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Beirut – The Rip Tide

Da verstehe Zach Condon, wer will: Nach zwei ausgefuchsten Konzeptalben in nur zwei Jahren, ließ sich der junge Barde nun vier Jahre für sein drittes Studioalbum erstmals so richtig Zeit und kehrt dann ausgerechnet mit der für ihn wahrscheinlich simpelst-möglichen Songsammlung zurück.

Kein großes Konzept steckt hinter ‚The Rip Tide‚, kein aufgearbeiteter Urlaubstrip und keine Vergangenheitsbewältigung. Statt dessen bündelt Condon auf der dritten Beirut Platte seine Stärken und giest diese ohne große Umschweife zum bisher kurzweiligsten Album der Bandgeschichte. Gerade einmal eine halbe Stunde braucht er für neun Songs, die sich auf´s wesentliche konzentrieren – die Popband in der Multikultifolksensation Beirut. Ohne große Umwege bietet ‚The Rip Tide‚ neunmal Beirut von ihrer bisher eingängigsten Seite; noch nie hat sich so deutlich gezeigt, warum es immer schon gerne  geheißen hat: Beirut spielen Balkan Pop!

Auf Überraschungen verzichtet ‚The Rip Tide‚ vollständig, alles klingt bekannt – das Blättern im Fotoalbum anstelle neuer Reisen quasi. Aber das darf man sich erlauben, wenn man sich über nur zwei Alben einen derartig eigenständigen Sound erarbeitet hat, dass man dem Großteil des Liedguts auf ‚The Rip Tide‚ zugestehen kann, als klassische Beirut Kompositionen durchzugehen. Nur jubeln und leiden und schmachten die Trompeten, Tuben, Klaviere, Ukulelen und was Condon eben so auffährt diesmal eben noch eingängiger, noch poppiger, noch direkter. Einzig das fließende Orgelintermezzo ‚The Peacock‚ gönnt sich in seinen zweieinhalb Minuten eine Verschnaufpause. Aber auch hier macht es einem ‚The Rip Tide‚ nicht sonderlich schwer, Condon nimmt einen herzlich in Empfang – ein wenig ist das wie nach Hause kommen.

Angedeutet hat sich das ja bereits mit den beiden Vorabveröffentlichungen dass Beirut da für ihre Verhältnisse geradezu konventionell Richtung Folkpop schunkeln. Das Niveau des fröhlich wankenden ‚East Harlem‚ und des betrübten Trauerkloß ‚Goshen‚ können Condon und seine Kombo dann auch auf die ganze Albumlänge problemlos halten. ‚A Candles Fire‚ wird zum euphorisch einmarschierenden Willkommensgruß, der folgende Tribut an die Heimatstadt Santa Fe rettet elektronische Spielereien dezent von der ‚Realpeople: Holland‚ EP. Das von Heather Trost unterstützte ‚Payne´s Bay‘ steigert sich zum verhaltenen Jubelmarsch und hat damit die selbe Zurückhaltung inne wohnen, die der schwelgende Titeltrack. Das kurzweilige, sich um sich selbst drehende ‚The Vagabond‚ wird über ‚The Peacock‚ an den furiosen Schlußpunkt ‚Port of Call‚ weitergerreicht: „I called through the air that night. I can’t see voice without light. I could only smile. I’ve been alone some time.“ Abwartende Melancholie wird schlußendlich von der ganzen Blaskapelle umarmt und natürlich erwärmt dass das Herz mehr, als es betrübt.

Das ist alles zusammen eine Runde Angelegenheit, die Freude bereitet, auch wenn man die vielen kleinen Ecken und Kanten der Vorgänger vermisst. Und trotzdem – oder gerade deswegen – begeistert ‚The Rip Tide‘ nahezu bedingungslos, weil es all die Stärken von Beirut punktgenau bedient. Unter anderen Umständen würde man hierbei wohl vom Durchbruchsalbum sprechen. Muß man aber nicht, da sich Condon ohnedies schon in Herzen rund um den Globus gesungen hat. Und auch weil er diesen diesmal nicht benötigt, erstmals nicht die Reise an entlegene Orte vertont und gerade einmal den Fuß vor die eigene Haustür wagt, darf ‚The Rip Tide‚ als wichtiger Schritt für Beirut angesehen werden. Der konzeptionelle Überbau ist weg und zurück bleiben Songs, die sich aufs wesentliche konzentrieren: Balkan Pop Hits. Wahrscheinlich nur ein kleiner Schritt für Condon, möglicherweise aber ein großer für seine Band.

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