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Cerebral Ballzy – Cerebral Ballzy

Was heute aus der Rolle fällt, wäre vor 30 Jahren wohl unter „Ferner-liefen“ gereiht worden. Cerebral Ballzy spielen 19 Minuten lang Hardcore Punk, der sich nach den 1980ern sehnt. Was man bei dem derzeit über die Band hereinbrechenden Hype und Hass aber schon mal übersehen kann: Die machen ihre Sache tatsächlich nicht schlecht, klingen authentisch und machen tierisch Laune.

Zugegeben, einen etwas öligen Beigeschmack hat das erste Full- Lenght Album der fünf New Yorker schon. Nicht, weil das Hochglanzdigipack den mühevoll auf DIY-Attitüde getrimmten Lyricsheet im Schwarz-Weißkopiererstyle etwas zu gestelzt wirken lässt. Eher, weil es gefühlte tausend Bands da draußen gibt, die einen ähnlichen Hardcorepunk spielen, wie die Burschen aus New York, diesen jedoch nicht die mediale Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, wie sie Cerebral Ballzy derzeit erfahren. Denn vermarkten lässt sich so eine Band natürlich grandios: Fünf Burschen tragen Namen wie Honor Titus, Melvin Honore oder Crazy Abe und sehen zudem aus wie ein Mash-Up aus Beastie Boys und Bad Brains – während derer Schulzeit wohlgemerkt. Aber das jugendliche Aussehen der Band war es nicht, die mitunter die Aufmerksamkeit der New York Times bescherte: Cerebral Ballzy kommen aus der Gosse von Brooklyn – wo Dealer, Junkies und der Bodensatz der Gesellschaft einer hoffnungslosen Zukunft entgegen blicken soll. So ein Hintergrund weckt das Interesse und zieht, aber kann man dass der Band wirklich vorwerfen?

Viel wichtiger als aller medialer Rummel sollte deswegen die Musik der fünf Rabauken sein. Und die ist ein einziger, zwanzig Minuten dauernder Tribut an die Sternstunden des Harcorepunk in den frühen 80ern. Wer Cerebral Ballzy sagt, muß Black Flag, Minor Thread, die fühen Beastie Boys und vor allem die Circle Jerks im Hinterkopf haben. Dass die Band dabei auf eigenständige Charakteristika abseits von Honor Titus charismatischen Geshoute verzichtet, bremst den punkgenau (übrigens von The Bronx Gitarristen Joby J. Ford) produzierten Punkrock auf der Überholspur nicht aus. Die Gitarristen Jason & Mason prügeln aus ihren Gitarren Riff um Riff, während die Rhytmussektion die Beine am Gaspedal festgetackert hat. ‚Cerebral Ballzy‚ rast durch seine zwölf Songs, niemand hat hier Zeit zu verlieren oder unnötigen Ballst mitzunehmen, es gilt astreine Genrehits auszukotzen. Und am besten noch ein paar stylishe Videos dazu zu drehen: ‚Insufficient Fare‚, ‚Don´t Tell Me What to Do‚, ‚Drug Myself Dumb‚ und vor allem das großartige ‚Cutting Glass‚ tun zwar ihr übriges, um Cerebral Ballzy als die Alibiundergroundpunkband für Indiekids zu etablieren – aber was ändert das daran, dass die Songs abgehen wie Schmiedts Katze und dabei einfach nur Laune machen.

Ob die Band mehr als das möchte, darf ohnedies dahingestellt sein. Über dem Geschwindigkeitsrausch werden Texte über übermäßigen Bierkonsum und scharfe Mietzen geschrien, prallen da auf angedachte Sozialkritik und verquere Liebeslyrik. Im Zweifelsfall heißt es „fuck my fucking Limit„: „Back the Fuck Up – I´m Gonna Fucking Puke!„. Mit den idealistischen Schwergewichtern aus den 1980ern können Cerebral Ballzy nicht mithalten, einstweilen begnügen sie sich damit, deren Überbleibseln die Bühnen vorzuwärmen. So durfte man schon auf Keith Morris fabelhafte Allstar Band Off! vorbereiten und für Anthrax einheizen, auch aktuelle Szenegrößen wie Fucked Up oder Trash Talk passen diesbezüglich wie die Faust aufs Auge. Verwunderlicher ist da schon die Platzierung vor Indiebands wie Black Lips und den Grave Barbies vor deren verwunderten Augen sich Cerebral Ballzy auskotzten.
Was nach all dem Hype um die als „Retter des Punkrock“ gepriesenen Jungspunde, als „Punk Rawk Clowns“ verhöhnten Medienlieblingen bleiben wird? Ernstmals ein solides Hardcorealbum, dass sich authentisch im guten Mittelmaß des Genres etablieren kann. Eine Band, die nicht die Sensation ist, zu der sie gemacht wird und die nicht so schlecht ist, wie ihr Ruf in Szenekreisen. Eine Schande, würde die Musikindustrie hier wiedereinmal Talente verheizen.

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