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Circle Takes the Square – Decompositions – Vol I., Chapter 1: Rites of Initiation

Man hat schon nicht mehr daran geglaubt, jetzt machen sie Nägel mit Köpfen: Ihrem zweiten Album schicken Circle Takes the Square eine erste EP voraus. Vier monumentale Songs in 23 Minuten unterstreichen, was allein der Titel bereits erahnen lässt – da dürfte das nächste Meisterwerk auf uns zukommen.

Hand aufs Herz, wirklich gerechnet dürften sie wenigsten noch mit neuem Material der Band aus Georgia haben. Immerhin sind seit dem Debütalbum ‚As the Roots Undo‚ – und man darf wohl so sagen, ein modernen Klassiker – auch schon wieder sieben ganze Jahr vergangen. Angekündigt wurde ein Nachfolger immer wieder, gekommen ist bis heute nie etwas und nach Umbesetzungen 2007  (nur noch Drew Speziale und Kathy Stubelek sind von der Stammformation dabei) drohte die Band  vollends in der Versenkung zu verschwinden. In Szenekreisen vergöttert, war der proggressive Screamo (…) von Circle Takes the Square eben nicht nur seiner Zeit voraus, sondern in seiner Vielseitigkeit einfach zu speziell, um die Massen zu begeistern. Dem Schicksal, als Geheimtipp zu verglühen, trotzen die Amerikaner nun aber. Nachdem im August der erste Live Auftritt seit drei Jahren gespielt wurde soll diesen Herbst endlich das lang herbeigesehnte zweite Album erscheinen: ‚Decompositions: Volume I‘. Widersprüchlich und irritierend die Hintergrundinformationen dazu: Bei dem Album soll es sich um den ersten Teil eines dreiteiligen Monumentalwerkes namens ‚Decomposition‚ handeln – wann und wie und ob dieses tatsächlich irgendwann seinen Abschluss finden wird, steht freilich noch in den Sternen.

‚Rites of Initiation‚ soll dabei eben das erste Kapitel dieses ersten Teiles darstellen; inwiefern die vier Songs dieser EP auf dem kommenden Album vertreten sein werden, wird sich ebenfalls erst weisen. Vage auch die Informationen der Band selbst: „Wenn die Grenzen zwischen denken und wissen, träumen und wachen, leben und sterben anfangen zu verschwimmen, blutet eine beängstigende, urwüchsige Vision durch den zarten Schleier der allgemeinen Wahrnehmung hindurch.“ Alles klar?
Wichtiger als das gesamte Brimborium um die Veröffentlichung ist aber ohnedies die aufgefahrene Musik (erhältlich als Download via Bandcamp) – und die zeigt Circle Takes the Square abermals in bestechender Form, weitestgehend knüpfen die Vier aus Savannah gar nahtlos an ‚As the Roots Undo‚ an. Geboten wird immer noch die selbe lieb gewonnene Genrekollision: Ob man das nun als (Prog-)Metal, Screamo, Emo, Hard-, Math oder Grindcore, bezeichnet – ist natürlich alles gleichermaßen richtig wie vollkommen falsch. Für Sekunden klingen Circle Takes the Square wie die kleinen Geschwister von Thursday, ringen dramatisch mit Melodiefetzen und eingängigen Strukturen, nur um Sekunden später in blinder Raserei ala The Number Twelve Looks Like You alles niederzumähen, was ihnen im Weg steht. Geradlinig geht natürlich anders, zwischen (im kürzesten Fall) zweieinhalb und (im längsten) knapp neun Minuten schlagen Circle Takes the Square auf dieser EP allein schon mehr Hacken, als andere Bands in ihrer gesamten Karriere.

Geblieben ist der Band auch der unverwechselbare Doppelgesang von Drew und Kathy. Die beiden keifen sich wutentbrannt durch die vier Stücke, als gäbe es keinen Death-Metal mehr und verstärken dabei die immense Sogwirkung des neuen Materials. Dieses fließt anstandslos ineinander über, verschlingt den Hörer mit all seiner Kompromisslosigkeit mit Haut und Haaren. Dabei wirken die Songs allesamt eine Spur düsterer, finsterer, verzweifelter als jene auf dem Debütalbum.23 Minuten gibt es beinahe ausnahmslos ordentlich auf die Fresse, die Instrumente rasen um die Wette und umkreisen sich sofort wieder stimmungsvoll und zähnefletschend. Im Kern spielt die Band so immer noch ihre ureigenen, hochkomplex vertrackten Metalversatzstücke auf unverbraucht frische Weise und zeigt doch eine immense Weiterentwicklung, vor allem gesangstechnisch. Das die Band mit dem epochalen ‚Enter By The Narrow Gates‘ zudem den vielleicht vielschichtigsten Song ihrer Kariere ausrollt, lässt beinahe sprachlos zurück. Ein beachtlicher Ausblick auf das kommende Album also. Und ein Fest für Fans mit langem Atem und Neulinge mit Forscherdrang.
Was die Zukunft für all jene bringen wird und ob die Zeit nun endlich reif für Circle Takes the Square ist, wird sich im November zeigen. Bis dahin ist es in erster Linie unfassbar schön zu sehen, dass sich die Band nicht hat unterkriegen lassen – Willkommen zurück.

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  1. Pingback: Wo bleibt eigentlich der Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] das aufschreiende Lebenszeichen ‘Decompositions, Volume I, Chapter 1: Rites of Initiation‘ 2011 nicht gewesen – man hätte ja nicht geglaubt, dass die personell um Drew Speziale und […]

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