Neonliberal.at

Neonliberal.at

The Kills – Blood Pressures

Genug der Klatschpressephotos mit Kate Moss, genug der Dead Weather Intermezzi mit Jack White. The Kills melden sich mit ihrem viertem Studioalbum zurück.

Mittlerweile ist es ja kein gut gehütetes Geheimnisse mehr, die schmutzige kleine Rockband von diesem Typen der das „Gesicht unserer Zeit“ und Vorzeigepartymutti Moss datet und dem abgewirtschafteten Girl, dass bei Jack Whites Schlagzeugtrainingseinheiten mitsingen darf. High Society Schmafu und namhafte Kollaborationspartner hin oder her: ihren Ruf als astreine Bluesrockcombo haben sich Alison “VV“ Mosshart und Jamie “Hotel“ Hince seit 2003 hart erarbeitet, egal ob mit leicht unausgegorenen Lofi Punkrock der Anfangstage, dreckigen Postpunk der No Wow Zeit, vor allem aber mit der gezähmten Hitsammlung Midnight Boom.

Nach 3 Jahren heißt es also Blood Pressures. Der muss bei Mosshart und Hince irgendwo im nicht mehr messbaren Bereich liegen, nimmt man die ausgestrahlte Coolness des Duos als Indikator. Album Nummer vier schwitzt zu jeder Sekunde puren Heroin Chick, gibt sich gleichermaßen unnahbar wie einschmeichelnd.
The Kills lassen die Drummaschine rumpeln, dass es jeder Garage Band zur Ehre reicht, während die Gitarren zwischen Feedbackwand und Riff davonlaufen. Dazu gibt Mosshart das versiffte Partychick, zeitweilig von Hince am Mikro unterstützt.
Dem reinen Pop von Midnight Boom geht dabei eine unterkühlte Beziehung mit dem harschen Rock von No Wow ein, Blood Pressure gibt sich als Bastard der beiden Vorgänger und ist damit wieder der Bluesrock, den so viele auch beim Vorgänger gehört haben wollen. Begeht die eingängigen Momente von 2008 mit der Ästhetik von 2005 und hat den bisher besten Sound der Discographie an Bord.
Blood Pressure klingt vielschichtiger, dichter und auch weitaus schäbiger als Midnight Boom. Kaum jemand hat es derart glaubwürdig drauf, gleichzeitig glamourös, hip und trendy zu klingen und dabei dennoch so abgefucked nach zu langer Party am Vorabend wirkend daherzukommen wie The Kills.
Gut, größere Hits hatten sie auf dem Vorgänger, ein überzeugenderes Ganzes gelang ihnen bisher jedoch nicht.

Luft verschaffen der Engländer und seine amerikanische Kumpanin dem schleppenden Rocktross mit den eingestreuten Wild Charms beziehungsweise The Last Goodbye,
ihren jeweiligen kleinen Balladen. Für Hince heißt das Mistkübelschlagzeug samt Billigklavier während Mosshart gleich ein kleines Streicherorchester auffährt.
In ihrer unmittelbaren Intimität die heimlichen Highlights einer weiteren starken The Kills Platte, der der Brückenschlag zwischen Midnight Boom Durchbruch, Vergangenheitsnähe und kredibiler Weiterentwicklung nahezu perfekt gelingt.

In der zweiten Plattenhälfte verschlampen die beiden zwar den Spannungsbogen durch hinterfragenswerter Albumstruktur etwas, wenn The Kills mit Pots and Pans im bisher reinsten Bluesmoment (ja, man lernt von Jack White offenbar wirklich was) ihrer Kariere aber wieder hinaus in die Finsternis stompen, kann man der nächsten öffentlich zelebrierten Partynacht von Mosshart und Hince entspannt entgegen sehen.
Die Societybegleitumstände haben The Kills nicht abgeschliffen, im Gegenteil:
Räudiger klangen sie schon lange nicht.

[amazon_link id=“B004LKLRZW“ target=“_blank“ ]Blood Pressures auf Amazon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (1)

  1. Pingback: The Kills - The Last Goodbye - HeavyPopHeavyPop 1. März 2012 […] seiner Leichtigkeit beinahe und praktisch keinen Deut schlechter als das durchwegs superbe ‘Blood Pressures‘-Material aus dem letzten […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook