Neonliberal.at

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††† oder Crosses, beide Varianten sind zulässig: Die neue Spielwiese des Deftones Chefcharismatiker kann mann nennen, wie man möchte. Die gemeinsam mit Shaun Lopez und Scott Chuck eingespielte erste EP ist da schon expliziter: † ist ein zwingender Bastard aus Nine Inch Nails Rock und Depeche Mode Elektronikpop – Chino Moreno hat jetzt eine Witch House Band – oder so ähnlich.

Eine gewisse Affinität zum Kruzifix lässt sich da nicht verleugnen. In Bandnamen wie EP-Titel findet sich das bedeutungsschwangere Symbol ebenso häufig, wie in den Songnamen. Es bleibt abzuwarten, wie konsequent dies auf nachfolgenden Releases eingehalten wird. Dass solche folgen werden, scheint so gut wie sicher: ††† aka Crosses wurden 2010 von Chino Moreno und dem ehemaligen Far Gitarristen Shaun Lopez gegründet. Die beiden Jugendfreunde und Nachbarn taten sich mit Scott „Doom“ Chuck zusammen und innnerhalb von nur vier Tagen waren ganze 16 Songs im Kasten. Angedacht ist nun eine serielle Veröffentlichung dieser Ergebnisse in EP Form. Die erste solche lässt sich nun gratis im Tausch gegen die eigene E-Mail Adresse bekommen, wer † in besserer Qualität haben möchte, wird für 5,- US Dollar ebenfalls auf der bandeigenen Homepage fündig.

So ausgefallen der Titel auch sein mag: Das gab´s so ja erst unlängst. Mit der gleichnamigen ersten Justice Discosause hat † tatsächlich nicht nur Namen gemein, sondern auch den Hang zur Elektronik. Chino Moreno und seine Gefährten leben diesen allerdings doch deutlich anders aus, als die Franzosen. Fünfmal tauchen die drei Kalifornier in unterkühlte Elektronikgewässer ein, an deren Oberfläche die Sonne scheint. Trent Reznor ist hier kein Unbekannter und dennoch sind Depeche Mode soundästhetisch die nächsten Verwandten. Kann man also unter Witch House einordnen. Dass Moreno eine Vorliebe für derartige Ausflüge hat, beweist der Ausnahmesänger ja auch immer wieder gerne auf den Platten seiner Stammband, zudem auf der sträflich missachteten Trip-Hop Glanztat seiner Zweitgruppierung Team Sleep. Von dieser unterscheidet sich sein jüngstes Projekt dann auch eher vage, in den Einzelheiten jedoch gravierend genug.

Vordergründig spielen Crosses ebenso melodieorientiert, präsentieren sich aber nicht derart nebelverhangen wie das mittlerweile auch schon wieder sechs Jahre im Dämmerzustand befindliche Pendant. ††† wandeln durch melancholisch verdunkelte 80er Jahre Kompositionen, denen der widersprüchliche Spagat gelingt, trotz aller Niedergeschlagenheit leise Hoffnung zu verströmen. Hauptverantwortlich dafür natürlich: Chino Moreno, der hier niemals den Brüllaffen raus lässt, sondern sich vorsichtig durch die computergenerierten Songs tastet. Das hat etwas von einer düster entrückten Alptraumversion des Dreampops von Bands wie Beach House. Egal ob man mit Unterstützung von Ex-Guns´N`Roses Mann Duff McKagan im Opener ‚†his Is A Trick‚ noch rockigere Töne anschlägt, für ‚Bermuda Locke†‚ die Rollläden beinahe komplett runter lässt, mit ‚†hholyghos†‚ einen auf „Twilight Zone„- Timbaland macht (und damit einzig zu offensiv zu Werke geht) oder ‚‚ (dem Song) als bedrohlicher Schlußpunkt das Instrumentalzepter schwingt:  (das Album) präsentiert sich von vorne bis hinten als rundes Stimmungsjuwel: Düster, dunkel, bedrohlich und dennoch hoffnungsschwanger. Die Fackelträger Chino Moreno und Shaun Lopez haben mit Crosses eine vielversprechende Band im Spannungsfeld Alternativerock und Electronic aus der Traufe gehoben – sollte man auf dem Radar behalten!

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