! ist wenn sich die Texaner förmlich in einen einzigen Rausch spielen.

Dreizehn Jahre nach dem Debütalbum fühlt sich Tao of the Dead an wie der zweite Frühling einer Band. Dringlich wie schon lange nicht schmettern Trail of Dead einen potentiellen Lieblingssong nach dem Anderen aus dem Ärmel, lassen 52 Minuten Laufzeit wie gefühlte 15 wirken. Kurzweiliger, frischer, komplexer und aufregender hat schon lange keine Band mehr geklungen. Vor allem nicht Trail of Dead – die es ihren Fans mit Tao of the Dead damit tatsächlich wieder leicht machen.


[amazon_link id=“B004GKQ1KI“ target=“_blank“ ]Tao of the Dead auf Amazon[/amazon_link]


No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook