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Brent Hinds presents – Fiend Without a Face / West End Motel

Rocket Science Ventures vereint die beiden anderen Baustellen des Mastodon Chefschlägers auf einer Doppel CD. Da beide Projekte musikalisch kaum weiter von der Stammband entfernt sein könnten, sollten in erster Linie Rockabilly Freunde ein Ohr riskieren. Und Nick Cave Fans.

Fiend Without a Face musizieren unter dem Namen eines englischen Horrorfilms aus dem Jahre 1958, die beteiligten Köpfe dahinter stecken unter Strumphosen und vereinen unter anderem das Mastodon Gespann Brent Hinds und Bran Dailor an Gitarre und Schlagzeug um die 60er frisch aufleben zu lassen.
Geboten wird deswegen nahezu ausnahmslos instrumentaler Psycho- und Rockabilly mit direkter Tendenz zur Surfgitarre (stellvertretend: ‚Black Grass‚) und leichtem Metaleinschlag, immer eine Spur zu überdreht und verrückt, um als astreine Partymusik durchzugehen. Der Stehbass hüpft da Genregerecht zum nach vorne polternden Schlagzeug, während Hinds über die Gitarre flitzt und stilecht Lick über Lick rausscherbelt. Bei Gelegenheit verfeinert durch Barpiano (‚New York‚) oder psaychedelischen Orgelnebeln (‚Cosmonaut‚). Damit auch ähnlich gearteten Songbruchteilen nicht unüblich, die die seligen Mr. Bungle ganz gerne mal in ihren Albumgewordenen Irrenanstalten fabriziert haben.
Dabei klammern Fiend Without a Face jegliche Ernsthaftigkeit aus und lassen keine Zweifel offen, dass es sich hierbei in erster Linie um ein Spaßprojekt handelt, zu dem auf der Couch dösend phantastisch mit dem linken Knie mitstampfen und der rechten Hand Bierdosen zerquetschen kann.
Nicht zuletzt, wenn das Mikro doch einmal angeschmissen wird, hat Fiend Without a Face seine mitreißendsten Momente, generell machen die 13 Songs nicht nur verdammt viel Laune, sondern sind mehr als alles andere: Cool.

In eine ganz andere Kerbe schlägt Hinds hingegen mit West End Motel. Selbst beschreibt er das Projekt als “Gogol Bordello mit Nick Cave als Frontmann“ und trifft den Nagel dabei geradezu perfekt auf den Kopf. Mit Tom Cheshire gegründet, um Simon and Garfunkel nachzueifern, rumpelt die mittlerweile zum Kollektiv gewachsene Band einen Harmonikagetriebenen Balkanblues ein, der sich gewaschen hat. Die Slow Motion Polka ‚I Like It a Lot‚ präsentiert sich als astreiner Ohrwurm, in der Cheshire am Mikrofon Nick Cave derart nah kommt, dass es schon beängstigend ist. ‚She´s on Fire‚ ist eine herzerwärmende Ballade, mit Pianotupfern als Anstrich und Hinds wunderbaren Gitarrensolo als Herzstück. Markant auch der immer wieder zutage tretende Schwung hin zum beseelten Countryausritt, wo West End Motel mit eleganter Entspanntheit glänzen. Und wenn Cheshire in ‚Highwaters‚ die ganz großen Emotionen auspackt, seine ganz eigene Version von Westernsoul eincroont und Hinds ein halsbrecherisches Herzschmerzsolo hinterherschickt , zeichnet sich ab, dass von dieser Band noch was großes kommen könnte. Ein Werk wie man es von dem ganzkörpertäötowiertenVollblutprogmetaller Hinds wohl nicht erwartet hätte, umso bestechender begeistert West End Motel jedoch anstandslos und lässt als einzigen Kritikpunkt seine an der musikalischen Brillianz gemessenen Kürze zurück.
Darf man ansonsten bedingungslos sensationell finden, auch wenn man mit Hinds bisherigen musikalischen Schaffen nicht konform geht.

Fiend Without a Face:


West End Motel:

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Comments (1)

  1. Pingback: Mastodon - Cold Dark Place - HeavyPop.at 18. September 2017 […] Etwaige Spekulationen ob der Länge und Veröffentlichungsform von Cold Dark World konnten im Grunde ja als obsolet betrachtet werden, nachdem bereits Jaguar God im regulären Bandkontext erschienen war. Mastodon haben, was Hinds Alleingänge angeht, in den vergangenen Monaten also umdisponiert – was all jene beruhigen dürfte, die die Band 2008 auf der Unholy Alllliance III-Tour ohne Bill Kelliher gesehen hat. Die Wurzeln von Cold Dark World werden im abschließenden Titelsong dennoch absolut deutlich. Nachdenklich sinister brütet Hinds hier zuerst auf sich gestellt eine von geisterhaften Chören begleitete Atmosphäre aus, finden dabei eine unheilschwangere Annäherung an akustisch zurückgenommene Versatzstücke aus Country, Blues und Americana, eine Slidegitarre schwebt über die glimmernden Reste eines Lagerfeuers. Spät aber doch steigt auch die restliche Band ein, ein Klavier klimpert, Mastodon schwelgen durch einen skelettiert melancholischen Minimalismus. Nicht zuletzt wenn Hinds flehentliche Break-Up-Zeilen wie „And I wish I knew how to breathe again/I feel I’m gonna die inside my skin“ singt, kann man da irgendwo schwermütig an Soundgarden denken, doch wenn die Band den Song in aller Unaufgeregtheit in einem episch gniedelnden Finale auflöst, verweist Hinds damit geradezu überdeutlich an seine Ausflüge mit West End Motel. […]

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