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Beastie Boys – Hot Sauce Committee Part Two

Die über kleine und größere Hürden gehende Beinahe-Odyssee des vielleicht finalen Output der Beastie Boys hat ein Ende: ‚Hot Sauce Committee‘, das mehr oder weniger spannend erwartete achte Studioalbum der auf ihre Fünfziger zugehenden New Yorker Rapper, ist fertig, und da. Welcher Teil das nun sein soll, ob es einen ersten respektive zweiten geben wird, und ob man den Vorgänger ‚The Mix-Up‘ nun zählen lassen will sei dabei dahingestellt. Nicht wenige sollen eben diesen aber dann doch höflich durchgewunken, und insgeheim gehofft haben, dass es nicht der Klang- und vor allem Sanglose Abtritt von MCA, Ad-Rock und Mike D war. Man wird ja auch nicht jünger.

Was sich gleich als Auftakt des neuen Albums recht deutlich zeigt. ‚Make Some Noise‘ ist der Kater nach ‚Fight For Your Right‘, ‚Intergalactic‘ oder ihrem insgeheim besten Brecher ‚Ch-Check It Out‘. Wie aber schon im größenwahnsinnig Starbesetzten und nach allen Regeln der Kunst ausschweifenden Videoclip dazu veranschaulicht, ist die Party noch lange nicht vorbei, und auch inhaltlich wird auf das verdammte Recht weiterzufeiern gepocht und natürlich der gute alte Freund Cowbell ausgepackt. Der Beat will pressen, kann aber (noch) nicht (mehr) so recht, zieht sich dennoch motiviert von einem Laternenpfahl zum nächsten; der Refrain offenbart sich im Morgengrauen als seltsamer Vogel, bei dessem Anblick man sich fragt, wie man eben noch mit ihm gefeiert hat. Produktionstechnisch macht der Opener keinen Hehl daraus was den – selbstverständlich trotz allem nach den ersten dreißig Sekunden kopfnickenden – Hörer auf dem Großteil des restlichen Albums erwartet: es werden wesentlich mehr vor allem elektronische Schnörkel als noch auf dem ebenso famosen wie straighten ‚To The 5 Boroughs‘ gezogen, und generell scheint den Beasties der Hall-Regler am Mischpult öfters als nötig an den Anschlag gerutscht zu sein.

Nachdem in ‚Nonstop Disco Powerpack‘ dann doch versichert wird das sich eh alle ‚alright‘ fühlen, darf von ‚Ok‘ an angefangen werden aufzuhorchen. So tight und ausgenüchtert wie eh und je klopft das Beatgerüst das Album noch rechtzeitig wach, während sich ohne zu Stolpern in die neue ‚reactionaries‘ Version des altbekannten ‚Too Many Rappers‘ gerappt wird. Mittlerweile ist auch für den verwöhnten Beastie Boys-Veteranen wieder alles im allerfettesten Bereich – fast schon bedrohlich walzt sich der Bass hinter dem wie immer mehr als nur souveränen Gastauftritt von Nas nach vorne, und für den prolligen Chorus braucht man sich auch nicht zu schämen. Alles fließt wie zu gar nicht so lang vergangenen (und gar nicht so insgeheim besten) ‚An Open Letter To NYC‘ Zeiten. Mit so viel Perfektion kann die folgende Verzerrungs-Orgie ‚Say It‘ nicht ganz mithalten, und bleibt im Endeffekt nur als Nachbeben mit kuriosem Outro in Erinnerung. Einer der ersten angenehm unaufdringlichen Sommerhits des an Sommer bisher armen Musikjahres wird nach angemessener Einleitung mit ‚Don’t Play No Game That I Can’t Win‘ durch Unterstützung der hoffentlich nicht vergessenen Santigold bereitgestellt. Eine meisterlich dahindubbende Liegestuhl-Hymne, und der größte Haken den das Album beim ersten Hördurchgang ins Ohr schlägt.

Hätte man den im weiteren Verlauf des Albums besprochenen Funky Donkey bei den nächsten Nummern nicht die den Platz am Mischpult überlassen, könnten sie gut als Überbleibsel des letzten Albums auf dem auch die Stimmen der New Yorker zu hören waren durchgehen, was gänzlich für ihren Flow und dadurch durchgehend guten Eindruck den sie hinterlassen spricht, nichts desto trotz deutlich gegen ihre Einprägsamkeit. Das kurze Interlude ‚Tadlocks Glasses‘  bleibt da noch am ehesten hängen.

Eine der seltsamsten Entscheidungen wurde das letzte Drittel des Albums betreffend getroffen – nach dem enorm energiegeladenen und sich auf die musikalischen Wurzeln der Gruppe zurückbesinnenden ‚Lee Majors Come Again‘, das durch scheppernde Liveinstrumente gekreuzt mit gewohnten Gemixe und -fiepe und einen an Fugazi gemahnenden Basslauf besticht, werden der Platte nach hinten raus mit einem offensichtlichen Relikt aus instrumental-relaxten ‚The Mix-Up‘-Zeiten beinahe gewaltsam die Hummeln aus dem Hintern entfernt. Da kann die Kuhglocke im folgenden ‚Here’s A Little Something For Ya‘ noch so strapaziert werden, die eben noch dagewesene Power wird in den abschließenden, auf drei für sich doch mehr als grundsolide Songs verteilten sechs Minuten nicht wieder zurückerlangt. Speziell ‚Crazy Ass Shit‘ möchte nochmal mit zwingender Orgel den Groove zurückbringen, vertröstet aber nur auf mehr – das nicht kommen will. Ein fünfzigsekündiger Abschlusstrack mit Doppelnamen kann den Hörer nur hoffen lassen, dass von Teil Zwei des ‚Hot Sauce Committee‘ doch noch auf Part One weitergedacht wird. Man braucht dafür anscheinend nicht mal jünger zu werden.


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