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Bohren & der Club of Gore – Beileid

Drei Songs in 35 Minuten. Zwei davon präsentieren Bohren & der Club of Gore in altbekannter Größe, der dritte ist eine Bandpremiere: Die deutschen Doom-Jazzer covern alte Metalhelden und laden sich dafür einen Gastsänger ein – Mike Patton.

Im Nachhinein erscheint es geradezu verwunderlich, wie lange es gedauert hat, bis die wahrscheinlich weltbeste Doom-Jazz Gruppierung und der Ausnahmesänger im Studio zusammengefunden haben. Seine Begeisterung für die Mülheimer Band kaschierte Patton er nie, zwei Platten der Band machte er sogar über sein Label Ipecac in den USA erhältlich. Für die zweite EP seit dem letzten Studioalbum Dolores ist es soweit, Patton darf das Mikrofon der Deutschen entjungfern.
Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist – natürlich – geradezu atemberaubend ausgefallen.
Patton croont sich im rauchgeschwängerten Ambiente mit samtweicher Stimme durch den für Bohren typischen Zeitlupen Jazz, das passt wie die Faust aufs Auge, 13 Minuten lang. Was man dem reduzierten Geniestreich dabei gar nicht mehr anhört, ist sein Ursprung. Den hat Catch My Heart als schmachtende Heavy Metalballade bei Warlockund damit Doro Pesch.

Die zwei restlichen Stücke, Zombies Never Die (Blues) und Beileid, bleiben dem bisherigen Output der Band treuer – soll heißen, sie kommen ohne Gesang aus und sind Paradebeispiele für die Musik, die man von der Band mittlerweile gewohnt ist. Bohren & der Club of Gore spielen ihren unfassbar dunklen Jazz immer noch derart entschleunigt, dass man zwischen zwei Beats problemlos ein Bier trinken gehen kann. Wie seit spätestens 1997 gewohnt, spielt Clöser´s Saxofon dabei eine zentrale Rolle in dem skelettierten Bandsound aus Synthesizer Flächen, Vibraphon, Orgel, Bass und Besen-Schlagzeugspiel.
Entrückend düster und beängstigend intensiv – muss man den David Lynch Vergleich noch bringen?

Die Weiterentwicklung der Band ist hinter dem Mikrofon zu finden, ansonsten gibt es auf Beileid Bohren-typischen Horror Jazz. Damit beackern die Mülheimer natürlich bekannte Gefilde. Allerdings – und das mag man ob des konstant bleibenden Qualitätspegels der Band mittlerweile leicht übersehen –  auf einem Level, in dem es so gut wie keine Luft nach oben mehr gibt und noch weniger ebenbürtige Gruppierungen.
Den einzigen Makel der Veröffentlichung findet man deswegen auch nicht in der Musik: So brilliant Beildeid auch geraten sein mag – ein neues Album wäre doch noch schöner gewesen.


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  1. Pingback: Bohren & der Club Of Gore - Bohren for Beginners - HeavyPop.at 29. November 2016 […] homogenes Umherschweifen, das den Mike Patton-Gastauftritt (im Warlock-Cover Catch my Heart von der Beileid-EP) wie selbstverständlich hinter interne Klassiker (etwa Maximum Black) stellt und dazwischen […]

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