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City and Colour – Little Hell

Dallas Green schlägt lautere Töne als auf seinen ersten beiden Solo-Platten an. Die Folk-Fraktion muss sich allerdings keine Sorgen machen: er swingt nur etwas weiter Richtung Country und Rock, Alexisonfire bleiben eine andere Band.

Die Zeiten, als City and Colour das neue, ultraleise tretende Projekt des Alexisonfire-Gitarristen Dallas Green war, sind vorbei. Little Hell ist sein drittes Album seit 2004, bereits der Vorgänger Bring me your love zeigte an, in welche Richtung es hier gehen würde. Die Spielwiese Greens abseits verschwitzter Hardcore-Shows muss nun auch für schnellere Songs herhalten, was City & Colour stellenweise seiner Intimität beraubt.

Little Hell ist trotzdem ein ganz typisches City & Colour-Album. Alles andere wäre auch verlogen, da Green immer wieder darüber spricht, wie C&C „einfach er, ganz normal“ sei. Eine große Stiländerung war also nicht zu erwarten, auch, wenn sie vermutlich egal gewesen wäre. Denn der harte Kern der Fanboys und -girls Greens aus Alexisonfire-Kreisen verehrt ihn wie einen Guru. Egal, welchen Ton er anschlägt, es wird für sie der richtige sein. Da Dallas Green ein gutes Gespür für Melodien hat, ist das aber auch bei uns nicht viel anders.

„We found each other in the dark“, ein Titel, wie wir ihn von Death Cab for Cutie erwarten würden, markiert als Einstieg in Little Hell nochmal gut die Richtung für alle, die die Vorgänger-LP nicht kennen. Es steigt mit einer weit entfernt hallenden Lap-Steel-Gitarre und den ersten Zeilen „I heard the church bells from afar / But we found each other in the dark / And when the smoke does finally pass / We will rise above all the ash“ in ein Lied über die Phönixartige Widerauferstehung des Protagonisten und seiner Liebe ein.
Erst Titel Nummer 3, passenderweise „Grand Optimist“ betitelt, knüpft wieder an frühere, leisere Sounds an. Und während sich darauf der Titeltrack langsam in eine nette Folkrock-Nummer hochschaukelt, ist es die Single „Fragile Bird“, die wirklich überrascht. Deren lässig groovender Bass und Staccato-Gitarren, verbunden mit dem hymnischen Refrain, überraschen zum ersten Mal wirklich. Solch eine astreine Alternative-Rock-Nummer hätte auf diesem Album wohl niemand einfach so erwartet. Fuzz-Gitarren auf einem City & Colour-Album? Ja, jetzt schon.

„Fragile Bird“ ist trotzdem eher die Ausnahme als die Regel. Die nächsten Titel lassen einen wieder in Greens melancholische Seele blicken und schmachten dahin, wie wir es von ihm gewohnt sind. Da werden Dämonen besungen, die um die eigene Schwester fürchten lassen und dabei mit atmosphärischen Keyboards aufwarten („O‘ Sister“). Bis mit „Weightless“ wieder ein Alternative-Rocker daherkommt und die Stimmung zwar nicht aufheitert („Holding all the weight in my life / Now you turn and walk away from me“), das Album aber wieder auflockert. Mit „Sorrowing Man“ folgt darauf noch einmal Country-Rock, den wir so auch auf einem der neueren Eagles-Alben hören könnten. „Hope for now“ steigert sich darauf schon fast so weit, dass wir Schreie erwarten – und natürlich in dieser Erwartung enttäuscht werden. Weil „Silver & Gold“ Little Hell wieder einigermaßen typisch ausklingen lässt.

Der Eindruck, der danach bleibt, ist eher gespalten. Ganz hat Dallas Green es nicht geschafft, hier ein homogenes Album abzuliefern, neu erfinden tut er schon gar nichts. Das muss er auch nicht, er setzt viel mehr auf persönlichen Ausdruck auf erprobtem Wege. Gefühls-Höhepunkte bleiben zwar aus, werden aber durch Lautstärke und etwas mehr Abwechslung ausgeglichen. Das ist nicht schlecht – aber halt auch nichts, was einen lange begleiten wird.

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (3)

  1. Lan20. Juni 2011 Antworten
    5/10. Das ich nicht lache.
    • Klemens20. Juni 2011 Antworten
      Musst du auch nicht 😉
      Findest du, es hätte mehr oder weniger verdient?
  2. Dan179. Juli 2011 Antworten
    5/10????? Bitte vorher mal richtig anhören, dann werdets auch draufkommen, dass Hope for now und nicht Silver&Gold das Album „ausklingen lässt“.

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