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Clap Your Hands Say Yeah – Hysterical

Vier Jahre und viele Gerüchte über einen Split der größten Indie-Hoffnung von 2004 hat es gedauert, jetzt melden sich Clap Your Hands Say Yeah mit ihrem neuen Album ‚Hysterical‘ zurück. Natürlich ist da der Einfluss der Nebenprojekte ebenso hörbar wie die alten Stärken der Band. Beides aber leider viel zu selten.

2007 veröffentlichten sie mit ‚Some Loud Thunder‘ ihr letztes reguläres Album, welches wie auch das Debüt große Wellen bei den Kritiker_innen schlug. Dann wurde es nach ausgeprägten Touren und einem iTunes-Live-Album erst mal still um die New Yorker rund um Alec Ounsworth. Während dieser ein gutes Soloalbum namens ‚Mo‘ Beauty‘ veröffentlichte und mit seiner Zweitband Flashy Python ein Album aufnahm, waren Robbie Guertin und Tyler Sargent mit Uninhabitable Mansions unterwegs. Die Gerüchte um einen Split der Band mehrten sich. Aber im Mai 2011 wurde vehement verneint, das Ergebnis hören wir jetzt: ‚Hysterical‘ ist ein überaus durchdachtes Album. Manchmal aber leider auch zu durchdacht.

Als Produzenten verpflichtete man wieder einen großen Namen: John Congleton arbeitete zuvor bereits mit Modest Mouse, Okkervil River, Antony and the Johnsons und vielen mehr. Sein dunkler Sound mit fetter Rhythmus-Sektion schlägt sich auch auf ‚Hysterical‘ nieder, das Album wirkt jedoch nie melancholisch oder gar traurig. Viel eher ist es CYHSYs ‚The Bends‘. Leider.
Denn geliebt haben wir sie für ihren eigenständigen Sound, Ounsworth’s Stimme, die so schief und doch so schön klingt. Das herrliche Gejammer ist aber großteils Geschichte. Anstelle des eigenen Sounds treten perfekte Streicherarrangements, fett modulierte Fuzzgitarren und ein Alec Ounsworth, der wirklich bemerkenswert nahe an Thom Yorke kommt, in den Vordergrund. Abermals: leider.

Denn auch wenn mit ‚Same Mistake‘ ein positiv stressender Opener dasteht, der an frühere Großtaten erinnert, ist mit dem Titeltrack auf Platz 2 schon das große Wundern da: sind das jetzt die frühen Radiohead, oder schon noch Clap Your Hands Say Yeah? Und dieser Gedanke zieht sich durch das ganze Album. Die Gitarrenarrangement sind denen der Indielegenden sehr ähnlich, hin und wieder gibt’s ein schönes Piano, dann wird wieder reingefuzzt, was das Zeug hält. Zwischendurch leuchtet die alte Größe CYHSYs durch (die Single ‚Maniac‘), aber nichts sticht mehr richtig heraus. ‚Hysterical‘ verrät zu sehr seine großen Vorbilder: die perfekten Arrangements von Radiohead, ab und zu durchsetzt von den freakigen Spacesounds der Flaming Lips. Songs wie ‚Ketamine und Ecstacy‘ könnten so auch auf ‚The Bends‘ sein.

Das ist natürlich nicht schlecht. Ich mag beide großen Einflüsse sehr gerne. Aber die will ich nicht hören, wenn ich mir eine Platte von Clap Your Hands Say Yeah anhöre. Es würde der Band gut tun, wieder weg von großen Produktionen zu gehen, hin zu mehr Akustikgitarren und Katzenjammer. Denn niemand jammert so schön wie Alec Ounsworth. Schade, dass er das hier nicht tut.

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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