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Blitzen Trapper – American Goldwing

Blitzen Trapper melden sich mit ‚American Goldwing‘ zurück und zeigen abermals, dass sie den Alternative Country verstehen. Aber leider so sehr, dass ‚American Goldwing‘ seine Ecken und Kanten verliert.

Wer noch nie von Blitzen Trapper gehört hat, der/dem ist etwas entgangen. In Europa ist die Band einem eher kleinen Fankreis bekannt, in Amerika sind sie inzwischen eine der bekanntesten AltCountry Bands im Schatten der übermächtigen Wilco. Zu denen bestehen auch ausreichenden Parallelen im Sound, Sänger Eric Earley erinnert stimmlich manchmal frapierend an deren Sänger Jeff Tweedy, auch, wenn manchmal Brandon Benson (Raconteurs) durchscheinen mag.

Technisch liefert die Band alles, was das Americana-Repertoire zu bieten hat, schwelgt instrumental in den Siebzigern und spielt den Honky-Tonky so treffsicher und vor allem glaubwürdig (ohne „Wir müssen das auf witzig machen, sonst finden uns alle altmodisch und blöd.“), hat damit aber vor allem dass Problem, dass Songwriting und Produktion es nicht schaffen, sich vom groß der schon damals veröffentlichten Platten abzusetzen, auch wenn letztere natürlich sauberer ist.

Das ist das Kreuz von ‚American Goldwing‘ – es steckt so sehr in der Zeit, die es inspiriert hat, dass es nicht schafft, wirklich hervorzustechen. Da sind Whiskey-Bar-Romantik, Konvoyrock und Linedance mit all ihrem Pathos und Kitsch so sehr ineinander verwoben, dass Blitzen Trapper es nicht schaffen, den Spannungsbogen des Albums auch glaubwürdig an die/den Hörer_in zu bringen. Ein wenig fehlt da auch die letzte Schaufelspitze Dreck, um wirklich ‚real‘ zu klingen. Eine verflixte Situation, in die mich ‚American Goldwing‘ da bringt. Weil ichs eigentlich gut find. Manchmal aber auch langweilig.

Nichtsdestotrotz ist ‚Might find it cheap‘ ein würdig drauf los rockender Opener, dem mit dem country-lastigeren ‚Fletcher‘ eine gebührende Racounteurs-Nummer folgt. ‚Love the Way you walk away‘ ist eines der ersten wirklich Highlights, lässt einen die besungenen durchzechten Nächte vor Augen erscheinend und fängt den Spirit des mittleren Westens perfekt ein. Und spätestens bei den ansteckenden „Hey hey“-Parts im Refrain summt man mit. ‚Your crying eyes‘ startet mit Line-Dance-Feeling und steigert sich dann in einen Eagle-esken Countryrocker, dominiert von einer verzerrten Mundharmonika. ‚My home town‘ erinnert dann wieder stark an die erste Raconteurs-Platte, lässt das Banjo springen und lädt zum schunkeln ein.

Mit ‚Girl in a coat‘, Track Nummer 6, ist ein melancholischer Folksong im Stile des amerikanischen Folk der Siebziger, erinnert von Gesang und Arrangement etwas an den Black Rebel Motorcycle Club auf ‚Howl‘, wird aber nie so düster. Generell lassen sich Blitzen Trapper bei aller Melancholie, die manchmal durchscheint, nie die Leichtigkeit nehmen. Das merkt man vor allem am Titeltrack ‚American Goldwing‘, der mit mehrstimmigem Melodiegesang, eingängigen Gitarrenlicks und Orgel besticht. Die Pianoballade ‚Astronaut‘ holt einen dann wieder etwas auf den Boden zurück, ‚Taking it easy too long‘  lässt wieder etwas Country-Melancholie anklingen.
Dann die große Verwunderung: mit ‚Street fighting sun‘ kommt ein Rocker Led Zeppelinscher Dimensionen daher, der kurz vor dem Schluss noch einmal ordentlich drüberwalzt und zeigt, dass Blitzen Trapper auch ordentlich vom Bluesrock gelernt haben. Danach schließt ‚Stranger in a strange land‘ würdig das Album ab. Das erinnert etwas an Ryan Adams, der sich vor Bob Dylan verbeugt.

Das ist stimmig, aber deshalb ist ‚American Goldwing‘ kein Album für die Ewigkeit. Zu oft verneigt sich die Band vor den Größen aus Gegenwart und Vergangenheit, zu wenig scheint sie sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Die sind nämlich nach wie vor da, schlagen sich aber vor allem im wirklich tighten Sound und den stimmigen Arrangements nieder. Durchaus gut, also. Aber kein Album, an dass wir uns in ein paar Jahren noch erinnern werden.

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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