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Bewilligung für Straßenmusiker?

Wie einem Grazer Gratisblatt zu entnehmen ist, werden Gerald Grosz und Georg Schröck vom BZÖ in der Gemeinderatssitzung kommenden Donnerstag einen dringlichen Antrag auf Änderung der „Straßenmusikordnung 1999“ stellen, da viele musikalische Darbietungen auf Grazer Straßen ihren Geschmack nicht treffen und laut Grosz nur als „Katzenmusik“ bezeichnet werden können.

Ein junger Straßenmusiker in seinem ElementIhre Forderungen im Detail:

  • Bisher dürfen StraßenmusikerInnen zwischen 10 und 21 Uhr spielen, die beiden BZÖ-Politiker wollen dies werktags auf 20 Uhr verkürzen und am Wochenende soll gar nur bis 18 Uhr musiziert werden dürfen.
  • Hauptplatz und Herrengasse sollen straßenmusik- frei bleiben, vermutlich damit die PassantInnen nicht zu abgelenkt sind und gleich in die Traditionskaufhäuser strömen (und nicht gratis auf der Straße unterhalten werden).
  • StraßenmusikerInnen sollen eine auf eine Woche befristete Bewilligung beim Bürgeramt holen müssen, bevor sie die Grazer Öffentlichkeit mit ihren Klängen erfreuen dürfen.

Leider wird im Artikel nicht näher ausgeführt, wie man sich das „Pickerl“ (Der Grazer) verdienen soll. Wird jetzt in den Grazer Amtsstuben ein Casting durchgeführt werden müssen? Gibt es eine fachkundige Jury, oder hängt die Straßenmusikkarriere nun vom Gutdünken eines oder einer BeamtIn ab?
Wird der Grazer Öffentlichkeit damit nur  vor offenkundig unbegabten Leuten „geschützt“ oder soll dies ohnehin nur eine weitere Maßnahme zur Verbannung unerwünschter Bevölkerungsgruppen aus dem öffentlichen Bewusstsein sein?

Die derzeitige Straßenmusikordnung, die 3m Mindestabstand zu Haus- und Geschäftseingängen sowie Gastgärten, etc. und eine Entfernung von 50m zu Schulen und anderen StraßenmusikerInnen vorschreibt – ebenso wie eine maximale Spieldauer pro Platz von einer Stunde – sollte eigentlich ausreichen, damit Anrainer, Geschäftsleute und PassantInnen nicht unentwegt von Musikdarbietungen niedriger Qualität genervt werden.

In Zeiten eines allgemeinen Spardrucks stellt sich auch die Frage nach dem Geld: Wie hoch werden die Kosten für diesen zusätzlichen Verwaltungsaufwand sein? Damit diese Maßnahme wirkt,  müsste vermutlich auch mehr Personal im Amt zur Ausstellung und mehr Personal auf den Straßen zur Kontrolle der Bewilligung abgestellt werden.

Erste Geschäftsleute begrüßen diesen Antrag zwar schon, insbesondere eine musikfreie Herrengasse. Aber: die nicht immer perfekte Straßenmusik trägt zum lebendigen und stimmungsvollen Flair und zur Attraktivität der Grazer Innenstadt bei. Eine nur auf Konsum getrimmte Herrengasse ohne Ablenkung von StraßenkünstlerInnen wird kaum KundInnen von der Konkurrenz, den Einkaufszentren am Stadtrand, abziehen können. Dort treten nämlich auch oft (halbbekannte) Bands auf, die nicht den Geschmack aller KundInnen treffen.

Foto: Andreas Düllick

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