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Bush – The Sea of Memories

Ansichten  eines 46 jährigen Millionärs zum Thema Alternative Rock: zwischen 1994 und 2001 hat Gavin Rossdale mit Bush über zwanzig Millionen Platten verkauft – ‚The Sea of Memories‘ soll und wird zweifelsohne auch dafür sorgen, dass da noch einige verkaufte Exemplare hinzukommen werden.

Allein schon der Name Bush auf dem Albumcover wird dafür sorgen. Dass dieser nach 10 Jahren wieder ausgegraben wurde, mag entweder daran liegen, dass die 2000er einfach keine gute Zeit waren, um seine Band so zu nennen oder aber, weil Rossdales zwischenzeitliche Projekte – Institute von 2005 und ‚WANDERlust‚ als Solowerk von 2008 – schlicht kaum jemanden interessiert haben. Und jene, die doch reinhörten, fanden’s angeblich schlussendlich ohnedies nicht so prall. Unterstellungen mal außen vor: von der Originalbesetzung ist abgesehen von Rossdale 2012 nur noch Schlagzeuger Robin Goodridge mit an Bord. An den Saiteninstrumenten ersetzen Chris Traynor und Corey Britz die nicht wieder eingestiegenen Nigel Puslford und Dave Parson- welche keine Zeit für eine Bush-Reunion hatten. Ein gutes Vorzeichen, oder?

Tatsächlich allerdings nur dann, wenn man sich an den Gedanken gewöhnt, dass Bush mit ‚The Sea of Memories‚ (endgültig) zu einer x-beliebigen Alternative-Rockband amerikanischer Prägung geworden sind. Das hat nichts mehr vom zwar niemals originellen, aber doch immer guten Rock der ersten vier Studioalbum, sondern marschiert ohne mit der Wimper zu zucken schnurstracks anbiedernd Richtung Charts. Dorthin, wo Nickelback und 3 Doors Down hocken und die Pommesgabel machen – was auch immer Bush jemals in die Nähe von Grunge brachte, wurde über Bord geworfen, um sich an dem zu orientieren, was in der Wahlheimat Rossdale´s als „moderner Rock“ klassifiziert wird. Dass Bush sich für ihre Wiedergeburt im Ansatz neu erfinden, wäre an sich ja mutig – die Art, wie es geschieht, könnte die Band allerdings kaum mutloser erscheinen lassen. Weniger tiefgründig und aneckend hat man die Briten jedenfalls noch nicht gehört.

I’ve seen you dance through the radio/For gold again/ You’re going for gold again“ singt Rossdale in ‚All My Life‘. Wen er meint, bleibt der Imagination überlassen – oder man münzt die Zeile gleich auf Bush an sich um. In dem Fall wäre man eventuell geneigt, soviel Selbstironie als charmantes Understatement abzutun – schlußendlich brächte Rossdale die Misere damit aber nur treffend auf den Punkt. Jede der fünzig Minuten auf ‚The Sea of Memories‚ klingt derart durchkalkuliert, herz- und mutlos dass einem beinahe der Backkatalog der Band vergrämt wird. Die beiden Singles ‚Afterlife‚ und ‚The Sound of Winter‚ bieten dabei schon einen guten Querschnitt des aufgebotenen Materials: Rossdale dirigiert mit seinem brav der nächstbesten Melodielinie folgenden Gesang uninspirierte Gitarrenarbeit in hymnenhafte Stadionrefrains. Und zum Abschluss beinahe jedes Songs servieren Bush ein unhaltbar ausuferndes Finale, in dem der Chorus nocheinmal bis zum Erbrechen auskekostet wird. Das mag dem Gelegenheitshörer schmackhaft erscheinen, ist aber nicht nahrhaft.

Hätte Nigel Pulsford es richten können? Möglich – schließlich krank die Platte vordergründig an ihrem einfallslosen und unnahbaren Gitarrenspiel. ‚The Sea of Memoeries‘ mangelt es über die gesamte Spielzeit an der Dringlichkeit alter Platten, es fehlen die wirklich großen Riffs. Nichts hier klingt noch hungrig, selten gelingt es Bush Atmosphäre aufzubauen und lieber dümpelt man im Formatradiosumpf umher – Produzent Bob Rock darf hier wieder seine Stärken zeigen. So gehen die wenigen starken Momente der Platte gnadenlos unter, nicht einmal der vielversprechende Schlußpunkt ‚Be Still My Love‚ kann versöhnen – da man zu diesem Zeitpunkt schon zu oft enttäuscht wurde und Rossdale`s nach wie vor jugendlich präsente Stimme ausgerechnet in der tranigen Pianoballade ‚All Night Doctors‚ am besten zum Tragen kam. Eigentlich eine Schande.
Bush hatten ihre Zeit, keine Frage. Zehn Jahre danach dümpeln sie aber ferngesteuert zwischen Belanglosigkeiten und potentiellen B-Seiten von Creed umher. Plötzlich ist klar, warum Palson und Pulsford keine Zeit hatten – aber die verbliebenen Käufer wird dies wohl kaum stören.

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Comments (4)

  1. Peter21. Oktober 2011 Antworten
    Bullshit…tut mir leid, dass ich dies so ausdrücken muss. Aber mir scheint es, als wenn du, lieber Oliver, die Platte nebenbei, bei was auch immer, gehört hast. Anders kann ich mir deine Kritik nicht erklären.
    Nur um ein Beispiel zu nennen: All night doctors ist die vielleicht beste Ballade der Band und keineswegs tranig.
    Insgesamt sicherlich kein Meisterwerk, aber du solltest dir die Platte noch das eine oder andere mal in Ruhe anhören; und daraufhin noch mindestens 3 Sterne „obendrauf packen“.
    • Oliver23. Oktober 2011 Antworten
      Interessante These, lieber Peter! Praktisch kann ich dir aber versichern, mich eingängig mit dem Album beschäftigt zu haben. Viel eher scheinen hier (abermals) unsere Geschmäcker schlicht auseinander zu gehen. Was sich allein durch das von dir angeführte Beispiel verdeutlich sollte: wo du ‚All Night Doctors‘ als eventuell beste Ballade der Band ansiehst, sehe ich den Song als müde Niederlage für eine Band, die eine Nummer wie ‚Glycerine‘ geschrieben hat – die für mich eben die beste Ballade der Band ist. Auf dein Anraten hin habe ich mich aber tatsächlich nocheinmal mit ‚The Sea of Memoires‘ befasst: Leider bleibt die Platte ein einziges sterbenslangweiliges Armutszeugnis.
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