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Booker T. Jones – The Road From Memphis

Booker T. legt  drei Jahre nach seinem “Best Instrumental Pop“- Grammy für  Potato Hole nach: Gemeinsam mit den Roots als Backing Band, sowie zahlreichen illustren Gästen am Mikro erteilt  der Altmeister eine Lektion in Sachen Soul, R&B und Funk. Und zeigt im vorbeigrooven auf, wie sexy Musik sein kann, wenn man weiß wie es geht.

Wie es geht, weiß Booker T. Jones (übrigens nicht zu verwechseln mit Booker T) trotz zwischenzeitlicher Durststrecken seit über 50 Jahren im Musikbusiness. Dass der Mann, Jahrgang 1944, aber noch lange nicht zum alten Eisen gehört, stellte er nicht nur mit kurios anmutenden Gastauftritten (die Hammond auf Up to No Good auf dem letzten Rancid Album etwa – das war Jones) klar , sondern auch mit seinem fabelhaften 2009er Comeback Potato Holes. Da malträtierte Jones seine Tasteninstrumente unter anderem zu Hits von Outkast und Nicht-so-wirklich-Hits von Tom Waits und staubte dafür gleich mal einen Grammy ab.
Da hat ein Nachfolgealbum natürlich einen schweren Stand – Booker T.  könnte das aber wohl nicht egaler sein. Der schüttelt einfach ein noch besseres Werk aus dem Ärmel.

Über weite Strecken ist das aber nicht sein alleiniger Verdienst, hat er doch für The Road from  Memphis die derzeit vielleicht beste “Sessionband“ der Welt im Rücken. Nach dem grandiosen How I Got Over und dem nicht minder tollen Wake Up! für und mit John Legend, zeigt Jimmy Fallons Late Night Band aus Philadelphia auch hier, was für unwahrscheinliche Groovemonster sie sind. Wenn die so weitermachen, gehen sie nicht nur als beste Hip Hop Band um die Jahrtausendwende in die Geschichte ein, sondern auch als die neuen Funk Brothers.
Stichwort Funk:  ?uestlove, Captain Kirk und Co. versorgen Booker T. mit einem mitreißenden Beatgerüst, da wehrt sich jede Faser gegens still sitzen bleiben. Die Combo hat mehr Rhytmusgefühl im kleinen Finger, als andere Bands im ganzen Körper.
Darüber surft Booker T. mit allerlei Tasteninstrumenten in technischer Perfektion. Das gibt sich meist vor Funk nur so sprühend, hat Soul im Blut und R&B immer in Sichtweite und auch wenn das Coverfass wieder geöffnet wird – neben Lauryn Hill´s Everything is Everything nimmt sich Booker T. das unsterbliche Soulpopmeisterstück Crazy von Gnarls Barkley vor – sprüht The Road from Memphis nur so vor Spielwitz.

Dazu tragen natürlich auch die namhaften Gastsänger bei. Booker T.  greift für das bluesige Down in Memphis auch selbst endlich wieder einmal zum Mikrofon, das Groß der stimmlichen Untermalung übernehmen jedoch alte und neue Helden der amerikanischen Musikszene.  Yim Yames etwa veredelt Progress, und ist damit so viel näher am gelungenen Spagat zwischen Folkwurzeln und Prince-Funk als er es auf dem letzten Studioalbum seiner Band My Monrning Jacket stellenweise sein wollte. Lou Reed darf im zurückgenommenen Schlußwort The Bronx Melancholie versprühen, während es für Representing Memphis zum Duet kommt: Matt Berninger von The National umgarnt mit seiner Baritonstimme Soulqueen Sharon Jones und sorgt damit für das gefühlvolle Highlight der Platte.
Besonders in diesen Momenten zeigt sich eine der Stärken der Platte: Niemals nimmt sich Booker T. zu wichtig, nimmt sich zurück und spielt zweckdienlich im Bandsound und trotzdem immer an vorderster Front.
?uestlove und Rob Schnapf wissen eben, wie man einen warmen, erdigen Sound kreiert, der dies zusätzlich forciert.

Das Konzeptalbum über den Weg der Soulmusik von Memphis nach Detroit und darüber hinaus, gerät zum Triumphzug. Booker T. gelingt mit und vor allem durch die Unterstützung der Roots ein famoser Nachfolger zum gelungenen Comeback.  Mehr noch: The Road to Memphis ist eine förmlich aus der Zeit gefallene Glanztat klassischer R&B Musik geworden.


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