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Glassjaw – Coloring Book

Und sie wissen nicht was sie tun.  Nach der superben Pflichterfüllung Our Color Green folgt mit Coloring Book die die nächste Ep und eventuell ja so etwas wie die Ankündigung der Kür des langersehnten Comebacks. Bloß: Erwerben kann man dies wieder einmal nirgends.

War Our Color Green der Beweis, dass die Jungs aus New York nichts verlernt haben, ist Coloring Book das zusätzliche „Mehr“.
Glassjaw heben ihren Post-Hardcore auf eine völlig neue Ebene, zeigen, dass sie die letzten 10 Jahre nicht in Erdlöchern verkrochen haben.

Coloring Book ist Glassjaw´s bisher beat-lastigste Songzusammenstellung bisher geworden. Gleich der furiose Opener Black Nurse macht klar: Hier hat der Rhythmus die Oberhand.
Dabei darf sich Durijah Lang in den Vordergrund spielen, lässt sein Schlagzeug zwischen schwerfälliger Walze, Beatmaschienengewehr und  zum hyperaktiven Jazzlounge mutieren.
Der tiefdröhnende Bass räumt dabei aus dem Weg,  was noch steht.
Gitarrenriffs sucht man hingegen nahezu vergeblich, Justin Beck spielt sein Insttument zwischen magenerschütternden Drone und Synthysizerverfremdung, die Distortion immer auf vollem Anschlag und wagt sich meist nur für die Refrains aus dem Hintergrund.
Palumbo bleibt bei seinen Leisten,  liefert gesanglich sein konstant hohes Nivieau – dass Glassjaw damit wieder Hooklines ohne Ende in peto haben versteht sich damit von selbst.
Coloring Book zeigt auf, wie Head Automatica wohl klingen würden, hätten sie nicht im Dance Hades gerockt, sondern eine Party zu Ehren des dritten Weltkrieges bespielt.
Rhythmischer und mehr nach einem Remix ihrer selbst als hier haben Glassjaw noch nicht geklungen, gleichwohl aber auch niemals verzweifelter und düsterer.

Soundästhetisch fallen die 6 Songs damit aus der bisherigen Discographie.
Ursprünglich als Songs angekündigt, die ebenfalls nicht auf das theoretisch kommende dritte Album der Band finden werden, wurde Coloring Book deswegen auch als EP während der Februar/ März Tour gratis verteilt. Damit wäre die zweite Comeback EP die ebensovielte, die man nicht über handelsübliche Wege erwerben kann. Im Grunde eine Verschwendung für die ausnahmslos sensationellen Stücke der Zusammenstellung.
Doch die Hoffnung bleibt: Mittlerweile wird Coloring Book als Teaser zu den unkonkreten Albumplänen bezeichnet.
Halten Glassjaw dieses Niveau, steht der besten Post-Hardcore Platte des Jahres nichts mehr im Wege.
Außer Glassjaw selber mal wieder.


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Comments (2)

  1. Pingback: Wo bleiben eigentlich die Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] unnachahmlich und fulminant beherrschen wie früher; oder die eine Entwicklung dokumentieren, die Glassjaw als rhythmusbetonte Tanz-Apocalypse aufgefächert zeigen . In Verbindung mit permanent schwankenden Nachrichten ob einer in den Startlöchern stehenden […]

  2. Pingback: Glassjaw - Material Control - HeavyPop.at 6. Dezember 2017 […] Color Green ein wenig verschenkt war. Aber eben: Wo die rhythmusfixierte Tanzbarkeit des präzisen Coloring Book sich knappe sechs Jahre später eher als ästhetischer Impulsgeber für die Basslastigkeit von […]

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