Neonliberal.at

Neonliberal.at

Blink-182 – Neighborhoods

Zwei Schicksalschläge waren nötig, um Blink-182 wieder zu einer Band zu machen. Das erste Album seit acht Jahren setzt nun da an, wo Tom DeLonge, Travis Barker und Mark Hoppus mit ihrer Selbstbetitelten 2003 aufgehört haben, wäre jedoch ohne die verstrichene Zeit dazwischen nicht möglich gewesen.

Die Schicksalsschläge, das waren zum ersten der Tod von Langzeitproduzent und Bandfreund Jerry Finn im July 2008, seit ‚Enema of the State‚ betreute dieser jedes Blink Album. Die Band zieht aus seinem Ableben auch hinsichtlich des Comebackalbums Konsequenzen und veröffentlicht erstmals ein Werk und helfende Hand, produzierte ‚Neighborhoods‚ in Eigenregie. Ein zwiespältige Angelegenheit, erweist sich ‚Neighborhoods‚ doch als die musikalisch vielschichtigste der Band und fährt dazu passend ein fett ausgearbeitetes Soundgewand auf. Dadurch geht jedoch der vor allem auf ‚Blink-182‚ ausgearbeitete, unmittelbare Klang der Band verloren, nicht selten wirkt ‚Neighborhood‚ zu glatt gebügelt und undefiniert. Was vermutlich auch der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass sich Blink entschlossen, ihre jeweiligen Parts vollkommen separat voneinander aufzunehmen. Laut Hoppus die ideale Variante, um den Spannungsaufbau zu fördern – persönliche Zwiste scheinen weitestgehend ausgeräumt.

Was auch an zweiterem zu bewältigenden Schicksalsschlag liegen dürfte: Travis Barker überlebte 2008 nur knapp einen Flugzeugabsturz, ein Erlebnis, welches die ehemaligen Bandkollegen wieder zusammenbrachte. Nach zahlreichen Verzögerungen um die Veröffentlichung von ‚Neighborhoods‚ weiß man nun, dass diese Erfahrung natürlich icht spurlos an den drei Musikern vorbeigegangen ist. Vordergründig schlägt sich dies in den bisher düstersten Texten bis dato um, generell ist die Ausrichtung von Blink dezent dunkler ausgefallen als auf den bisherigen Werken. Natürlich ist das hier immer noch weitestgehend unter Pop-Punk / Punk-Rock abzufassen, die klassische Fun Schiene bedienen Blink-182 dabei jedoch kaum mehr. Man kann es wohl nicht anders sagen: Mit ‚Neighborhoods‚ sind Blink-182 endgültig erwachsen geworden.

Ein Prozess, der schon spätestens beim überraschend gelungenen Vorgänger ‚Blink-182‚ zu beobachten war. Man wollte nicht mehr auf die idiotische Spaßwalze reduziert werden, als die man den Durchbruch geschafft hatte – der Sprung in die Seriösität mit mehr Anspruch gelang über weite Strecken außerordentlich gut. ‚Neighborhoods‚ knüpft nun dort an, setzt wieder auf tiefgründigeres Songwriting in Verbindung mit dem unbestreitbaren Händchen der Band für catchy Hooks, eingängige Melodien  und mitreißende Refrains. So sehr ‚Neighborhoods‚ jedoch auch altbekannte Stärken der Band bedient, hört man der Platte jederzeit ihren Willen an, Blink-182 als gereiftere Band zu zeigen, eine Weiterentwicklung deutlich hörbar zu machen. Was man mit dem verstärkten Einsatz von Keyboards und Synthesizer erreichen möchte, Nicht selten klingt ‚Neighborhoods‚ so, als wäre Tom DeLonge´s Angels and Airweaves ungebremst in Blink-182 um die Jahrtausendwende gebrettert.

Das macht sich beim Opener ‚Ghost on the Dancefloor‚ noch gut und funktioniert auch bei ‚Snake Charmer‚ ebenso weitestgehend, geht aber ansonsten oftmals und vor allem beim unsäglichen ‚Love is Dangerous‚ vollends in die Hose. Das klingt wie Weiterentwicklung mit dem Holzhammer. Was ‚Neighborhoods‚ eben auf Gesamtlänge schadet, sind die zahlreichen Ausfälle, in denen sich die einzelnen Puzzleteile wie Fremdkörper voneinander abstoßen. Der zweite Albumvorbote ‚After Midnight‚ (schwacher Verse, starker Chorus) verdeutlicht das Problem der Platte vorzüglich: Zu oft bestehen Songs aus starken Einzelpassagen, das Gesamtkonstrukt langweilt jedoch. Mögen die drei Musiker für sich genommen auch gewisse technische Fähigkeiten nicht von der Hand weisen können, zu selten gelingt es Blink-182 als tatsächlich geschlossene Einheit aufzutreten. Wenn, dann schauen allerdings Killertracks wie das nach vorne preschende ‚Natives‚ dabei raus, das beinahe episch rasende Albumhighlight ‚Heart´s All Gone‚, das nachdenkliche ‚Kaleidoscope‚. Dazwischen immer wieder gehobene Blink-182 Standardware mit Waveeinschlag (‚Wishing Well‚) und Totalausfälle (‚Up All Night‚, ‚Fighting the Gravity‚). ‚Neighborhoods‚ präsentiert eine Band , die schon lange besser als ihr Ruf ist und dennoch hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Auch, weil man sich 2011 zu selten als eingeschworene Einheit präsentiert. Da konnte wohl kein Schicksalsschlag was dran ändern.

[amazon_link id=“B005GFLRRY“ target=“_blank“ ]’Neighborhoods‘ auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook