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Brian Wilson – In the Key of Disney

Das Popgenie und ehemalige Beach Boys Chef-Legende Brian Wilson steht auf Disney Songs und bringt deswegen gleich mal ein ganzes Coveralbum raus. Was anfangs merkwürdig anmutet, passt beim näheren Hinhören doch erstaunlich gut. Eine Platte zwischen unterhaltsamer Unnötigkeit und interessanter Neuinterpretation.

Ihm sei es darum gegangen, ein Album abzuliefern, dass auch seine Enkelkinder gerne hören würden, erklärte Brian Wilson, und darüber hinaus den zeitlosen Kompositionen von Frank Churchill, Ned Washington oder den Sherman-Brüdern Tribut zu zollen. Jenen Musikern also, deren Namen vermutlich den wenigsten Menschen geläufig sein dürften, deren Werke jedoch nicht nur jedem fernsehbegeisterten Kind bestens bekannt sein werden. Dass Wilsons Leidenschaft für Disney-Filmsongs nicht erst seit gestern besteht, ist bekannt: für ‚Surfer Girl‘ etwa bediente sich freigiebig bei ‚When You Wish Upon a Star‘  aus Pinochio. Und dass die heile Disney-Welt für den krisengebeutelten Musiker seit jeher eine willkommene Zufluchtsstätte darstellen konnte, bleibt anzunehmen. Insofern also doch eher eine Geschichte mit Faust und Auge.

Dennoch dürfte die Ankündigung der Coverplatte bei nicht wenigen Stirnrunzeln verursacht haben – von wegen Musiklegende prostituiert sich für Großkonzern und dergleichen. Insofern dürfen sowohl jene Fans, die ‚In the Key of Disney‚ skeptisch gegenüber standen, wie auch jene, die dem Album entgegenfieberten ihre Ängste wie Erwartungen erfüllt sehen. Die versammelten elf Songs klingen natürlich genau so, wie man das erwarten darf und wie das Artwork es zusätzlich auf den Punkt bringt: Brian Wilson dreht die Kompositionen unbarmherzig durch die Beach Boys Mangel, feiert ein gutes Dutzend mal die Strandparty vor dem mausohrigen Sonnenuntergang; reichlich Harmoniegesang und 60ties Feeling inklusive. Wilson´s Discographie wird dadurch aber in keinster Weise beschmutzt, erhält viel eher eine weitere skurrile Fußnote.

Viel Nährwert, abgesehen vom Spaß an der Sache, den muß man den Neubearbeitungen von ‚You’ve Got A Friend‚  (aus Toy Story) oder ‚Bare Necessities‚ (Das Dschungelbuch) aber absprechen. Ein paar Handclaps, Backgroundchöre samt zusätzlicher Partystimmung reichen natürlich nicht aus, um die Sache besser zu machen als Randy Newman und Konsorten. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob das denn überhaupt möglich ist. Insofern wählt Wilson wohl den geschicktesten, wenn auch etwas mutlosen Weg und bearbeitet jeden Song auf zu erwartende Weise. Mal geht das einigermaßen gut (‚Heigh-Ho/Whistle While You Work‚ lässt die sieben Zwerge gut gelaunt Richtung Piraten der Karibik marschieren), mal weniger (‚I Just Can’t Wait to Be King‚ mit Bo-Diddley Beat), meistens ist das unterhaltsam belanglos und manchmal einfach nur brilliant (‚Kiss the Girl‘ macht nach Saxofon- und Orgelintro den nahezu perfekten Kalipsorocker). Dabei verleiht Wilson den Songs ein nostalgisches Flair, wie wohl nur er das kann. Vor allem aber schüttelt ‚In the Key of Disney‚ mit der Zeit jeglichen fahlen Beigeschmack ab – macht rundum eben einfach nur noch unheimlich Spaß und erinnert daran, endlich mal wieder ‚Der König der Löwen‚ anzusehen. Womit Brian Wilson wohl sein Ziel erreicht hat: Knappe vierzig Minuten abseits der Realität in einer verklärt perfekten Welt, die alle Sorgen ausklammern.

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