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Biffy Clyro – Revolutions // Live at Wembley

Biffy Clyro verknoten mittlerweile keine drei Songs mehr zu einem. Zugänglicher und eingängiger ist ihr jüngeres Material, ohne aber die Ansprüche der Band über Bord zu werfen. Das steht den drei Schotten nicht nur exzellent, damit sind sie auch endgültig in den Stadien dieser Welt angekommen. Gut so, denn wo anders findet ihr bombastischer Alternative Rock mittlerweile ohnedies kaum mehr Platz.

Wobei einstweilen noch Luft nach oben ist, fand das titelgebende Konzert am 04.Dezember 2010 doch „nur“ in der kleineren Wembley Arena statt, der große Stadionbruder bleibt einstweilen weiterhin Muse und Co. vorbehalten. Lange wird das aber vermutlich nicht mehr so bleiben, machen Biffy Clyro in dem eingeschlagenen Tempo weiter: Nach dem schon verdammt hitverdächtigen Debüt ‚Blackened Sky‚ von 2002 gönnten sich die drei Schotten ja zwei Progrockmetalausflüge, ehe man beim Major unterschrieb und mit ‚Puzzle‚ und ‚Only Revolutions‚ zwei Megaseller einspielte, welche die Größe der Fanbasis zu jeder veröffentlichten Single aus den beiden Alben (immerhin zwölf an der Zahl, wovon ‚Mountains‚ gar die Top Five in England knackte) exponentiell nach oben trieb. Kaum verwunderlich dass Songs der beiden jüngsten Alben deswegen auch den Großteil der aufgenommenen Setlist ausmachen, egal welche Version des ersten Biffy Clyro Livealbums man sich ins Haus holt.

Apropos verschiedenen Versionen:  Der Gelegenheitshörer dürfte sich schon mit der einfachen CD/DVD Kompilation zufrieden geben, welche 19 mal allerfeinsten Schottenrock in bester Bild und Ton Qualität bietet. Für den Fan nicht genug, deswegen gibt’s auch eine 2xCD/DVD Kombo mit 25  Songs darauf (den Unterschied machen: ‚Joy.Discovery.Invention‚, ‚9/15ths‚, ‚Know Your Quarry‚, ‚There’s No Such Thing As A Jaggy Snake‚, ‚Justboy‚ und ‚As Dust Dances‚). Aber der Ultra stellt sich ohnedies die streng limitierte Tin Box ins Haus, die neben der Doppel CD Version auch die DVD und allerhand Fanboy Schickschnack (wer auf der bandeigenen Homepage vorbestellt hat, darf sogar mit einem zerschmetterten Instrumentenstück rechnen) zu bieten hat. Wie weit man nun für Biffy Clyro´s Livemitschnitt in die Taschen zu greifen gewillt ist, mal außen vor: Ein hübsches Gesamtpacket haben Simon Neil und die Johnston Brüder da schon zusammengeschnürt.

Randvoll bietet die DVD neben Bandkommentaren zur Show eine 2010 beim T in the Park Festival gefilmte Dokumentation namens ‚Only Reflections‚ und natürlich gibt es den Wembley Auftritt in vollem Glanz. Allerdings wurde dieser zu einem ungenießbaren Brocken aus entsprechenden Liveszenen zusammen geschnitten; viel eher als einem Konzertmitschnitt meint man einem überlangen Biffy Clyro Werbevideo beizuwohnen. Inwiefern Stimmung aufkommen soll, wenn Neil innerhalb weniger Sekunden mit verschiedenen Gitarren in Zeitlupe über die Bühne stolziert, bleibt ein Geheimnis. Ebenso, ob die drei Burschen jemals ein Livekonzert mit anbehaltenen T-Shirts hinter sich gebracht haben. Die Vermutung alleine erscheint ein ums andere Mal absurd, was aber vor allem den weiblichen Fans und Freunden grotesk schlechter Tätowierungen im Endeffekt ohnedies herzlich egal sein dürfte. Womit der optische Reiz von ‚Revolutions‚ allerdings ein eher sekundärer ist. Auch wenn allein die Gewissheit, dass da  Mike Vennart (von den mittlerweile leider aufgelösten Proggöttern Oceansize) irgendwo an der zweiten Gitarre aushilft, das Herz erwärmt. Nichtsdestotrotz sei das Hauptaugenmerk auf die Tonträger gerichtet.

Diese bieten einen halbwegs gelungenen Querschnitt durch die Biffy Discography, auch wenn die ersten drei superben Alben etwas stiefmütterlich behandelt werden. Betrachtet man die 25 Song lange Version, ist eine Gewichtung auf zugänglicheres späteres Material unübersehbar: Währen ‚The Vertigo of Bliss‘ und ‚Infinity Land‚ jeweils zwei Songs in Rennen schicken, darf ‚Blackened Sky‚ gar drei Mal ran. Nichts im Vergleich zu ‚Puzzle‚ (neun Mal vertreten), welches wiederum nicht gegen ‚Only Revolutions‚ anstinken kann (weil bis auf ‚Cloud of Stink‚ eben einfach alles gespielt wird).
Da darf man ob der Songauswahl motzen, ein sensationeller Mitschnitt in toller Soundqualität ist´s aber trotzdem geworden. Egal ob Gänsehautrocker (‚Many of Horror‚), Halbakkustische Popnummer (‚God & Satan‚), Klassiker (‚57‚) oder eigenwillige Neuinterpretation (‚Living is a Problem Because Everything Dies‚): ‚Revolutions‚ reiht einen Knaller an den anderen. Während melancholischer Tränendrückerballaden wie ‚Machines‚ zeigt sich das Publikum dabei ebenso textsicher wie bei Rockgranaten ala ‚The Captain‚. Dazu ist es eine Freude zu hören, wie geschickt Biffy Clyro ihren Orchesterpomp vom Studio in verschwitzte Rockaction auf der Bühne umwandeln und  zwischen den vielleicht größten Alternativerockhits –ach was, Hymnen sind das, allesamt! – der letzten Jahre immer wieder die technische Versiertheit der Schotten durchblitzten, selbst wenn Biffy Clyro ihre Songs doch heftiger – aber immer sorgfältig – runterrotzen als im Studio. So macht ein Liveauftritt auch auf Platte Spaß, da freut sich der Fans an neuen Arrangements und all jene, die es noch werden müssen bekommen eine Hitsammlung, die seinesgleichen sucht. Aber wundern sollte man sich nicht, wenn man plötzlich oben ohne verschwitzt durchs Wohnzimmer springt.

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