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Blackmail – Anima Now!

Aydo Abay ist weg, Blackmail machen mit neuem Sänger weiter. Zurück auf Start also? Mitnichten – Anima Now! macht dort weiter, wo Tempo Tempo aufgehört hat. Was gut ist, aber auch schonmal besser war.

Junias Sänger Mathias Reetz soll die Lücke füllen, die Aydo Abay nach vierzehn Jahren bei der Koblenzer Institution hinterlassen hat. Eine große Bürde, die Reetz jedoch weitestgehend zu tragen versteht. Klangfarblich bewegen sich die beiden Deutschen ohnedies in sehr ähnlichen Gewässern. Ein Umstand, der Fans die Umstellung gleichermaßen leichter machen dürfte, wie aber auch den direkten Vergleich geradezu forciert.
Den Bandneuling aber ausschließlich an Abay zu messen wäre natürlich Unsinn, denn Reetz bringt stimmtechnisch zwar gewisse Ähnlichkeiten zu seinem Vorgänger mit, gibt jedoch nicht bloß die billige Kopie. Was Reetz an markanter Charakteristik doch (noch?) fehlt, macht er durch jugendliche Dringlichkeit weg.

Überhaupt scheint dieser jugendliche Übermut auf die ganze Band abgefärbt zu haben. Die drei Veteranen hinter dem jungen Mann am Mikro  drücken von der ersten Sekunde an, geben sich wieder hungriger als noch auf den beiden letzten Alben Arial View und Tempo Tempo.
Dabei machen sie im Grunde genommen gar nicht viel anders. Das Songwriting, die Produktion, die Stimmung: Alles auf Anima Now! ist unverkennbar Blackmail. Und trotzdem wieder einfach eine Spur besser, als man es zuletzt von der Band gewohnt war. Ebelhäuser wandelt geschickt zwischen filigranem Gitarrenspielerein und markanten Riffs, die Rhytmusgruppe ist tight wie eh. Doch die Songs sind einfach knackiger, die Melodien zwingender. Als wollte man dem Jungspund zeigen, dass man noch nicht zum alten Eisen gehört.

Ihre Hochphase hat die Band nach Friend or Foe? zwar offenbar endgültig hinter sich, die Formkurve steigt jedoch wieder. Mit The Whys of the Ways, Deborah oder Dialogue Dial gibt es sie nach wie vor, die deutlich aus dem Gesamtwerk hervorstechenden  Hits. Doch tragen diese nicht mehr alleine die Platte, die restlichen Stücke fallen nicht mehr in gehobenen Alternative Rock Brei ab, wie man das zuletzt hinnehmen musste. Immer wieder begegnet man den Momenten, wie sie so nur Blackmail hinbekommen, und das immer öfter.
An alte Glanztaten kann Anima Now! damit zwar wieder nicht anschließen, aber der Koblenzer Rock trieft 2011 vor Aufbruchsstimmung. Da könnte sich ein zweiter Frühling für eine Band anbahnen, die ihre besten Alben bereits veröffentlicht hat, aber selbst auf dem seit mittlerweile 6 Jahren eingependelten Niveau noch immer zum Besten gehören, was Deutschlands Rockszene zu bieten hat.


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