Neonliberal.at

Neonliberal.at

Cloud Control – Bliss Release

Und wieder treibt eine Indie Band ihren Rock durchs Folk Dorf. Cloud Control aus Australien gehen dabei auf ihrem Debütalbum weitaus psychedelischer zu Werke, als man das von vier blutjungen Nicht-Hippies erwarten dürfte. Und damit in ihrem Heimatland auch erfolgreich durch die Decke.

Dass Musiker aus dem Land der Kängurus offenbar ein Händchen für ausufernde Songstrukturen mit starker 70er Affinität haben, scheint sich seit den famosen Tame Impala immer mehr zur Tendenz auszuweiten. Cloud Control aus den Blue Mountains schlagen in eine ähnliche Kerbe, wenn auch deutlich weniger Rock-orientiert und ohne Heavy Gitarren. Dafür haben die vier jungen Rabauken eine Vorliebe für Folkmusik und ganz verqueren Pop. Bliss Release hat es ohnedies mit Vorlieben, praktisch jeder Song posaunt seine musikalischen Vorbilder hinaus in die Welt.

Referenzpunkte hat Bliss Release mindestens so viele, wie es Songs hat. “Ghost Story“  oder “Hollow Drums“ hätten Fleet Foxes eventuell früher oder später selbst am Lagerfeuer geschrieben, während „This is What I Said“ oder „There’s Nothing In The Water We Can’t Fight „ so sehr nach Local Natives schreit, wie es die beschwingten Hüften nur zulassen. “Just for Now“  borgt sich das spärliche Schlagzeug der Bowerbirds beinahe auf Augenhöhe. Dazu geben Alister Wright und Heidi Lenffer das charmanteste Gesangsduo seit den Magic Numbers, laufen harmonisch und doch leicht neben der Spur nebeneinander her. Während die Songs herrlich psychedelisch knarzen und die Gitarre schrubbelt, wie das  in jüngerer Zeit eigentlich nur Sleepy Sun so umwerfend hinbekommen haben. Dabei gibt sich Bliss Release keine Mühe zu verbergen, dass Cloud Control im Grunde genommen nur ihren eigenen, großartigen Pop spielen wollen, der noch an das Gute im Menschen glaubt. Und schlußendlich macht es bei solch hibbeligen Hits wie „Gold Canary“ auch mehr Spaß mit zu schunkeln, als nach Vorbildern zu suchen.

Was Cloud Control darüber hinaus vom Vorwurf freispricht, bloß gelungenes Recycling zu betreiben?
Nicht viel. Was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, wenn die Australier eine schmissige  Melodie nach der anderen rauswerfen, sich Augenzwinkernd sperrig geben und dann mit Harmoniegesang doch die erste Abfahrt Richtung Ohrwurm nehmen. Denn was Bliss Release bei all seinem Eklektizismus zugute gehalten werden muss, ist dass die grandiose Songs des Debütalbums allesamt funktionieren – und das auch als Einheit. Ein Sammelsurium der Vorbilder wird zum Schmelztiegel der kleinen Eigenheiten und Bliss Release zum gelungenen Amalgam mit lachendem Gemüt. Kurzweilige Popmusik ist das, die man in solch schmissiger Form erst einmal zusammenbringen muss. Originär braucht man das deswegen gar nicht zu nennen. Denn wer zwischen den genannten Bands noch einen Platz im Plattenschrank frei hat, wird ohnedies beschäftigt sein, mit Cloud Control durch den sommerlichen Park zu hüpfen.

[amazon_link id=“B003RK1O7S“ target=“_blank“ ]Bliss Release auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook