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The View – Bread and Circuses

Bread And Circuses ist The View´s  Versuch, an das famose Debüt Hats Off to the Buskers von 2007 anzuknüpfen.
Und damit das durchwachsene, in jedem Fall überambitionierte Zweitwerk Which Bitch? vergessen zu machen.

Dafür wurde gleich mal Owen Morris vom Produzentenstuhl gekickt und durch Youth ersetzt, dessen erste Amtshandlung darin bestand, striktes Alkoholverbot im Studio durchzusetzen.
Unwahrscheinlich, dass dies tatsächlich rigoros eingehalten wurde, immerhin handeln Kyle Falconers Texte immer noch hauptsächlich von Wein, Weib und was für Komplikationen man mit beidem so haben kann.
Doch woran es schlussendlich gelegen haben mag, sei dahingestellt. Wichtig ist wohl nur, dass die Rechnung im Endeffekt halbwegs aufgeht.

4 Songs oder 15 Minuten lang schaffen es The View tatsächlich, lückenlos an ihr vielumjubelte Quasisinglesammlung Hats Off to the Buskers aufzuschließen indem sie zur Begrüßung gleich mal einen Hit nach dem anderen raushauen.
Grace, Underneath The Light, Tragic Magic und Girl hätte man vor vier Jahren wahrscheinlich ein wenig knackiger zusammengestaucht, ansonsten wäre keiner dieser Songs auf dem Albumerstling negativ ausgefallen.
So zeigen The View gleich zu Beginn, warum man sich dereinst in diese Band verliebt hat. Dieses feine Gespür für unwiderstehliche aber harmlose Melodien, die sich ins Hirn fressen und von da auch nicht mehr weg wollen sucht man bei anderen Bands vergeblich.
Wer die vier Schotten als die kleinen Libertines abstempelt, wird durch Bread And Circuses keinesfalls Lügen gestraft.

Nach gut einem Drittel bricht jedoch wieder diese leichte Megalomanie durch, die Which Bitch? schon von einem guten zu einem mediokren Album degradiert hat.
Und Bread and Circuses schlußendlich „nur“ zu einem guten Album werden lässt.
Kein The View Song muss zwar ohne gute Melodien auskommen, allerdings hat man förmlich vor Augen, wie die Band beim Einspielen der Songs sich selbst nicht im versifften Pub, sondern auf den großen Stadionbühnen gesehen haben muss.
So findet man sich plötzlich in leicht schleimigen Theatralikgesten (Life), verhaltenem Kneipendiskorockern (Friend) und unfokussierten Radioattacken (Sunday) wieder.
Da biegen The View ein ums andere Mal mit unverschämt knuffigen Melodien um die Ecke und begeistern mit herrlichen Singalongs, nur um diese nirgendwo hinzuführen oder generell unnötig in die Länge aufzublasen.
Dass die vier Jungspunde wissen, wie es auch mit Dramatik und Theatralik gehen kann, zeigen sie zum großen Finale doch noch einmal und hauen mit Best Lasts Forever eine kleine aber feine Hymne hinten raus.
Bread And Circuses ist trotzdem ein bisschen wie Fast Food essen: Kurzfristig ist man satt, das macht Laune, aber auf Dauer hat das zu wenig Substanz und Nährwert.

Bread And Circuses will viel, scheitert jedoch meistens an seinen Ambitionen.
Weniger wäre für The View wieder einmal deutlich mehr gewesen.
Trotzdem bleibt Bread And Circuses eine gute Sammlung charmanter Poprocker, die niemandem weh tut und besonders bei Fans des Debütalbums seine Freunde finden wird. Auf jeden Fall um Welten besser als der in den Sand gesetzte Vorgänger.
Sommerliche Mixtapes werden dieses Jahr jedenfalls wohl kaum um diese Platte herumkommen.


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