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Darf der Weihnachtsmann das?

Auf eines ist in der Vorweihnachtszeit verlass: nervige Werbespots. Ob es um Erfrischungsgetränke, Parfums oder Automarken geht, alle setzen das Christkind oder den Weihnachtsmann in ihren Werbungen ein. Dankenswerterweise beginnt die Vorweihnachtszeit für den Handel schon Mitte Oktober, sodass wir über zwei Monate in den Genuss solcher Spots kommen.

Das Christkind kann Karate

tele.ring ist einen Schritt weiter gegangen und spannt gleich beide Figuren in ihre aktuelle Werbung ein. Sowohl das Christkind, als auch der Weihnachtsmann dürfen für das Produkt werben. So gesehen ist es ganz klug, denn sowohl für christliche Mehrheit, als auch für Nichtgläubige ist etwas dabei.

Für alle, die keinen Fernseher Zuhause haben oder bei Werbepausen immer umschalten: Telering bietet nun zwei Tarife, den „Basta Minimum“ und den „Basta Maximum“, an. Für „Basta Minimum“ wirbt das Christkind, für „Basta Maximum“ der Weihnachtsmann. Und da die besten Weihnachtstarife um uns kämpfen, schlagen sich Christkind und Weihnachtsmann in zwei Spots gegenseitig nieder (in einem gewinnt das Christkind, im anderen der Weihnachtsmann), am Ende kommt „der Inder“ aus dem Kamin.
Eine ziemlich dumme und kaum witzige Werbung, zugegeben. Zahlreiche Beschwerden beim Werberat zeigen aber auch, dass die Werbung viel Wirbel erzeugt. Sogar die deutsche Bild-Zeitung nimmt sich in gewohnter Seriosität des Themas an:

Rums! Ein gekonnter Geschenke-Sack-Schlag und schon schleudert das Christkind ins Bücherregal. Der Übeltäter: Niemand geringeres als der Weihnachtsmann!

T-Mobile, zu dessen Marke tele.ring zählt, reagiert nach einem Gespräch mit dem Werberat prompt und schwärzt in einem ersten Schritt die Kampfszenen, an einem neuen Spot, der ohne Gewalt auskommt, wird schon gearbeitet. Wobei T-Mobile aber meint, dass jener Spot, in dem das Christkind gewinnt, in der Bevölkerung „super ankommt“. Vielleicht liegt das daran, dass es Zuseher_innen weniger gern sehen, wenn Kinder gegen Regale geschleudert werden, als wenn alte Männer auf einen Couchtisch geworfen werden. Und wenn dieses Kind auch noch das Christkind ist, dann ist das Fass natürlich randvoll. Vor allem Eltern hätten sich über die Werbung beim Werberat beschwert. Sie würde Kinder verstören – wie einem „Klageschreiben“, das auf krone.at zu finden ist:

„Meine kleine Schwester (5) hat bei dem Spot zu weinen begonnen, weil der große Mann dem Christkind weh getan hat und es mit einem gebrochenen Flügel nicht mehr nach Hause kommt.“

Nur fällt es schwer zu glauben, dass den Werbemenschen von T-Mobile nicht bewusst war, dass so eine Werbung, vor allem im christlichen Österreich, nicht gut ankommt. Und man kann ja nicht behaupten, dass zentrale Werbeziele nicht erreicht wurden: die Spots fallen auf, die Menschen und Medien reden darüber, und viele werden gespannt darauf sein, wie der neue Spot ist. Auch wenn T-Mobile durch die Aktion an Ansehen verloren hat – in wenigen Wochen ist das schon wieder vergessen.

Beschwerdeliste gegen die Werbespots

Basta Maximum oder: der Weihnachtsmann gewinnt

Basta Minimum oder: das Christkind gewinnt

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