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Bildungsvolksbegehren – warum eigentlich?

Das Österreichische Schulsystem ist unfair. Es differenziert zu früh zwischen sogenannten „Leistungsträger_innen“ und den „Leistungsschwachen“, es ist unfähig zu erkennen, dass jede Schülerin und jeder Schüler eine gewisse Begabung hat und es bietet keine Ressourcen dafür, diese zu stärken und die Schwächen zu schwächen. Die Laufbahn eines Kindes wird dabei zu einem großen Teil von seinem sozioökonomischen Hintergrund bestimmt.

Dass es nicht so bleiben kann ist klar. Man mag von Hannes Androsch halten was man will, aber mit diesem Bildungsvolksbegehren wurde ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gesetzt, der bildungspolitische Stillstand der Regierung – nach dem Motto: die SPÖ fordert etwas, die ÖVP ist dagegen, und im Endeffekt passiert nichts – muss irgendwann ein Ende haben.

Es ist unumstritten, dass Österreich im internationalen Vergleich anderen Ländern (und hier muss der skandinavische Raum wieder mal hervorgehoben werden) hinterher hechelt. Schreckensmeldungen wie „Österreichs Kinder können nicht lesen“ muss man zwar mit Skepsis gegenübertreten, einen wahren Kern haben sie dennoch.

Natürlich hat ein Volksbegehren nur dann Erfolg, wenn sich viele in den Forderungen wiederfinden. Und dementsprechend allgemein sind die Forderungen des Bildungsvolksbegehrens auch gehalten. Deshalb kann das Volksbegehren nicht als der Weisheit letzter Schluss, sondern nur als Anstoß gesehen werden.

Auf jeden Fall zu kritisieren ist das Fehlen eines Bekenntnisses zum offenen und freien Hochschulzugang, Studiengebühren bleiben unerwähnt und somit werden sie auch nicht dezidiert ausgeschlossen. Ein sozial gerechtes Bildungssystem bedeutet aber gleichzeitig, dass jede_r genau die (Aus-)Bildung genießen darf, die er_sie auch will. Das bedeutet wiederum, dass unbeschränktes Studieren möglich sein muss. Im Elementarschulbereich heißt das, dass die Trennung der Schüler_innen nach der Volksschule der falsche Weg ist – eine Forderung im Text zum Bildungsvolksbegehren, die aber ganz ohne dem Wort „Gesamtschule“ auskommt:

„Wir fordern ein sozial faires, inklusives Bildungssystem, in dem die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgt.“

Positiv hervorzuheben sind die Forderungen nach einer achtstündigen Ganztagsschule (mit spezifischem Muttersprachen-Unterricht) und nach der Chancengleichheit von Migrant_innen bezüglich Bildung und Beruf.

Lässt man also außer Acht was noch gefordert werden sollte und konzentriert sich darauf, was tatsächlich gefordert wird, ist das Volksbegehren durchaus unterstützenswert.

Die Forderungen im Wortlaut:

  1. Wir fordern ein modernes, unbürokratisches und weitgehend autonomes Schulsystem unter Einbeziehung der SchulpartnerInnen und ohne parteipolitische Einflussnahme.
  2. Wir fordern die Gleichstellung der Kindergärten mit den Schulen und der KindergartenpädagogInnen mit den LehrerInnen.
  3. Wir fordern ein flächendeckendes Angebot an elementarpädagogischen Einrichtungen (Krabbelstuben, Kinderkrippen, Kindergärten), sowie bundesweite Ganztagsangebote.
  4. Wir fordern ein Bildungssystem, in dem alle Kinder und Jugendlichen so früh wie möglich in ihren Talenten und Fähigkeiten kontinuierlich gefördert und in ihren Schwächen unterstützt werden.
  5. Wir fordern die systematische Abschaffung des Sitzenbleibens und ein Ende der Nachhilfe.
  6. Wir fordern ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen.
  7. Wir fordern ein sozial faires, inklusives Bildungssystem, in dem die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgt.
  8. Wir fordern die Aufwertung des LehrerInnenberufs und einen konkreten Finanzierungsplan für die folgenden Ziele.
  9. Wir fordern einen verbindlichen Ausbau- und Finanzierungsplan für unsere Hochschulen und Universitäten und die jährliche kontinuierliche Erhöhung der öffentlichen Finanzierung auf 2% der Wirtschaftsleistung im Jahre 2020.
  10. Wir fordern Hochschulqualifikationen für 40% eines Jahrgangs bis zum Jahr 2020.
  11. Wir fordern für das lebenslange Lernen (Erwachsenenbildung) eine Erhöhung der staatlichen Mittel auf 40% der Aufwendungen für die Erstausbildung bis zum Jahr 2020.
  12. Wir fordern ein weltoffenes Bildungssystem, das Internationalität und kulturelle Vielfalt als Bereicherung ansieht und den MigrantInnen und ihren Kindern faire Bildungs- und Berufschancen einräumt.
Foto: vbbi.at

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